Problem im Studium - unbegabt?

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon Micha24 » Di 13. Jul 2010, 14:30

Hallo,

ich habe ein Problem und wende mich deshalb an alle die mir Weiterhelfen können… :?

Ich studiere im 2. Semester Latein als Lehramt und habe im Wesentlichen das Problem das ich nicht weiterkomme…

Bevor ich Latein zu studieren anfing intendierte ich ein Deutsch-Französisch-Studium. Da ich noch anderweitig immatrikuliert war, begann ich die obligatorischen Lateinscheine vorzuziehen. Diese machten mir so viel Spaß, dass ich nach Rücksprache mit den Dozenten mich zu einem Lateinstudium entschloss (Zitat Dozent: „Da sehe ich keine Problem…“).

Die Noten in den Scheinen selbst waren auch gut (Latein 1: 1,3; Latein 2: 1,7; Latinum: 2,3), wenn auch in der Tendenz abfallend…

Seit nun das eigentliche Studium begann, sehe ich allerdings kein Land mehr.
Im Bereich Texteinführung (der Cicero-Übersetzung hatte ich in 4 Übungsklausuren immer 13 – 15 Fehler) – bei einer Fehlerhöchstgrenze im Ernstfall von 5,5.

In der Grammatik wurde eine Übungsklausur geschrieben bei der ich zwar durchfiel, aber laut Dozentenaussage im „grünen Bereich“ – danach stellte dieser eine korrigierte Hausaufgabe von der er etwa sagte: „ wer bis zu 30 Fehlern hat, kann eine Prüfungsteilnahme zu Beginn des nächsten Semesters ins Auge fassen, wer darüber liegt muss noch ganz viel lernen…“ Ich hatte 33 Fehler (Fehlerverteilung lag bei 2 – 50 Fehlern)… Zu meiner „Verteidigung“ muss ich hinzufügen, dass ich während des ersten Semesters durch die Teilnahme an dem Griechisch-Kurs zeitliche Engpässe hatte…

In den kommenden Semesterferien übersetzte ich vorwiegend Cicero – schien auch eine Hürde zu nehmen und schrieb mit Freundeskorrektur 2 alte Klausuren, die ich auch knapp bestand. Bei der entscheidenden Klausur zu Beginn des Semesters fiel ich allerdings mit 9 Fehlern durch.

Nun schrieb ich an der Uni vor kurzem wieder eine Cicero-Übersetzung zur Übung und bestand diese wieder knapp. Meinung des Dozenten ist, dass eine Steigerung bei mir auf jeden Fall feststellbar sei.

Der gegenwärtige Grammatik-Kurs hingegen bietet zu jeder Sitzung eine Hausaufgabe an, die ich immer angefertigt habe und dabei immer zwischen 7 und 10 Fehlern erreiche.
Einer Teilnahme an der Prüfung ist bei weniger als fünf Fehlern empfohlen…

Da ich den Kurs nun das zweite Mal besuche fragte ich den Dozent, ob ich „wenig begabt“ für Latein bin in Anbetracht dessen, dass ich keine Steigerung erreiche…
Er sagte, wenn ich im Oktober die Prüfung nicht schaffe, soll ich überlegen, ob es das Richtige für mich ist...

Irritierend in diesem Zusammenhang ist für mich vor allem folgendes: ich habe das Gefühl, dass das Lehrpersonal auf die Frage der Begabung meinerseits um nicht verletzend zu sein ausweichend reagiert. Das kann aber subjektiv sein…
Weiterhin habe ich jetzt schon wiederholt Studenten mit ähnlichen Ausgangsbedingungen wie mich an der Uni getroffen, die sogar beide Eingangsprüfungen bestehen. (Sei es, dass sie mit einem Unilatinum im Studium aufschlagen oder in den Übungsklausuren mit 13- 15 Fehlern starten)

Soll ich nun das Studium weitermachen? Gibt es Grund zur Besorgnis? Ich selbst habe keine Ahnung …

Danke an alle schon im Voraus…
Micha
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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon Laptop » Di 13. Jul 2010, 18:36

In diesem Zusammenhang finde ich den Aspekt “Begabung” von dir etwas überbewertet. Bei “sprachl. Begabten” ist der Lernfortschritt lediglich beschleunigt, bei “sprachl. Unbegabten” entsprechend verlangsamt. Aber im Grunde ist es nur Memorieren. Es gibt Felder da sieht man ohne Begabung wirklich keine großen Fortschritte, wie bspw. im Schach, und zwar ganz egal wieviel und wie lange man lernt.
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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon Medicus domesticus » Di 13. Jul 2010, 18:57

Man kann das im Internet, anonym, gar nicht beurteilen...
Ich sage dir nur eines: Philologen kochen auch nur mit Wasser.. ;-)
Das klassische Latein hat den "Vorteil", dass es relativ unveränderlich ist. Grammatik ist wichtig und natürlich auch Texte, Texte, Texte.....
Geisteswissenschaften haben da einen Vorteil : Als ich Medizin studiert habe, haben Kommilitonen auch aufgehört, weil ihnen beim "Leichenkurs" Makroskopische Anatomie schlecht geworden ist... ;-)
Also: Mach weiter......und streng dich "geistig" an....das ist auch eine Art Durchhaltevermögen.... :)

Gruß, Medicus :)
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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon chefren » Di 13. Jul 2010, 22:27

Kann mich nur anschliessen. Hab in der Vergangenheit sehr viel ausprobiert und einiges angefangen und wieder hingeschmissen weil ich mit etwaigen Problemen nicht zurecht gekommen bin oder mich gar nicht erst damit befassen wollte und dachte das es besser wird, wenn ich einfach vor diesen fluechte. Aber dem war nicht so, auch im anderen Studienfaechern gab es frueher oder spaeter Probleme und nur wenn man sich diesen stellt und eben daran arbeitet (notfalls mit Nachhilfe, Lerngruppen, etc) schafft man es irgendwann den inneren Schweinehund zu ueberwinden und den fuer sich besten weg zu finden.

Bestehen oder nicht bestehen hat nichts mit Begabung oder Intelligenz zu tun, ich fuer mich weiss zB das ich bei Pruefungen immer gegen meine Angst kaempfe und innerlich angespannt bin, was mitunter dazu fuehrt das Leute die sonst schlechter sind, ploetzlich besser sind als ich oder wwi.; trotzallem hilft auch da, einfach nur gegen ankaempfen, bis irgendwann der Knoten geplatz ist.

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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon Oedipus » Fr 16. Jul 2010, 23:07

Ich finde in deiner Schilderung wird die Quantität der Fehler viel zu stark hervorgehoben.

Du musst analysieren, was du falsch gemacht hast, und schauen, wo die Lücken sind!

Wenn der Übersetzungsvorgang zur Qual wird und die Angst vor Fehlern Überhand nimmt, dann ziehe lieber die Bremse.

Ich habe aber den Eindruck, dass du im Moment nicht den Durchblick hast, wo deine Lücken sind.

Kleine Nebenfrage: Die Übersetzung sind doch in der Uni ohne Lexikon anzufertigen, oder?

Vielleicht ist dann das Vokabellernen ein Baustein, den du nicht genügend pflegst!

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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 17. Jul 2010, 09:19

Ich finde, dass man ein Ziel vor Augen haben sollte. Ich weiß, man kann ein Medizinstudium nicht mit Latein vergleichen: Aber ich hatte 12 Semester Medizin und auch nicht immer die gleiche Motivation dran, aber ich hatte ein Ziel vor Augen und so habe ich es auch geschafft.
Also setze dir ein Ziel, dass du mit Latein erreichen willst und du mußt dich mit der Sprache noch identifizieren können. Wie Oedipus sagt, analysiere deine Fehler. Wenn du aber grundsätzliche Probleme mit Latein hast, dann überlege es dir doch nochmal, ob es das Richtige für dich ist.
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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon latinum87 » Mo 23. Aug 2010, 16:15

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Scheinbar ist es ja nicht so, dass du überhaupt keine Ahnung hast, sondern eben so, dass du dich eine Zeit lang nicht intensiv und ausschließlich auf Latein konzentrieren konntest. Ich habe Archiologie studiert und hatte gar keine Latein-Vorkenntnisse. Ich habs auch irgendwie gescahfft, die Scheine zu bekommen...wenn ich auch für ein paar Wochen kein Mensch mehr war vor lauter lernen. Glaub an dich. Menschen wachsen an Ihren Herausforderungen!!! Viel Erfolg!!! LG, Jule
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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon Richard84 » Mo 29. Nov 2010, 10:28

Ich denke auch, dass Fleiß wichtiger ist als Begabung.

Du solltest dir immer vor Augen halten, dass du, um Erfolgreich zu sein, dich min. in den drei folgenden "Disziplinen" üben solltest:

- Vokabeln (Vischer auswendig lernen?)
- Rubenbauer (durchlesen, unbekanntes anstreichen, rausschreiben)
- Texte übersetzen (am besten ganz in Ruhe; such dir einen Text, der dich interessiert und hol dir zum Vergleichen eine Übersetzung dazu; vlt. Sall. oder leichtere Cicero Ausschnitte).

Natürlich könntest du auch einfach draufloslesen, da ja beim Lesen Vokabeln u Grammatik geschult werden. Ich kenne einige, die damit erfolgreich gefahren sind. Ich selbst habe es aber wie oben beschrieben gemacht.

Solltest du keine Zeit für eine "Privatlektüre" haben, verschiebe sie auf die Ferien.
Auch eine genaue Kenntnis des Rubenbauers ist vlt. (entsprechend deines Kenntnisstands) erstmal nicht so entscheidend, vlt. erst für Sprach- und Stilübungen.

Ich würde also erstmal versuchen, so viele Vokabeln wie möglich zu lernen. Damit musst du dann auch bei der Lektüre weniger nachschlagen, bist schneller beim Übersetzen und hast so vlt. auch mehr Spaß daran.
ignorantque datos, ne quisquam serviat, enses.
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Re: Problem im Studium - unbegabt?

Beitragvon RM » Mi 22. Dez 2010, 20:19

@Micha24: Wie läuft's inzwischen?

Um Latein effektiver zu üben, empfehle ich persönlich, es mal mit dem Sprechen und Schreiben zu versuchen. Wenn man es aktiv betreibt, lernt man's schneller.

8) RM
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