begeistert von latein/lernen neben dem studium?

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Beitragvon Eteokles76 » Sa 10. Mär 2007, 19:32

könnte man genauso gut Isländisch oder Altnordisch lernen


keine schlechte Idee, ich wär auf jedenfall dabei :D

denn man sollte meiner Meinung nach bei einem sprachlichen Studium immer Kenntnisse der Sprachgeschichte haben


Sollte man, ja, und deswegen hat man auch Kurse in Afrz und Altspanisch in denen ein paar Wörter hergeleitet werden. Das Dumme ist nur, dass das eigentlich nur sinnvoll ist, wenn man vorher wirklich sehr gut Latein konnte, ansonsten ist das schnell wieder vergessen. Und in den Lateinkursen, die ausschließlich aufs Latinum ausgerichtet sind gehts ja eh nur um den reinen Spracherwerb, für Sprachgeschichte oder um gar mal einen Ausblick auf die romanischen Sprachen zu werfen ist da überhaupt keine Zeit.[/quote]
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Beitragvon Michael » Sa 10. Mär 2007, 20:10

Für Germanistik wäre ein Latinum aber in jedem Fall sehr sinnvoll, man sehe sich nur einmal folgende Studie an: http://www.navonline.de/aktuell/thema/a ... _Lebek.php

Auch für Anglistik schriebe ich, so ich das bestimmen könnte, ein Latinum vor. Erstens aus eben demselben Grund der grammatischen Grundlagen; außerdem, weil auch im Englischen ungefähr die Hälfte der Wörter aus dem Lateinischen stammt (obschon man das oft trotz der Kenntnis des lateinischen Ursprungs nicht einmal merkt) ...



Parmenides hat geschrieben:für Philosophie sind wohl Griechischkenntnisse wichtiger als Latein.


Nicht unbedingt. Auch bei den Römern gab es viele Philosophen, die, nur weil sie heute nicht mehr gar so populär wie die bekannten Griechen sind, nicht weniger bedeutend sind.
Und auch bei den Fachbegriffen halten sich die beiden Sprachen, soweit ich das einzuschätzen vermag, ziemlich die Waage. Oder?
Hier in Baden-Würrtemberg ist es an den meisten Universitäten so, dass man entweder das Latinum oder das Graecum benötigt ...
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Beitragvon nighean_neonach » Sa 10. Mär 2007, 20:51

Michael hat geschrieben:außerdem, weil auch im Englischen ungefähr die Hälfte der Wörter aus dem Lateinischen stammt (obschon man das oft trotz der Kenntnis des lateinischen Ursprungs nicht einmal merkt) ...


Und das ist ja das, was Eteokles auch schon anmerkte: ein Lateinunterricht, der auf reinen Spracherwerb und Übersetzungstraining ausgerichtet ist, wird nicht viel dazu beitragen, diese Zusammenhänge zu erhellen. Viele Lehrer wissen selber nicht gut Bescheid.

Ich finde das eigentlich schade, ich denke, selbst für Schüler wäre es interessant, auf dieses Thema mal den einen oder anderen Blick zu werfen. Meine Nachhilfeschüler schauen mich oft mit großen Augen an, wenn ich ihnen an einzelnen Beispielen Sprachentwicklung aufzeige, oder wie man sich lateinische bzw. englische Wörter besser merken kann (gerade heute mittag hatte ich so einen Fall, wo wir festgestellt haben, dass ja "alien" etwas mit "alienus" zu tun hat).


Nicht unbedingt. Auch bei den Römern gab es viele Philosophen, die, nur weil sie heute nicht mehr gar so populär wie die bekannten Griechen sind, nicht weniger bedeutend sind.


Fürs Studium der Philosophiegeschichte sind aber die Griechen relevanter, und alle wichtigen Begriffe stammen auch von ihnen, soweit ich weiß (ist nicht unbedingt mein Spezialgebiet).
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Beitragvon Soral » Sa 10. Mär 2007, 21:12

Parmenides hat geschrieben:für Philosophie sind wohl Griechischkenntnisse wichtiger als Latein.


Da würde ich liebend gerne zustimmen, aber die Realität sieht anders aus:

Auch bei uns kann man zwischen Latein & Griechischkenntnissen wählen, aber da an Griechischkursen weitaus mehr Mangel besteht, als an Lateinkursen ist Latein die normale Wahl.

Denn andersrum hieße ja Griechisch zu lernen, ohne Latein zu können; aber eigentlich alle Griechischkurse setzen Latein quasi voraus. [Gut ich kenne einen Philo, der das gerade durchzieht; aber das ist wirklich ne pure Ausnahme]

Außerdem werden manche Werke Platons von Dozenten durchgesprochen, die selber kein Griechisch können. :-o (Okay, die Seminare sind zum Glück keine reinen Platonseminare.)
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Beitragvon Eteokles76 » Sa 10. Mär 2007, 21:53

Denn andersrum hieße ja Griechisch zu lernen, ohne Latein zu können


Das hört sich an als sei völlig absurd, aber ich hab das auch so rum gemacht und bin super klargekommen. Gegenüber denen die schon Latein konnten hatte ich gar keine Nachteile, was wohl daran lag, dass die eh schon wieder alles vergessen hatten was Kasusfunktionen etc. anbelangt :D Und die Schrift müssen eh alle neu lernen.

Oftmals ist es sogar sinnvoller gut Französisch (oder auch Spanisch) zu können, vor allem was das Verständnis für die diffizile Anwendung der Tempora anbelangt und auch der Modi in diversen Nebensätzen. Es ist schon erstaunlich, wie ähnlich sich diese Sprachen da oft sind! Wenn man Griechisch lernen will, sollte man sich jedenfalls nicht von nicht vorhandenen Lateinkenntnissen abschrecken lassen.

gerade heute mittag hatte ich so einen Fall, wo wir festgestellt haben, dass ja "alien" etwas mit "alienus" zu tun hat


Genau das ist ja eigentlich auch der Hauptgrund, weswegen man Latein als Anglist/Romanist (was auch immer) überhaupt lernen sollte. Das finde ich eben im "Studium Latinum" ganz gut gelöst, wobei es natürlich noch spannender ist in einem englischen Etymologiewörterbuch zu schmökern :-)

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Beitragvon nighean_neonach » Sa 10. Mär 2007, 22:21

Eteokles76 hat geschrieben:Oftmals ist es sogar sinnvoller gut Französisch (oder auch Spanisch) zu können, vor allem was das Verständnis für die diffizile Anwendung der Tempora anbelangt und auch der Modi in diversen Nebensätzen. Es ist schon erstaunlich, wie ähnlich sich diese Sprachen da oft sind! Wenn man Griechisch lernen will, sollte man sich jedenfalls nicht von nicht vorhandenen Lateinkenntnissen abschrecken lassen.


Sehe ich auch so. Ich finde gar nicht, dass es so sehr viel mit Latein gemeinsam hat. Die Tempora sind anders, die vielen Partizipien auch, die Syntax oft auch. Natürlich gibt's Gemeinsamkeiten in der Morphologie und bei einigen Wortwurzeln, aber da könnte man genauso gut sagen "Wer Latein lernen will, sollte Sanskrit können" oder irgendwas.

Früher war es eben das klassische Bildungskonzept, dass man erst Latein und darauf aufbauend Griechisch gelernt hat, aber daran sollte man sich nicht klammern.
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Beitragvon Eteokles76 » Sa 10. Mär 2007, 23:53

Wer Latein lernen will, sollte Sanskrit können

:lol:

Guter Vergleich! Das wäre dann wohl das endgültige KO-Kriterium für Latein. Es sei denn, wir fangen in Zukunft im Kindergarten mit Sanskrit an, bis zur 10. oder elften Klasse ist dann die Formenlehre abgeschlossen und wir können mit dem Lateinischen beginnen... ;-)
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Beitragvon Parmenides » So 11. Mär 2007, 00:12

Für Sanskrit wiederum sind jedoch Kenntnisse in anderen alten Sprachen wie zb. Latein nicht von Nachteil. *g*
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Beitragvon Eteokles76 » So 11. Mär 2007, 00:24

Da brauch ich nur mal dann Deine Signatur anschauen, dann glaub ich dir das :lol:
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Beitragvon barbara » So 11. Mär 2007, 00:31

also, ich persönlich finde es nicht essentiell, dass man, wenn man deutsch oder anglistik oder sonst irgendeine germanische sprache studiert, latein kann.
bei den romanischen sprachen ist das etwas anders. schließlich ist ja latein die "mutter aller romanischen sprachen" und da wäre man ja, wie hast du es einst mal so schön formuliert, eteokles?, "wie ein römer ohne toga", hätte man keine ahnung von der lateinischen sprache.
dass latein auch große einflüsse auf die germanischen sprachen gehabt hat/hat und dass lateinkenntnisse prinzipiell immer von vorteil sind, steht natürlich außer frage. meiner meinung nach sollte in einem wirklich sprachlich interessieten mensch sowieso irgendwann das verlangen aufkommen, latein zu lernen und die sprachlichen wurzeln etwas zu erforschen. aber anscheinend ist das nicht so....
was diese germanistik-studenten betrifft, die kein pronomen von einer präposition unterscheiden können oder die fälle nicht beherrschen:
ich finde solche leute sollte man nicht einmal auf die uni lassen, bevor sie das nicht einwandfrei können. das ist unterstufenstoff! das sollte jeder 14jährige nach abschluss seiner schulpflicht zumindest halbwegs beherrschen. und zur allgemeinbildung gehört es ja wohl auch!
entweder man macht aufnahme-prüfungen, wo rein das grammatikalische verständnis abgeprüft wird, oder man führt im ersten studienjahr verpflichtende grammatik-kurse mit anschließender prüfung ein.
denn das kanns ja wohl wirklich nicht sein. das ist ja schon fast eine frechheit gegenüber der deutschen sprache bzw. des germanistikstudiums .
ich merke zum bsp. auch, dass journalisten sprachlich immer tiefer sinken. auf diverse zeitungen will ich gar nicht eingehen, aber ich habe zb. erst letztens so ein sauteures (5 euro) pm-history-magazin gelesen und war wirklich schockiert. von unvollständigen sätzen bis zu vollkommenem durchmischen aller zeiten, die die deutsche sprache so aufzuweisen hat. präsens + präteritum (wobei man darüber ja noch hinwegsehen kann, wenn es kontinuierlich durchgezogen wird, was jedoch nicht der fall war), dazwischen präsens + perfekt, irgendwann ein plusquamperfekt und dann sogar präteritum und perfekt im selben satz.
von der gliederung und der gesamten ausdrucksweise will ich gar nicht anfangen.
insgesamt waren die artikel einfach nur unverständlich und komplett konfus und um ehrlich zu sein, hat mich das schon ziemlich geärgert. denn ich kauf mir kein heftl, um nachher um keinen deut schlauer zu sein.
und überhaupt ist es einfach schade, dass auf eine gute und verständliche ausdrucksweise in den medien anscheinend gar keinen wert mehr gelegt wird. schließlich lesen das tausende menschen und übernehmen diesen ausdruck dann vl. sogar.
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Beitragvon Aurel » So 11. Mär 2007, 20:46

wow! ihr seit ja wirklich nicht untätig gewesen.

ich habe mich in der zwischenzeit an ein paar übersetzungen versucht,scheint aber nicht so wirklich zu funktionieren,alles über 10 wörter/satz will nicht und mit kommata sowieso nicht,

hat jemand was dagegen wenn ich einen eigenen thread eröffne mit übersetzungen und ihn immer wieder erweitere und ihr mal gucken könntet obs ok ist?

MMn ist Latein essentiell und sollte von jedem discipuli :lol: beherrscht werden
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Beitragvon barbara » So 11. Mär 2007, 21:38

von jedem discipulo oder von jedem discipulorum...oder von allen discipulis.
:-D

ja, im übersetzungsforum kannst du ruhig einen thread erstellen. da wird dann alles verbessert, was du so an übersetzungsvorschlägen zu bieten hast.

:)
lg
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