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Vorbereitung Lateinstudium

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 11:43
von Pythia
Salvete allerseits!

Ich strebe ein Lateinstudium an und möchte mich gerne darauf vorbereiten, da ich zu Beginn des Studiums drei Jahre lang keinen Lateinunterricht mehr gehabt haben werde (mangels Nachfrage wurde kein Oberstufenkurs angeboten).
Ich hatte sechs Jahre Lateinunterricht, habe mein Latinum also auch schon.

Latein hat mir durchgängig sehr großen Spaß gemacht, deswegen überlege ich, es zu studieren (z.B. auf Lehramt).

Unvorbereitet möchte ich allerdings kein Lateinstudium wagen, da es mir zu risikoreich wäre.
Welche Texte würdet ihr mir empfehlen, übungshalber zu übersetzen, um keine Anschlussschwierigkeiten an der Uni zu haben?

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 11:48
von Latein-Fan
Am besten schaust du mal, welche Kurse angeboten werden.

Wenn z.B. ein Komödiendichter am Plan steht, kannst du ja beginnen, dich darin einzulesen.
Weiters wiederhole die Grundgrammatik (du musst sie dann später aktiv anwenden können!)
Nie schlecht ist es, Caesar oder Cicero über längere Passagen (1/2 Buch)ohne Wörterbuch zu übersetzen versuchen.
Im Studium selbst wird dann ja schließlich die ganzheitliche Lektüre einer
Textsorte verlangt (zb. 2 Bücher Livius, 3 Bücher Tacitus, usw)


Es grüßt,
Latein-Fan

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 11:59
von Pythia
Oh, habe nicht mit einer so baldigen Antwort gerechnet!
Danke aber für die Tipps, ich werde auf jeden Fall versuchen, herauszufinden, welche Kurse angeboten werden.

An Caesar oder CIcero hatte ich auch schon gedacht, nur bei Cicero wusste ich nicht, ob er vielleicht zu einfach ist/das Niveau nicht hoch genug ist, ich fand CIcero sehr einfach zu übersetzen (jedenfalls die Texte, die wir in der Schule übersetzen sollten).
Caesar sagt mir inhaltlich nicht so zu, aber den Inhalt kann man sich im Lateinstudium ja bestimmt auch nicht aussuchen, also ist es bestimmt gut, sich schon dran zu gewöhnen... :smile:

Es grüßt zurück:

Pythia

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 12:01
von Latein-Fan
Nun gut, du kannst Cicero, wie gesagt, zur Einführung auch ganz lesen :)
(vor allem die philosophischen Schriften)

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 12:05
von Pythia
Okay, dann werde ich das bald in Angriff nehmen!

Gratias ago,

Pythia.

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 12:31
von Cellus
Um das Gesagte von Lateinfan nochmals zu unterstreichen: Du musst vor allem nach und nach versuchen, ohne Wörterbuch auszukommen. Für die Klausuren darfst du es nicht verwenden. Für die Stilübungen ist vor allem der aktive Wortschatz sehr wichtig. (Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich beim Übersetzen 2-mal nachschauen musste, was "oft" auf Lateinisch heißt. :shock: ) Auch die Grammatik, besonders, was die Formenlehre anbelangt, solltest du allmählich verinnerlichen. Aber das alles, klappt dann doch ganz gut, sobald man es machen muss. Viel Erfolg. :)

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 12:39
von Pythia
Man darf im Lateinstudium in den Klausuren kein Wörterbuch benutzen? :shock: (Pythia rennt los, Vokabeln pauken)

naja, da muss ich wohl einfach viel lesen, bzw. übersetzen (und die Benutzung des Wörterbuchs reduzieren), um die Vokabeln todsicher zu können.

Grammatik sitzt bei mir noch ziemlich gut, hatte in der Hinsicht sehr nachhaltigen Lateinunterricht, werde mir aber trotzdem alles nochmal verinnerlichen. :)

Was versteht man unter Stilübungen? Übersetzung Deutsch-Lateinisch? Oder vorhandene lateinische Sätze sprachlich verbessern?

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 12:47
von Latein-Fan
Stilübungen bedeuten das Übersetzen eines deutschen Textes in sprachrichtiges Latein ohne Wörterbuch.
Die Vokabeln dazu entnimmst du einem vorher festgelegten Textcorpus
(nimm zB wieder Caesar, sämtliche Schlachtvokabel, reisen, berichten, etc)
Darauf wird dann der deutsche Text höchstwahrscheinlich aufgebaut sein.

Im Kurs lernst du dann, wann wo wie welche Wendung warum gebraucht wird. (Unterschiede zb bei reperire und invenire, sanus und integer, etc.

Versuche auch die Suffixe und Präfixe zu lernen, ebenso Lautlehre und Composita und schließlich die Aussageabsicht eines Satzes.

So kannst du allmählich das Wörterbuch weglassen. (Was natürlich nicht immer gelingt, aber zumindest im Hinblick auf die Klausur)

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 13:26
von Pythia
Vielen Dank für die Antwort!

jetzt habe ich schon klarere Vorstellungen von einer sinnvollen Vorbereitung auf ein Lateinstudium. :)

Gibt es denn eine Grammatik, in der die verschiedenen grammatischen Kapitel gut und sinnvoll strukturiert sind?
ich habe bisher nur die Grammatik meines alten Lateinbuches, das wir in der Schule benutzten (ROMA B1/2, Lindauer Verlag). Ist es empfehlenswert, damit zu wiederholen oder würdet ihr mir empfehlen, eine andere Grammatik anzuschaffen?

Stichwort Lautlehre: was ist das genau? befasst diese sich mit den Unterschieden, die sich durch einzelne Lautabänderungen ergeben können, oder bin ich da auf dem Holzweg?

Stichwort Aussageabsicht eines Satzes: ist das die grobe Aussage eines Satzes, die sich einem beim ersten Lesen erschließt oder ist das quasi die Intention des Autors, die man erst anch genauerem Hinschauen herausfindet?

Es tut mir leid, wenn ich viele Fragen stelle, aber ich möchte sichergehen, dass ich keine sinnlose Zeitverschwendung durch falsches Lernen riskiere... :smile:

Viele Grüße,

Pythia.

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 16:04
von Latein-Fan
Für eine geeignete Grammatik kann ich dir einen guten Tipp geben:

leg' dir den "Rubenbauer" zu, da hast du jedes Kapitel erklärt und durch ein paar Beispiele erläutert.

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 17:38
von nighean_neonach
Erfahrungsgemäß hat man Vokabeln, die man von Deutsch in die Fremdsprache lernt, auch umgekehrt ziemlich gut drauf. Wenn man nur von der Fremdsprache nach Deutsch lernt, wie man es in der Schule mit den Lateinvokabeln meist tut, dann kann man sie umgekehrt nicht unbedingt.

Ds Textverständnis kann man trainieren, indem man einmal übersetzte Texte nach längerer Zeit immer mal wieder durchliest und guckt, ob man beim normalen Lesen den Sinn der Sätze erfasst.

Und ich denke, was auch nicht schaden kann, ist die Beschäftigung mit den kulturgeschichtlichen Hintergründen, also politische Entwicklungen, was geschah in Rom und drumherum, etc. :)

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 20:10
von Pythia
Vielen Dank für eure Tipps und Hinweise, ich werde sie bestimmt beherzigen. Vor allem der Tipp mit dem Vokabellernen "andersherum", als man es von der Schule her gewohnt ist, ist gut, darauf wäre ich von alleine wahrscheinlich nicht so schnell gekommen.

Ja, kulturelle,geschichtliche und politische Hintergründe sollte ich mir auch aneignen, seit kurzer Zeit finde ich immer mehr Gefallen am Betrachten und Analysieren geschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen.
Wahrscheinlich werde ich mir erst einen Überblick durch deutsche Geschichtswerke schaffen, und dann zu einzelnen Ereignissen lateinische Texte übersetzen und evtl. verschiedene Beschreibungen des selben Ereignisses durch verschiedene Autoren vergleichen, vorausgesetzt, ich habe genug Zeit... :smile:

Ich bin sehr froh, auf dieses Forum gestoßen zu sein, weil hier sehr qualifizierte, ernstgemeinte Antworten kommen; überhaupt - ein Lateinforum ist ja schon eine feine Sache an sich! :-D

Valete,

Pythia.

P.S.: Latein-Fan, meinst du mit der Rubenbauer-Grammatik diese hier?

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 21:00
von nighean_neonach
Pythia, ich find's bewundernswert, dass du dich so engagierst, du wirst an der Uni feststellen, dass du damit schon einen Vorsprung vor vielen Kommilitonen hast, die eher so aussehen, als ob sie rein aus Versehen in das Studium hineingeraten seien ;)

Und dein Interesse für geschichtliche Entwicklungen und Zusammenhänge kann ich sehr gut nachvollziehen, geht mir ganz genau so. Ich finde deinen Plan ziemlich gut. Aber nimm dir nicht zu viel vor, noch ist es ja Freizeit und kein Studium ;)

BeitragVerfasst: Sa 10. Mär 2007, 21:08
von Latein-Fan
Ja, genau den meine ich!