Als Piefke ;-) nach Österreich

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Als Piefke ;-) nach Österreich

Beitragvon Flavia » Fr 21. Okt 2005, 20:56

Liebe östereichischen Forumnutzer!
Ich studiere Ev. Theologie und Latein auf Lehramt an Gymnasien (Abschluß Staatsexamen) in Schleswig-Holstein. Voraussichtlicher Studienabschluß (1.Staatsexamen) Dez/Jan 2006/07.
Dann folgt in Deutschland noch ein zweijähriges Referendariat, an dessen Abschluss das 2. Staatsexamen steht, das die Ausbildung abschließt.

Meine Fragen:
1. Welche Chancen habe ich, in Österreich eine Anstellung zu bekommen, wenn ich später einmal dorthin ziehe?
Ich habe gelesen, dass auch bei Euch Lateinlehrer recht knapp sind.

2. Kann ich evtl. die Einstellungschancen erhöhen, indem ich das Referendariat in Österreich absolviere?

3. Ich habe gehört, dass recht viele Gymnasiallehrer ("Professoren")
einen Doktortitel haben. Würde ich also meine Chancen auch durch eine Promotion erhöhen?

Wenn ihr selbst mir nicht weiterhelfen könnt, kenn ihr vll weiterführende links?
Vielen Dank für jede Antwort, Flavia
Flavia
 

Beitragvon Martinus » Fr 21. Okt 2005, 22:29

ad 1: ist mir nicht bekannt.
ad 2: ohne Unterrichtspraktikum sind nur Sonderverträge möglich, und das ist im Fach Latein unwahrscheinlich (wegen Punkt 1).
ad 3: in Österreich brauchst du Beziehungen, das heisst, wenigstens der Direktor der Schule, an die du willst, sollte dich auch wollen - gegen einen mit mehr Vitamin B hilft kein wie auch immer gearteter Titel (Master of the Universe vielleicht ;-)).
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Beitragvon Flavia » Sa 22. Okt 2005, 13:30

Hallo Martinus,
Danke für Deine Antwort!
Ich habe noch eine Frage zu zweitens: Meinst Du mit "Unterrichtspraktikum" den mit dem deutschen Referendariat vergleichbaren Teil (sind das auch zwei Jahre?) der österreichischen Lehrerausbildung?

Und ist damit die Antwort so zu interpretieren: Wenn ich das Referendariat in Deutschland mache, müßte ich trotzdem noch ein Unterrichtspraktikum bei Euch machen, damit ich überhaupt ne Anstellung bekomme?
D.h., wenn ich die Zeit sparen möchte, mache ich Unterrichtspraktikum(=Referendariat) und Studienabschluß (2.Examen) am besten gleich bei Euch?
Wenn Du das gemeint hast, an wen muß ich mich denn wenden um mich nach meinem 1. Examen auf einen Referendariatsplatz in Österreich zu bewerben?

LG Flavia
Flavia
 

Beitragvon Martinus » So 23. Okt 2005, 19:51

Das ist richtig, das Unterrichtspraktikum schließt an das Universitätsstudium an, dauert aber nur ein Jahr. Bewerben muss man sich in jedem Fall beim Landesschulrat des Bundeslandes, in dem man arbeiten will, lediglich in Wien heisst diese Einrichtung Stadtschulrat.

Ob es so sinnvoll ist, Abschluss und Referendariat in Österreich zu machen, kann ich nicht sagen, weil ich nicht davon ausgehe, dass es einen Lateinlehrermangel in Österreich gibt. Ich denke es wäre sinnvoll, sich vor einem solchen Schritt ausführlich bei den Landesschulräten zu erkundigen.
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Beitragvon Chrysostomus » Do 27. Okt 2005, 17:25

Wieso willst du nach Österreich, wenn doch in Deutschland zur Zeit so ein akuter Lateinlehrermangel besteht? Wir suchen z. B. seit längerer Zeit an unserer Schule händeringend einen Lateinlehrer, können aber keinen bekommen.

In Deutschland wirst du mit deiner Kombination wohl ziemlich sicher eine Stelle bekommen. Wichtig wäre wohl auch: Wie sehen die Einstellungsbedingungen in Österreich aus? Gibt es dort auch eine Verbeamtung auf Lebenszeit wie bei uns? Wie hoch sind die Bezüge (vergleichbar mit Besoldung A 13 Z in Deutschland? mehr oder weniger? Österreich ist ja nun auch recht teuer, also ein bisschen mehr als hier müsste man dort schon verdienen, um gleichen Lebensstandard zu haben).
Chrysostomus
 

Beitragvon Martinus » Fr 28. Okt 2005, 01:07

Verbeamtung (= Pragmatisierung) gibt es praktisch nicht mehr, zumindest nicht als Lehrer. Der Verdienst ist vergleichbar, aufgrund des geringeren Deputats aber theoretisch höher, wenn man Überstunden hat. Dazu kommt, dass die Jobaussichten in Österreich nicht gut sind für Lehrer.
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Beitragvon Flavia » Mo 7. Nov 2005, 14:28

Chrysostomus hat geschrieben:Wieso willst du nach Österreich, wenn doch in Deutschland zur Zeit so ein akuter Lateinlehrermangel besteht? Wir suchen z. B. seit längerer Zeit an unserer Schule händeringend einen Lateinlehrer, können aber keinen bekommen.



Es ist weniger die Frage, ob ich nach Österreich will, als die, ob ich dort arbeiten kann, wenn ich aus privaten Gründen einmal dorthin ziehe.

Ich weiß sehr wohl, dass meine Chancen hier in Deutschland /S-H gerade goldig sind. Ich bin auch wirlich gerne hier oben und werde freudig mein Referendariat absolvieren und wohl auch noch das eine oder andere Jahr hier arbeiten. Aber wenn man der Liebe wegen irgendwann den Wohnort wechselt, sollte man sich schon vorher ein bißchen schlau gemacht haben, unter welchen Bedingungen man dort seinem Beruf nachgehen kann. Ich habe inzwischen Nachricht vom Stadtschulrat in Wien, daß nach einer Nostrifizierung meines Abschlusses durch die Uni Wien meine Bewerbung gleichrangig behandelt werden wird. Also Dank Europa ist alles in Butter und ich kann nur hoffen, daß ein Umzug nach Österreich erst in ein paar Jahren stattfindet, wenn auch dort die Pensionierungswelle eingesetzt hat, so daß dort meine Chancen dann etwas besser sind.
Flavia
 

Beitragvon Brigitte Ecker » Mo 20. Feb 2006, 21:08

Die Wiener Humanistische Gesellschaft hat schon jetzt die Panik wegen der Pensionierungswelle. Sie hätten Mitglieder, die mit dem Unterrichten nicht mehr nachkämen, weil es zuwenig Lateinlehrer an der Schule gäbe. Man solle auf jeden Fall Latein mal versuchen.

Übrigens gibts noch immer einen Überhang an Geschichtslehrern, der wird aber auch mal enden, da immer weniger das Lehramt beginnen, oft genug Studierende wegen Scheiterns im Zweitfach zum Diplom wechseln und dann die letzten Mohikaner oft gar nicht an Schulen unterrichten wollen.
Brigitte Ecker
 


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