" Lehrer in spe " mit Grundsatzproblem: LU damals

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Beitragvon Domingo » Fr 23. Mai 2008, 13:45

Clemens hat geschrieben:Und was hast du vor, wenn man fragen darf?


Bin schwer am Nachdenken. Verlag? Fremdsprachen unterrichten (ich kann einige)? Museum? Stiftungen? Waldorfschule? Nachhilfeunternehmen? Journalismus?

Was kann man als studierter Altphilologe machen, hast Du eine Idee?

Jedenfalls werde ich mir diesmal mehr einfallen lassen als bloß *Uni oder Schule*.

Ciao,
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Beitragvon romane » Fr 23. Mai 2008, 13:59

Clemens hat geschrieben:Und was hast du vor, wenn man fragen darf?


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Beitragvon Didymos » Fr 23. Mai 2008, 14:34

Ich kann die von Didymos geschilderte Situation nicht wirklich beurteilen, dazu fehlt mir der Zusammenhang. War das der Beginn einer neuen Unterrichtsreihe, oder eine einmalige Vertretungsstunde? Im Rahmen eines Praktikums oder einfach mal so? Wie gut kannte er die Schüler vorher, welche Erwartungen hatte er an den Kurs und an diese Stunde(n)? Wie gut kannten die Schüler ihn, war ihnen klar, worum es geht?

Der Lehrer wußte lange vorher, daß er am betreffenden Tag verhindert sein würde. Daher sollte ich ihn vertreten ( das konnte ich im Studium auch als Unterrichtserfahrung werten lassen ). Das wußten die Schüler auch zuvor und sie wußten, daß der Lehrer prüfen würde was ich in meiner Vertretung besprechen würde. Wie das dann geschah und endete, weiß ich nicht...

Ich weiß nicht, ob eine Mehrzahl der Lehrer davon ausgeht, wie es offenbar dein Eindruck ist, carissime Apolloni, aber nach einer Unterrichtseinheit, die er voller Tatendrang begonnen hatte, kam unser Didymus zu dem Urteil, dass zumindest etliche in jener Klasse unwissend und uninteressiert sind.
Ich denke, dass schon ein gewisses Vorurteil herrscht bzgl. Dummheit und Faulheit der zu Unterrichtenden, aber dieses Vorurteil wird immer wieder bestätigt.

Genau.
Ich hatte mich auf diesen Unterricht gründlich vorbereitet, war motiviert und hatte gehofft in einem LK eine kleine Gruppe Schüler vor mir zu haben, die ein Interesse am Fach haben und auch bereits Kenntisse - wie sonst, dachte ich, hätten sie Ovids Metamorphosen übersetzen können, aber denkste...

Vielleicht ist mein Fehler, daß ich mich zu sehr als Fachlehrer verstehe...Ich dachte zunächst meine Aufgabe als Lateinlehrer wäre es, Schüler lateinische Sprache und Literatur zu lehren. Nicht mich um deren persönliche Entwicklung und Interessen zu kümmern...


( Ich weiß nicht warum das im Lateinforum falsch plaziert war. Mir ging es vor allem um Methoden, Entwicklungen, Vergangenheit und Zukunft des Lateinunterrichts...Ignoscite...)

Grüße,
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Beitragvon Zythophilus » Fr 23. Mai 2008, 15:21

SALVE
Deine Absicht war lobenswert, aber vielleicht auch etwas naiv. Rechne nicht damit, dass lauter uninteressierte Jugendliche in einer Klasse sitzen, aber eine komplette Klasse voll mit interessierten und engagierten Schülern ist ein seltener Glücksfall. Die Realität wird dir immer eine Mischung aus interessierten und gelangweilten, vorbereiteten und unwissenden Schülern vorsetzen. Auch die Kombination des interessierten und fleißigen, aber leider für das Fach völlig unbegabten Schülers kommt vor.
Wenn du glaubst, dass du nur Interessierte unterrichten bzw. alle immer interessieren kannst, dann wirst du bald aufgeben bzw. besser gar nicht anfangen.
In diesem Spezialfall der Vertretungsstunde erwartete die Klasse zudem, dass sie trotz aller anders lautenden Information nichts tun müssten - daher die geschilderte Reaktion.
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Beitragvon Clemens » Fr 23. Mai 2008, 17:20

Domingo hat geschrieben:Was kann man als studierter Altphilologe machen, hast Du eine Idee?


Also abgesehen von Uni oder Schule ist mir da auch noch nicht viel eingefallen, aber die von dir aufgezählten Bereiche wären natürlich einen Versuch wert.
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Beitragvon consus » Fr 23. Mai 2008, 19:02

Servus, Domingo!
Was Zythophilus aus seiner Erfahrung schreibt, trifft den Nagel auf den Kopf. --- Wenn man Freude an einem Fach hat, sichere Kenntnisse besitzt und diese aus innerem Antrieb heraus, vom pädagogischen Eros durchdrungen, jungen Menschen mit Überzeugung (Schüler und Studierende spüren so etwas!) vermitteln will, wird man trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen, wie sie in jedem Beruf vorkommen, auf die Dauer erfolgreich sein. Nicht so leicht kapitulieren! Bitte auch keine Angst vor Schulleitern! Es soll, wie ich immer wieder höre, solche geben, denen Latein und Lateinlehrer, weil sie eine andere Sprachenfolge durchsetzen wollen, nicht in den Kram passen... Zum Glück gibt es auch andere. Es gibt Schulen, die händeringend Lateiner suchen!
Wünsche schönen Abend!
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Beitragvon Christophorus » Fr 23. Mai 2008, 19:53

consus hat geschrieben: Es gibt Schulen, die händeringend Lateiner suchen!


jo, mir fallen da auf Anhieb 20 an, darunter auch unsere - ihr kennt da nicht zufällig jemanden zwischen Düsseldorf und Essen?
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Beitragvon Didymos » Fr 23. Mai 2008, 20:03

vom pädagogischen Eros durchdrungen, jungen Menschen mit Überzeugung (Schüler und Studierende spüren so etwas!)

Consus,
darf man fragen, wie und wo Du zu so positiven Erfahrungen gelangst?
Natürlich ist meine Erfahrung noch sehr gering, aber wenn ich froh sein muß wenn in jedem dritten Kurs vielleicht ein oder zwei interessierte Schüler dabei sind, ist mir das zu wenig...
Idealismus macht natürlich Laune...In der Realität scheint es aber meiner Meinung nach eher so wie von Princeps geschildert zu sein : Da ist Latein tot und nicht wiederzubeleben, bevor der Lehrer überhaupt den Saal betritt...
In meiner genannten Erfahrung waren die Schüler nicht einmal interessiert zu spüren, was ich erklären will sondern eher mit sich selbst beschäftigt, mit Plaudern und Handyspielen...
( Von meinen Erfahrungen mit jüngeren Schülern will ich nicht einmal reden, aber da erwartet man so etwas mehr als bei einem LK )

Vielleicht werde ich auch Alternativen suchen müssen...
Es ist kein Wunder, daß Mangel an Lateinlehrern herrscht...

Grüße,
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Beitragvon Domingo » Sa 24. Mai 2008, 08:07

consus hat geschrieben:Bitte auch keine Angst vor Schulleitern!


Es ist aber bei mir nun so, dass ich als Seiteneinsteiger mich in der Probezeit befinde. Dh jetzt muss der Schulleiter einen Bericht über mich schreiben, von dem es abhängt, ob ich auch im nächsten Schuljahr weiterbeschäftigt werde oder nicht. Und der Schulleiter hta mir schon eröffnet, dass er mich negativ bewerten wird.

Und er hat, wenn ich mir ganz ehrlich bin, wahrscheinlich völlig recht, wenn er sagt, ich würde in der Schule nicht glücklich werden. Ob der Fehler nun bei mir selbst liegt oder beim System, sei dahingestellt; Fakt ist, dass ich mich jetzt nach einem neuen Job umschauen muss.

Aber danke für Deine ermutigenden Worte! :)

Ciao,

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Beitragvon Zythophilus » Sa 24. Mai 2008, 18:03

Was kann man als studierter Altphilologe machen?

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Beitragvon nighean_neonach » So 25. Mai 2008, 13:21

Didymos hat geschrieben:Ich dachte zunächst meine Aufgabe als Lateinlehrer wäre es, Schüler lateinische Sprache und Literatur zu lehren. Nicht mich um deren persönliche Entwicklung und Interessen zu kümmern...


Wenn du nicht an den persönlichen Entwicklungen und Interessen deiner Schüler interessiert bist, bist du in einer Schule grundsätzlich falsch, egal, welches Fach du unterrichtest :)
Viel Erfolg bei der Umorientierung - ernst gemeint, ich denke, du wirst schon was finden... aber wohl besser nichts, was mit Jugendlichen zu tun hat.
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Beitragvon Domingo » Di 24. Jun 2008, 20:03

nighean_neonach hat geschrieben:Wenn du nicht an den persönlichen Entwicklungen und Interessen deiner Schüler interessiert bist, bist du in einer Schule grundsätzlich falsch, egal, welches Fach du unterrichtest :)
Viel Erfolg bei der Umorientierung - ernst gemeint, ich denke, du wirst schon was finden... aber wohl besser nichts, was mit Jugendlichen zu tun hat.


So sehe ich das auch. Und ich möchte hinzufügen, dass es nicht jedermanns Sache ist, Lehrer zu sein, und dass man es sich vorher überlegen sollte - viel zuviele, die diesen Beruf ergreifen, tun es nur aus Opportunitätserwägungen (Beamtenstatus, Kohle, im öff. Dienst arbeitet man bekanntlich nicht so viel..................). Dies sind dann wohl gerade diejenigen, die über kurz oder lang einen Burnout erleben und in einer Nervenklinik landen oder aber die Schüler hassen und die Tage bis zur Pensionierung zählen...

Consus schrieb oben:

Wenn man (...) vom pädagogischen Eros durchdrungen, diese (Kenntnisse) jungen Menschen vermitteln will


Ich bekenne mich dazu, dass ich die pädagogischen Erospfeile noch nie in meiner Brust gespürt habe. Nicht in diesem Rahmen zumindest. 20 Kinder auf einmal sind mir eindeutig zuviel, und außerdem muss man von seiner Berufswahl wirklich überzeugt sein, um 2 Jahre lang diese sogenannte Ausbildung über sich ergehen zu lassen :evil:

Nicht, dass ich jemanden davon abhalten möchte, diesen Berufsweg einzuschlagen. Aber man muss es sich vorher genau überlegt haben.

Meint

Domingo

Edit: kleine Formkorrekturen
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Beitragvon nighean_neonach » Mi 25. Jun 2008, 14:09

Domingo hat geschrieben:20 Kinder auf einmal sind mir eindeutig zuviel


Mir auch :)

Das ist nämlich auch noch so ein Punkt. Unterricht ist nicht gleich Unterricht. Es gibt Leute, die didaktisch und fachlich durchaus gut sind, aber Schwierigkeiten haben, sich vor einer Klasse von 15Jährigen durchzusetzen, respektiert zu werden, sich schlicht Gehör zu verschaffen. Das ist meiner Meinung nach großteils eine Charakter- oder Mentalitätsfrage, weniger etwas, was man lernen kann.
Ich selber unterrichte sehr gern Erwachsene, Kleingruppen und Einzelschüler - ab 7 oder 8 Leuten (Jugendlichen) wird es mir zu unübersichtlich und anstrengend. Ich wollte ursprünglich auch mal in den Schuldienst, aber es wäre eine völlig verkehrte Idee gewesen, das ist einfach nichts für mich, es ist mir auch zu unpersönlich, vor 30 Leuten zu stehen und eine Unterrichtsstunde nach der anderen durchzuziehen.
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Beitragvon Domingo » Mi 25. Jun 2008, 15:39

nighean_neonach hat geschrieben:ab 7 oder 8 Leuten (Jugendlichen) wird es mir zu unübersichtlich und anstrengend. Ich wollte ursprünglich auch mal in den Schuldienst, aber es wäre eine völlig verkehrte Idee gewesen, das ist einfach nichts für mich, es ist mir auch zu unpersönlich, vor 30 Leuten zu stehen und eine Unterrichtsstunde nach der anderen durchzuziehen.


Das kann ich zu 100% unterschreiben.

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