Studium Klassische Philologie

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Studium Klassische Philologie

Beitragvon christian7540 » Mi 18. Jul 2007, 10:40

salvete

Ich möchte nach der Matura studieren und zwar Latein.
Es gibt klassische Philologie und latein auf Lehramt, oda? Was ist der Unterschied? Was ist der Unterschied zwischen einem Diplomstudium und einem Lehramtstudium? Mit was für einen Titel schließt man ab? Hat man mit einem Diplomstudium einen höheren akademischen Grad? Mit welchem Studium hat man bessere Chancen?
Wie ist so ein Studium aufgebaut?
Hat man bei Latein auf Lehramt die gleiche Ausbildung als beim Diplomstudium (nur halt eine Zusatzausbildung in Pädagogik)?

Hoffentlich könnt ihr mir all diese Fragen beantworten.
danke im voraus

valete
Zuletzt geändert von christian7540 am Mi 18. Jul 2007, 12:31, insgesamt 1-mal geändert.
christian7540
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Re: Studium Klassische Philologie

Beitragvon Clemens » Mi 18. Jul 2007, 19:09

christian7540 hat geschrieben:Es gibt klassische Philologie und latein auf Lehramt, oda?

Ja.

christian7540 hat geschrieben:Was ist der Unterschied?

Das eine ist ein Diplomstudium (bald Bachelor/Master), das andere ein Lehramtsstudium.

christian7540 hat geschrieben:Was ist der Unterschied zwischen einem Diplomstudium und einem Lehramtstudium?

Wenn du auf Lehramt studierst, kannst du Lateinlehrer werden.

christian7540 hat geschrieben:Mit was für einen Titel schließt man ab?

Jetzt noch bei beiden Studien mit dem Titel Magister, bald wird man beim jetzigen Diplomstudium zuerst einen Bachelor, dann einen Master (=Magister) machen. Das Studium wird durch den zusätzlichen Abschluss nicht länger, aber man hat eben einen Einschnitt mehr in der Mitte.
Beim Lehramtsstudium wird man in Österreich soweit ich weiß weiterhin Magister werden.

christian7540 hat geschrieben:Hat man mit einem Diplomstudium einen höheren akademischen Grad?

Nein. Den kannst du erreichen, indem du ein Doktoratsstudium anhängst. Das geht mit beiden Abschlüssen.

christian7540 hat geschrieben:Mit welchem Studium hat man bessere Chancen?

Wenn du Lehrer werden willst, hast du mit dem Lehramtsstudium bessere Chancen, wenn nicht, hat es keinen Sinn, ein Lehramtsstudium zu absolvieren.

christian7540 hat geschrieben:Wie ist so ein Studium aufgebaut?

Du besuchst die Lehrveranstaltungen, die der Studienplan vorschreibt, das sind Vorlesungen, Proseminare, Übungen etc., die sich jeweils mit einem Themenkreis des Fachs beschäftigen. In der Vorlesung sitzt du gewöhnlich als passiver Zuhörer, in den anderen Veranstaltungen gibt es Hausaufgaben und man muss selbst etwas tun, wie zum Beispiel Referate halten. Du besuchst also die Veranstaltungen, lernst, gehst zur Prüfung und bestehst sie im Idealfall und wenn nicht, gehst du entweder besser vorbereitet zum nächsten Prüfungstermin oder du wiederholst die Veranstaltung im nächsten Jahr, das kommt auf die Modalitäten an, die etwas schwanken.

christian7540 hat geschrieben:Hat man bei Latein auf Lehramt die gleiche Ausbildung als beim Diplomstudium (nur halt eine Zusatzausbildung in Pädagogik)?

Die Studienpläne unterscheiden sich; worin genau, ist von Universität zu Universität verschieden. Am besten, du gehst auf die Website deiner Wunschuni und schaust dir die Studienpläne an.
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Beitragvon christian7540 » Do 19. Jul 2007, 08:54

danke für diese gute antwort.
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Beitragvon Milo » Mo 23. Jun 2008, 07:15

Na, wo wir schon einmal so einen Thread haben, mach ich keinen neuen Thread auf. Meine Frage passt hier ganz gut rein:
Wenn man Klassische Philologie, also nicht auf Lehramt studiert, was für berufliche Aussichten hat man denn da (also welche Berufe)? Mir fiele da die wissenschaftliche Forschung ein... Aber inwiefern ist die heute (noch) gefragt?
lg Milo
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Beitragvon Latein-Fan » Mo 23. Jun 2008, 16:00

Wie "inwiefern ist die heute noch gefragt?" ???

Das ist DAS Hauptbetätigungsfeld für Absolventen des Diplomstudiums.
Andere Möglichkeiten außerhalb des Faches ergeben sich je nachdem, wieviel du selbst für das Studium aufwendest, Kontakte knüpfst, wie gut du bist, welche Vorstellung du hast, etc. etc. Man bedenke, Forschung passiert auch außerhalb der Uni. D.h. du bist Straßenkehrer um deine täglichen Brötchen zu verdienen, beschäftigst dich aber mit der klaPhi. Bedenkt, dass das Studium alleine zu keinem Beruf qualifiziert, jedoch ist dieser Umstand vernachlässigbar, da ja die Hauptsache die KlaPhi ist und nicht der Beruf, in dem man arbeitet.

Nur bitte: Sollte jemand Lehrer werden wollen, sei es, dass er/sie die Ferien schätzt, sei es, dass er/sie einen fixen Job haben möchte - lasst es bleiben....so etwas gereicht nur zum Schaden für alle Beteiligten und bringt niemandem etwas. Ob man sich zum Lehrberuf eignet oder nicht wird man spätestens nach den ersten Fachdidaktik LVen mitbekommen. (Verhalten, physische Voraussetzungen, Auftreten in der Klasse, Verhalten bei Referaten, etc. etc.)

Das ganze wird abgerundet durch ein pädagogisches Zusatzstudium, das ebenfalls parallel zu mindestens zwei Lehramtsfächern zu absolvieren ist.

Gefragt sind außerdem gute Kenntnisse der lat. Grammatik (no na): Deutsch - Latein wird in Hinkunft den gesamten ersten Studienabschnitt begleiten, also vier statt wie bisher nur drei Semester, Lerneifer und viel Privatlektüre der lateinischen Texte (Anfangs ein Buch von vorne bis hinten, später mehrere Bücher bzw. Gesamtwerk). Dazu kommen Vorlesungen aus Alter Geschichte, Archäologie, Literaturgeschichte, Metrik, Stilistik, Seminare, Interpretation, klassische Literatur in Übersetzung etc. etc.

es grüßt,

Fautor
Multo maxumum bonum patriae, civibus, tibi, liberis, postremo humanae genti pepereris, si studium pecuniae aut sustuleris aut, quoad res feret, minueris. (Sallust in seinem 2. Brief)
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Beitragvon nighean_neonach » Di 24. Jun 2008, 17:54

Ergänzend dazu noch:

Du studierst ja nicht bloß ein Fach, sondern eine Kombination aus drei (Magisterstudium) bzw. zwei (Bachelor) Fächern - im Idealfall sollte das eine optimale Kombination deiner Interessensschwerpunkte ergeben, egal ob du nun eine eher typische Kombination wie Klassische Philologie + Archäologie / Alte Geschichte wählst oder ob du Informatik oder BWL dazu wählst. Leider ist es mit dem BA/MA-System an manchen Unis mittlerweile sehr eingeschränkt, was du überhaupt kombinieren kannst... ich kenne Leute, die sehr "verrückte" Fächerkombinationen studiert haben und genau darin ihre berufliche Nische gefunden haben.
Im Grunde aber finde ich, dass du zu Beginn des Studiums noch nicht genau wissen musst, was für ein Beruf oder Lebensweg am Ende herauskommen mag - genau dazu ist das Studium ja da, dass sich so etwas entwickelt. Wichtig ist dafür natürlich, dass du während des Studiums nicht nur das Nötigste tust, sondern nach allen Richtungen die Augen offenhältst und vor allem deine persönlichen fachlichen Schwerpunkte findest.
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Beitragvon juergen » Di 24. Jun 2008, 19:30

Milo hat geschrieben:Wenn man Klassische Philologie, also nicht auf Lehramt studiert, was für berufliche Aussichten hat man denn da (also welche Berufe)?

Es ist wie bei jedem Studium.... Dazu zuerst ein alter Witz:

Ein Politiker, ein Manager eines Großunternehmens, ein Fußballtrainer und ein Profimusiker steigen in ein Taxi.
Welcher der Leute im Taxi hat einen akademischen Abschluß?
Der Taxifahrer.
:lol:


Auch geschürt durch Aussagen von sog. Bildungspolitikern sind viele Leute der festen Überzeugung, daß ein hoher Schulabschluß und ein Studium einen Automatismus darstellen, in einen guten Job zu kommen. Leider spielt in diesem Spiel die Realität oft nicht so mit, wie man sich das vorstellt. Da kann es schonmal vorkommen, daß ein Schulabbrecher Außenminister wird und jemand mit einem Doktortitel Taxifaher oder Fensterputzer...


Also:
Es sind zwei paar Schuhe:
- einerseits ein Studium
- andererseits einen Job zu finden.

8)
Gruß Jürgen

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Beitragvon Neni » Di 24. Jun 2008, 20:17

wobei du mir erst mal den zeigen musst, der mit doktortitel langfristig fenster putzt... :-)
klar, die option der prostitution bietet sich immer an *g* aber ganz so schwarzseherisch braucht man ja auch nicht zu sein. alles hat seine vorteile
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Beitragvon juergen » Di 24. Jun 2008, 22:14

Neni hat geschrieben:wobei du mir erst mal den zeigen musst, der mit doktortitel langfristig fenster putzt... :-)

Statt Fensterputzer, kann man als Doktor (der Medizin) natürlich auch Kabarettist werden.
Gruß Jürgen

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