Bürgergeld

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Beitragvon JRW » Sa 31. Mai 2008, 20:52

Tiberis hat geschrieben:
Finanziert werden kann dies Modell durch Streichung fast aller Sozialabgaben

und was heißt das konkret? keine sozialversicherung mehr, keine pensionsbeiträge? dann wäre dieses sogenannte "bürgergeld" nichts anderes als eine gefährliche armutsfalle.
außerdem, wenn abgaben gestrichen werden, bekommt der staat weniger geld - wie soll er dann zusätzliche ausgaben wie dieses "bürgergeld" finanzieren :?


Tiberis,

du kannst dich im Web bei Götz Werner schlau machen, bei Sascha Liebermann und vielen anderen.

Doch sei kurz zur Finanzierung erklärt:

Wir haben doch alle ein Einkommen, auch wenn es für manchen schlecht ist. Das Problem ist die Verteilung.

Was muss also da zusätzlich finanziert werden?

Wir geben heute bereits mehr Geld aus als das ganze System kosten würde.

Wofür geben wir denn dieses Geld aus?

Nun Harz IV als erstes.

All die vielen Leute und Institutionen die damit beschäftigt sind, Harz IV zu verteilen und die Arbeitslosigkeit. Das ist nicht billig!

Wir haben ein hirnrisssiges Steuersystem. Wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass 60 % der Weltliteratur in deutscher Sprache erscheint, braucht man dem nichts mehr hinzuzufügen. Das alles kostet ein Vermögen.

Das Bürgergeld funktioniert nicht ohne die Abschaffung aller Steuern und die Einführung einer hohen Verbrauchssteuer.

Die Rentenzahlungen mit ihren ganzen ungerechten Facetten sind ein anderer Kriegsschauplatz. Das gilt auch für die Pensionen der Staatsdiener.

Dahinter steht allein ein riesiger Kostenaufwand. Das Bürgergeld wäre schon heute spielend bezahlbar und würde sogar einen riesigen Gewinn für die Staatskasse bringen.

Allerdings, viele Menschen würden ihre Arbeitsplätze verlieren, weil sie eigentlich völlig sinnlos sind.

Das wäre aber nicht weiter schlimm, weil auch sie ihr Bürgergeld erhalten würden.

Es hätte Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt, weil arbeiten zu dürfen, zu einem kostbarem Gut werden würde.

Wir hätten sofort in unserem heutigen System Vollbeschäftigung, wenn man neben den Millionen, die für völlig sinnlose Tätigkeiten bezahlt werden, die anderen auch noch einstellen würde. Auch für sinnlose Tätigkeiten.

Irgendwo ist da ein Haken und der findet sich in der Philosophie der Arbeitswelt. Wenn das früher alles notwendig war, ergibt sich durch die Erfindung eines gewissen Herrn Konrad Zuse heuzutage eine andere Philosphie der Arbeit für den Menschen durch den Menschen.

Wenn es also garnicht genug Arbeit im herkömmlichen Sinne geben kann, dann muss man über Beschäftigung nachdenken. Das ist nicht dasselbe.

Wir werden mehr Altenpflege brauchen, wir werden mehr Menschen brauchen, die sich damit "beschäftigen" sich für andere einzubringen. Auch für den Opa von 60 Jahren kann es sinnvoll sein, sich mit dem Lateinunterricht seines Enkels zu "beschäftigen."

Das alles ist, und da hast du Recht, völliges Neuland für uns Menschen.

Aber Nachzudenken dürfte ja nicht verboten sein!

Allein schon die simple Tatsache, dass das mit den Renten schon bald nicht mehr funktionieren kann, ist doch Grund genug, alternative Systeme anzudenken oder willst du am Ende Rentnerarmeen mit der Bundeswehr bekämpfen?
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Beitragvon Apollonios » Sa 31. Mai 2008, 23:57

Noch etwas: Die Qualität der geleisteten Arbeit würde durch Bürgergeld vermutlich steigen. Denn wenn ein Klempner oder Schauspieler oder Hirnchirurg oder Bäcker nicht ständig unter Druck steht, weil sein Arbeitsplatz gefährdet ist - weil es einfach nicht mehr so schrecklich wäre, wenn er ihn verliert -, wenn er nicht ständig die Angst im Nacken hätte, die Wohnung zu verlieren - dann könnte er sich mit Herz und Verstand voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren.
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Beitragvon JRW » So 1. Jun 2008, 13:30

Apollonios hat geschrieben:wenn er nicht ständig die Angst im Nacken hätte, die Wohnung zu verlieren - dann könnte er sich mit Herz und Verstand voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren.


Apollonios,

diese Angst doch die Triebfeder in unserer Welt. Die Herrscher herrschen mit der Angst; das haben sie immer so gemacht. Oder glaubst du die Millionen wären in den 2. Weltkrieg gezogen um Hitlers Sch...krieg zu führen, wenn man nicht gedroht hätte, sie zu erschießen, wenn sie es nicht tun.

Die Religionen schüren die Angst vor dem jeweiligen Gott, damit man Macht über die Menschen gewinnt und in der Wirtschaft ist das ähnlich.

Deshalb wollen auch Lafontaine, Gisy und die Linken nichts vom Bürgergeld wissen. Ohne die Existenzängste der Menschen können die doch ihre "Robin-Hood-Philosophien" gleich an den Nagel hängen.

Das siehst du schon ganz richtig, Angst erzeugen können, bedeutet Macht haben. Und die Auswirkungen eines Bürgergeldes auf unsere Welt wären so unvorstellbar anders, dass es da noch vieler Forschungsarbeiten bedarf.

Wie könnte die Arbeitswelt dann aussehen? Was ist mit den Menschen, die aus aller Welt verstärkt zu uns kommen würden?

Viele Fragen, die erst beantwortet werden müssen.

Bezahlbar ist das Bürgergeld, gerecht ist auch; doch das Nadelöhr durch das man den Faden einführen könnte, ist denkbar winzig. Zumal da jede Menge Kamele vor dem Nadelöhr stehen, unwissende und solche die sich um ihre Pfründe sorgen.

Ich glaube nicht dran, sowenig wie ich daran glaube, dass man den Irrwitz der Staatsfinanzierung aus Arbeit und Handel jemals aufgeben wird. Die zinslose, gerechtere Welt, ohne Schwarzarbeiter und ohne Zumwinkels, die uns Silvio Gesell mit seinen Theorien nahelegt, ruht auf der Müllhalde der Wirtschaftswissenschaften.

Chancenlos, aber recht vergnüglich sie in ihren Facetten durchdenken. Hast du übirgens schon je etwas von Brakteaten gehört? Die bescherten den Menschen rund um Lübeck einst bereits eine 4 Tage-Woche zu 8-Stunden im Wohlstand, wo man anderswo seine Familie nicht mit 100-Wochenarbeitsstunden ernähren konnte.

Will kaum einer etwas von wissen, auch nicht von dem Experiment von Wörgel. (Wörgle).

Und damit wir hier im Forum auch was lernen tun, das unvermeidliche Zitat. Hier wie sich unsere Staaten- und Wirtschaftslenker um uns sorgen:

Salus populi suprema lex!

Da lachen ja die Hühner (habe ich nirgends finden können, ob man das im alten Rom so gesagt hat). Wer weiß es?

Viele liebe Grüße
JRW
Zuletzt geändert von JRW am Mi 4. Jun 2008, 10:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon JRW » So 1. Jun 2008, 13:44

Eteokles76 hat geschrieben:Wobei 600 - 800 Euro ja sowieso nicht zum Leben langen. Das kostet ja in manchem Städten allein schon die Miete für eine kleine Wohnung und dann hast Du noch nix gegessen, getrunken Dein Handy und Telefon bezahlt, die GEZ, das Auto, das Hundefutter etc.

Also zusätzlich arbeiten muss man ja schon.


Entschuldige, Eteokles76,

ich habe deinen Einwand gerade erst gelesen.

Hast du auch daran gedacht, dass dieses Bürgergeld ja jedem Bürger zustehen würde. Familien mit 3 Kindern würden (nach jetzigem Geldwert) mit 5 x 600 Euro, also 3000 Euro monatlich anfangen, bevor Vatern zur Arbeit geht und dann noch dazuverdienen kann.

Singles geht es in diesem System natürlich schlechter als Familien, aber irgendwie deucht es einem doch, das gerade das etwas mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hätte. Doch Singles können mehr zusätzlich verdienen, weil die nicht durch die Familie belastet sind, oder?

Jeder ältere Mensch wüsste, was er im Alter mindestens hätte, 1200 oder 1600 Euro für das verheiratete Ehepaar in der Jugend wie im Alter.

Menschen in Not wird es auch dann noch geben, aber längst nicht mehr soviele, die kostenaufwendig verwaltet werden müssen.

Wie hat man das im alten Rom gesagt

Aurea sunt vere nunc saecula


:) :) :)

Da sieht man allerdingss mal wieder, dass Träume doch Schäume sind.

Herzlichst
JRW
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Beitragvon Apollonios » Mo 9. Jun 2008, 17:10

JRW hat geschrieben:diese Angst doch die Triebfeder in unserer Welt. Die Herrscher herrschen mit der Angst;
…
Die Religionen schüren die Angst vor dem jeweiligen Gott, damit man Macht über die Menschen gewinnt und in der Wirtschaft ist das ähnlich.
…
Die zinslose, gerechtere Welt, ohne Schwarzarbeiter und ohne Zumwinkels, …
Chancenlos, aber recht vergnüglich sie in ihren Facetten durchdenken.


Lieber JRW,
das mit den Religionen sehe ich, wie Du an manchen meiner Einträge vielleicht erkennen wirst, etwas anders. Mir verbietet meine Religion, Gerechtigkeit für chancenlos zu erklären - und sie untermauert dies Verbot logisch. Im übrigen brauchst Du mich nicht davon zu überzeugen, daß Bürgergeld gut ist - das haben andere vor Dir geleistet.
Was mich an manchen anderen Verfechtern der Bürgergeld-Idee stört, ist die Meinung, sie könnten die Welt retten. (Ich hörte jüngst von einem, die Bürgergeld-Idee könne durchaus ALLE Probleme lösen; mein Einwand, auch Bürgergeld flicke keine kaputten Wirbelsäulen oder zerrütteten Ehen, verhallte unverstanden.)
Ich glaube, Bürgergeld wird in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich die einzige Alternative zur Entsorgung großer Bevölkerungsteile (zu denen ich mich zähle) darstellen. Außerdem sollte man nicht vergessen, daß ein großer Verfechter der Bürgergeld-Idee ein schwer reicher Arbeitgeber ist. Auf solche Leute wird früher oder später gehört, und dieser hat noch dazu ein gerüttelt Maß an gesundem Menschenverstand.
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Werner
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Mainstream

Beitragvon JRW » Di 10. Jun 2008, 13:24

Apollonios,

in unserer Gesellschaft gibt es jede Menge Mainstreams, worunter ich tradionelle Ansichtenlinien verstehen will. Daran sind Kepper, Gallilei, Semmelweis, Darwin und all die vielen anderen gescheitert.

Ihre Theorien passten nicht in den Mainstream und wenn sie noch so wahr waren.

Bei Religionen ist es völlig sinnlos mit den jeweiligen Gläubigen zu diskutieren. Wäre ihr Mainstream nicht so, wie er ist, könnten sie bei der unendlichen Kette von Widersprüchen garnicht gläubig sein.

Der Papst stellt sich beispielsweise vor die vereinten Nationen hin und behauptet die katholische Kirche wäre eine Säule der Demokratie.

Ausgerechnet die diktatorischste Organisation der Welt demokratisch?

Von oben bis unten dikatorisch geführt. Wähl doch mal den lieben Gott als Präsidenten ab. Unfug ist das, aber wirklich schrecklich ist, dass niemand Tränen lacht!

Unsere Welt ist so, wie sie ist, trotz des Christentums, nicht wegen ihm. Atheisten haben die Demokratie erkämpft, nicht Organisationen, die sagen: Gebt dem Kaiser, was des Kaiser ist...

Das gleiche hast du auch in der Wirtschaftspolitik. Es gibt einen Mainstream vom Zehnten der Fürsten bis hin zu Prof. Rürup, dem Wirtschaftsweisen.

Alles, was davon abweicht, wird verlacht. Die Arbeit als Messlatte für die staatlichen Abgaben? Welch ein Irrwitz. Viel zu kompliziert und in sich völlig blödsinnig, wenn man allein bedenkt, dass sich der Staat dabei eine Menge Steuern selbst bezahlen muss und sie nach Abzug verkürzt zurückbekommt.

Da muss man eigentlich schon die Zwangsjacke bemühen.

Nutzt aber nichts, weil der Mainstream nun einmal da ist. Da kann man Silvio Gesell verlachen, Dr. Marget Kennedy, die sich für eine Welt ohne Zinsen einsetzen und uns auch sagen wie es geht.

Jesus warf die Geldwechsler aus dem Tempel, Luther wollte die Zinsgewinnler vierteilen.

Nur der Vatikan hat seine eigene Bank.

Aus dem Bürgergeld wird nichts, weil es eben nicht in den Mainstream der Wirtschaftswissenschaften passt.

Und wenn du dich über Götz Werner wunderst, dann solltest du dir vor Augen halten, dass nur Dummköpfe nicht die Entwicklung zur 3. großen Katastrophe in einem Jahrhundert sehen.

Der beste Freund meines Schwiegervaters hat 1937, damals als alle "Heil Hitler" schrien in einem geheimen Eifellager ein paar Fässer und Benzin und ein paar hundert Stangen Juno, lang und rund, gebunkert.

Als alle später hungerten, hat er und seine Familie nie gehungert, warum wohl?

Wat lernt uns dat? Würde Lehrer Bömmel aus der "Feuerzangenbowle" sagen:

Ganz einfach, jeder muss seine Schlüsse aus den Situation ziehen!
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Beitragvon Apollonios » Di 10. Jun 2008, 13:49

Lieber JRW,

es entzieht sich meinem Begriffsvermögen, warum Du auf meine Äußerungen so polemisch reagierst. In diesem Thema gab es bis zu Deinem Auftreten zwar z.T. spitz formulierte, aber nie unhöfliche und unsachliche Äußerungen und Fragen.
Sei so gut und beachte den allgemeinen Brauch dieses Forums, auch in Streitfragen Höflichkeit und Duldsamkeit walten zu lassen. Ich bin ganz sicher, daß Du dazu grundsätzlich im Stande bist.

Apo
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Beitragvon JRW » Di 10. Jun 2008, 17:45

Apollonios hat geschrieben:Lieber JRW,

es entzieht sich meinem Begriffsvermögen, warum Du auf meine Äußerungen so polemisch reagierst. In diesem Thema gab es bis zu Deinem Auftreten zwar z.T. spitz formulierte, aber nie unhöfliche und unsachliche Äußerungen und Fragen.
Sei so gut und beachte den allgemeinen Brauch dieses Forums, auch in Streitfragen Höflichkeit und Duldsamkeit walten zu lassen. Ich bin ganz sicher, daß Du dazu grundsätzlich im Stande bist.

Apo


Polemisch, spitz, unhöflich?

Das musst du mir erklären. Ich bin immer sachlich und eine Streitfrage ist das für mich schon lange nicht mehr, weil das ganze wie ich es schon schrieb im Mainstream des Ewiggestrigen versandet.

Ich sage nur meine Meinung und wenn du dich angegriffen fühlst, dann tut es mir leid.
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