Frage bezüglich Studium

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Beitragvon Eteokles76 » Do 19. Apr 2007, 19:12

Also ich seh das auch eher wie Latein-Fan, wobei das sicher auch eine individuelle Frage ist wie man selbst am Besten lernt. Ich hab nur festgestellt, dass ich recht wenig davon habe, wenn ich 7h an einem Satz sitze bis ich ihn endlich bis ins Letzte dechiffriert habe und ihn mir dann angucken kann. Das ist zwar schön, aber dann gibts noch 3,7 Millionen andere Sätze, die wieder alle ganz anders ausschauen. Vom großflächigen Lesen, meist interlinear Lat/Gr - Deutsch (Reclam und dtv sei Dank), hab ich viel schneller ein Sprachgefühl bekommen und kann auf einmal auch schon unbekannte Sätze leichter und schneller übersetzen als vorher. Vielleicht nimmt man durchs Unterbewusstsein doch mehr Vokabeln und Grammatik auf, als es einem bewusst gewahr wird. Natürlich muss man zuvor die Grammatik gelernt haben und einigermaßen beherrschen.

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Beitragvon nighean_neonach » Sa 21. Apr 2007, 11:45

Es ist ja jetzt die Frage, reden wir vom Basisunterricht, von der gymnasialen Oberstufe oder von der Uni? Und ebenso ist die Frage, wieviel Zeit haben die Schüler für die einzelnen Phasen des Lateinlernens und zu welchem Zweck lernen sie es überhaupt?

Die meisten Schulbücher sind darauf ausgerichtet, Caesar-Vokabular (vielleicht noch Cicero) zu vermitteln - wer danach was anderes lesen will oder muss, greift zwangsläufig ständig zum Wörterbuch oder zu Editionen mit Vokabelhilfen oder gleich zu zweisprachigen Ausgaben.

Ich lerne mehrere alte Sprachen an der Uni und mein persönliches primäres Ziel ist eine Lektürefähigkeit um Sachinformationen zu erlangen (um z.B. historische Quellen oder literarische Texte lesen und wissenschaft nutzen zu können) oder auch einfach der reine Lesegenuss, z.B. habe ich mir abgewöhnt, griechische Texte im eigentlichen Sinne zu übersetzen, ich versuche sie beim Lesen direkt zu verstehen.
Andere lesen mehr mit dem linguistischen Auge, in unseren Altirisch-Seminaren beispielsweise ist es üblich, Sätze und Wörter detailliert "auseinanderzunehmen" und die ständige Arbeit mit Wörterbüchern und Grammatik wird erwartet (wobei man auch sagen muss, dass diese Sprache in einem viel schlechter dokumentierten und analysierten Zustand ist als Latein oder Altgriechisch).

All das sind eben Faktoren, die entscheiden, wie man liest und den Umgang mit altsprachlichen Texten trainiert. Meine Nachhilfeschüler übersetzen auch Caesar in Klassenarbeiten mit dem Wörterbuch, ich habe es meines Wissens früher auch so getan (NRW 90er Jahre). Ich sage ihnen immer das, was ich aus eigener Erfahrung von der Uni weiß, jede Minute, die man im Wörterbuch blättert, ist verschwendete Zeit in einer Prüfung. Ich würde immer zuerst "freihändig" übersetzen, unsichere Stellen markieren und hinterher, wenn ich noch Zeit habe, das nachschlagen, was mir nicht ganz klar war.

Und ich finde, so oft wie möglich sollte man das Leseverstehen trainieren, indem man sowohl bereits bekannte als auch unbekannte Texte einfach mal durchliest und dem Sinn nachhorcht, ohne in Einzelheiten in die Sätze einzusteigen. Es fördert das Sprachgefühl enorm. Leider sind Schüler kaum je dazu zu bewegen, ältere Lektionstexte einfach noch mal durchzulesen und sich daran zu freuen, was man alles fließend versteht - es wird im schulischen Unterricht selten vermittelt, dass Latein eine Sprache ist, die man lesen kann.
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Beitragvon Latein-Fan » Sa 21. Apr 2007, 14:09

:klatsch: :thumbup:
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