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Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Beitragvon CIS » Do 29. Mär 2012, 15:22

Hallo zusammen,

ich bin auf der Suche nach einer Onlinezeitschrift zur Veröffentlichung eines Aufsatzes zur Antikenrezeption. Aus Prinzip will ich den Text nur online und "OpenAccess" veröffentlichen. Die einzige Online-Zeitschrift, die ich im deutschen Bereich kenne, das Göttinger Forum für Altertumswissenschaften, hat die Veröffentlichung aber abgelehnt. Kennt iemand eine andere altertumswissenschaftliche Online-Zeitschrift oder ein Portal o.ä., wo man so etwas "peer-reviewed" veröffentlichen könnte?

Wäre für einen Tipp dankbar!
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon RM » Do 29. Mär 2012, 21:17

Z.B. Pegasus: http://www.pegasus-onlinezeitschrift.de/
Und warum nicht in einer gedruckten Zeitschrift?

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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon CIS » Do 29. Mär 2012, 21:41

Danke für den Hinweis.
Pegasus kenne ich, halte ich aber in diesem Falle für ungeeignet. Mit "didaktisch-methodischen Reflexion über die Fächer Latein und Griechisch" hat unser Text nichts zu tun. Und das, was für fachwissenschaftliche Beiträge vorgeschrieben ist, nämlich "Ergebnisse fachwissenschaftlicher Forschung sollen für die Theorie und Praxis des altsprachlichen Unterrichts nutzbar gemacht werden und der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Universität dienen.", trifft darauf auch keinesfalls zu. Das würde da einfach nicht hineinpassen.

Ich weiß nicht, wie sinnvoll es ist, die ganze Diskussion hier aufzurollen. Ich will mich auf die für mich wichtigsten Gründe beschränken, warum für mich nur Onlineveröffentlichung in Frage kommt:

1. Wissenschaft sollte frei, weltweit und offen zugänglich sein.
Keine gedruckte Zeitschrift erreicht die Verbreitung, die eine Onlinepublikation erreichen kann. Nur eine handvoll Bibliotheken der Welt haben sämtliche Zeitschriften abonniert. Wartezeiten und Gebühren für Fernleihen, Einschränkungen der Benutzung vor Ort und der Zwang, überhaupt eine Bibliothek aufsuchen zu müssen, sind in meinen Augen für den Wissenschaftsbetrieb unzumutbar. Ich will Beiträge, die mich interessieren, in 20 Sekunden auf meinem Bildschirm und nicht in 20 Tagen in einer Bibliothek.

2. An gedruckten Zeitschriften verdienen Menschen, die nichts dafür tun. Wissenschaftsverlagen verlangen teilweise horrende Beträge für Produkte, für die sie keinen Finger krümmen. Und die Bibliotheken müssen bezahlen. Das ist in unserem Bereich weniger extrem, aber in den Naturwissenschaften umso schlimmer. Die Verlage bekommen von Steuergeldern finanzierte Texte und verkaufen sie an wissenschaftliche Bibliotheken zurück - und erhalten dafür Steuergelder. In diesem Kreislauf werde ich nicht mitmachen.

3. Wissenschaft hat auch mit Geschwindigkeit zu tun. Die Zeit, die für Satz und Druck verschwendet wird, fehlt der wissenschaftlichen Diskussion. Abgesehen davon, dass zu viele gedruckte Zeitschriften nur einmal pro Jahr erscheinen. Wissenschaftliche Diskussionen sind aber schnelllebiger. Wie hier im Forum: Antworten in Sekundenschnelle möglich. So sollte es auch in der Forschung gehen.

4. Letztlich spielen auch ganz praktische Erwägungen eine Rolle. Umbruchfehler, Konvertierungsfehler bei Schrifttypen, all das habe ich in gedruckten Zeitschriften schon gesehen. Wenn ein Beitrag so erscheint, wie er meinen Computer verlässt (in der Regel als PDF, was allerdings ein proprietäres Format ist und daher nicht unproblematisch), ist das ausgeschlossen. Wenn noch ein Layouter dransitzt, kommen oft Fehler hinein.
Von den Möglichkeiten moderner Medien einmal ganz abgesehen. Unser Text enthält viele farbige Abbildungen. Wäre in gedruckten Zeitschriften kaum denkbar.
Letztendlich sind auch PDFs nur eine Crux. Was wir brauchen, sind "interaktive Texte". Ein kümmerliches eigenes Beispiel, wie so etwas aussehen sollte: http://www.erksst.de/daten/sigbaumstruk.html
...und spätestens dann geht es nur noch digital.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon RM » Fr 30. Mär 2012, 08:09

Mal eine ganz kurze Antwort:

1. Ja, aber die Autoren/Wissenschaftler sollten für ihre Arbeit honoriert werden, sonst haben wir irgendwann keine Wissenschaft mehr. Außerdem gibt es bei gedruckten Publikationen eine Chance, dass man sie auch in 50 oder 100 Jahren noch irgendwo findet - o.k., bei vielen Artikeln ist das natürlich egal .... Online wird mir auch völlig unkontrolliert zu viel Unsinn verbreitet. Da schadet das übliche Gegenlesen, das ein Hauptgrund für die Verlangsamung ist, sicher nicht.

2. "die nichts dafür tun" ist so nicht richtig. Auch ein Verlag kann es sich nicht leisten, Leute zu beschäftigen, die nichts tun. Das Hauptargument dafür, dass es so läuft, ist die Qualität der Veröffentlichungen. Daher sind einige Publikationen besonders teuer und einige Verlage (Springer, Elsevier) besonders gut im Geschäft.

3. Was die Geschwindigkeit wissenschaftlicher Diskussionen angeht, so findet die Kommunikation unter den Wissenschaftlern i.d.R. nicht ausschließlich über Publikationen statt. Letztere sollten nur die Ergebnisse dieser Diskussionen darstellen. Ich kenne aber kaum ein Thema in den Geisteswissenschaften, bei dem Schnelllebigkeit eine besondere Rolle spielen würde.

4. Das sind wirklich keine echten Probleme. Bei dem Beispiellink kann man auf die Interaktivität auch getrost verzichten.

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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon CIS » Fr 30. Mär 2012, 09:36

Dann sind wir doch wieder mitten in der Diskussion. Na dann...

RM hat geschrieben:Aber die Autoren/Wissenschaftler sollten für ihre Arbeit honoriert werden, sonst haben wir irgendwann keine Wissenschaft mehr.


Das ist völlig richtig. Nur gibt es, soweit ich weiß, keine Honorierung in Form von Bezahlung für Fachpublikationen. Kommerziell lohnend ist das für Wissenschaftler nur bei populärwissenschaftlichen Büchern, Studienliteratur, Handbüchern o.ä. Für Zeitschriftenartikel, Dissertationen, Habilschriften etc. sehen die Wissenschaftler keinen Cent.
Honorierung in Form von Aufmerksamkeit kann über das Netz sogar besser funktionieren, weil es niederschwelliger ist. Ich maile relativ selten einem Kollegen einen Buchtip. Bei Links mach ich das viel häufiger, weil ich weiß, dass der Empfänger nur klicken und nicht in die Bibliothek gehen muss.

RM hat geschrieben:Außerdem gibt es bei gedruckten Publikationen eine Chance, dass man sie auch in 50 oder 100 Jahren noch irgendwo findet - o.k., bei vielen Artikeln ist das natürlich egal ....


Das ist zugegeben ein Problem. Aber ich bin da optimistisch. Noch funktioniert das Web-Archiv und wissenschaftliche Publikationen, die ich im Internet gefunden habe, sind bis jetzt auch noch nie verschwunden. Und Bücher halten auch nicht ewig.

RM hat geschrieben:Online wird mir auch völlig unkontrolliert zu viel Unsinn verbreitet. Da schadet das übliche Gegenlesen, das ein Hauptgrund für die Verlangsamung ist, sicher nicht.


Das Argument passt nicht wirklich. Natürlich wird online viel Unsinn erzählt. Auf Papier aber auch (sogar in wissenschaftlichen Zeitschriften steht manchmal Unfug). Es gibt aber wissenschaftliche Onlinezeitsschriften mit Peer-Review-Prozess und Herausgebergremium wie bei gedruckten Zeitschriften. Das Göttinger Forum für Altertumswissenschaften ist so ein Beispiel. Die Zeit dafür muss man sich nehmen. Die Zeit, auf die restlichen Beiträge des Jahres zu warten, alles zu setzen, zu drucken und auszuliefern, nicht.

RM hat geschrieben:2. "die nichts dafür tun" ist so nicht richtig. Auch ein Verlag kann es sich nicht leisten, Leute zu beschäftigen, die nichts tun. Das Hauptargument dafür, dass es so läuft, ist die Qualität der Veröffentlichungen. Daher sind einige Publikationen besonders teuer und einige Verlage (Springer, Elsevier) besonders gut im Geschäft.


Für die Qualität der Veröffentlichung sorgen aber die Herausgeber und die Autoren. Und die bekommen oft (nicht immer) genau gar nichts vom Verlag. Was der Verlag macht, ist Marketing. Und das kann, wie oben angedeutet, auch über Mund- und Mailpropaganda funktionieren. Dafür brauche ich keinen Verlag.

RM hat geschrieben:3. Was die Geschwindigkeit wissenschaftlicher Diskussionen angeht, so findet die Kommunikation unter den Wissenschaftlern i.d.R. nicht ausschließlich über Publikationen statt. Letztere sollten nur die Ergebnisse dieser Diskussionen darstellen. Ich kenne aber kaum ein Thema in den Geisteswissenschaften, bei dem Schnelllebigkeit eine besondere Rolle spielen würde.


Das ist jetzt natürlich eine Prinzipienfrage, ob Schnelllebigkeit eine Rolle spielt. Die Frage ist eher, ob die Diskussionen, die geführt werden, nämlich auf Konferenzen, nicht quasi "digitalisiert" und "öffentlich geführt" werden sollten. Dann würde aus einer Konferenz mit 100 Teilnehmern plötzlich eine Konferenz mit 10 000 Teilnehmern, die außerdem noch billiger und bequemer ist. (Natürlich ersetzt nichts den persönlichen Kontakt und ich will auch gewiss keine "physischen Konferenzen" verbieten, aber als zusätzliche Option sollte man sich das mal überlegen.)

RM hat geschrieben:4. Das sind wirklich keine echten Probleme. Bei dem Beispiellink kann man auf die Interaktivität auch getrost verzichten.


Für mich sind das schon sehr reale Probleme. Der durchgeschriebene, statische Text ist ein Medien vergangener Zeiten. Davon müssen wir weg. Farbige Abbildungen, Karten, Schautafeln sind nur die eine Seite. Viel besser ist es, den Text selbst, interaktiv zu gestalten, semantisch zu taggen, durchsuchbar zu machen, letztlich: nutzerorientiert zu gestalten.
Das mein Beispiel kläglich ist, habe ich angedeutet. Aber es verdeutlicht was ein Text heute leisten muss: Jedem Leser sofort genau die Information geben, die er oder sie braucht. Und zwar möglichst schnell. Dafür ist eine übersichtliche, klickbare Baumstruktur besser geeignet als jeder gedruckte Text.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon Luca » Fr 30. Mär 2012, 09:59

Dies soll nur ein allgemeiner Einwurf werden und nicht ausufern:
Das gedruckte Wort wird nicht gänzlich verschwinden - aber auch das ,,mediale Wort" wird sich entwickeln.
Beide Verbreitungsarten haben ihre Vor-und Nachteile, weshalb sie beide Bestand haben (zum Glück, nach meinem bescheidenen Dafürhalten).
Die Medienpräsenz im www. steckt (leider) noch immer in den Kinderschuhen und wird sich - auch was Rechtliches betrifft, bspw. Honorare etc. - verbessern und zum Guten wenden. Allerdings ist der zeitnahe Info-Austausch zwischen Nicht- und Wissenschaftlern eine tatsächliche unschlagbare Chance für verbesserten Fortschritt.
Du leistest meiner Meinung nach in dieser Hinsicht auch ein klein wenig ,,Pionierarbeit", und was heute noch abwegig erscheint, wird vielleicht morgen schon nicht mehr wegzudenken sein.

Im Übrigen denke ich, würde sich auch hier ein Modell nicht durchsetzen können, das den Anforderungen der Zeit nicht Stand halten kann.
Grüße.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon RM » Fr 30. Mär 2012, 19:21

CIS hat geschrieben:Dann sind wir doch wieder mitten in der Diskussion. Na dann...


... na dann mal los ...

CIS hat geschrieben:Das ist völlig richtig. Nur gibt es, soweit ich weiß, keine Honorierung in Form von Bezahlung für Fachpublikationen. Kommerziell lohnend ist das für Wissenschaftler nur bei populärwissenschaftlichen Büchern, Studienliteratur, Handbüchern o.ä. Für Zeitschriftenartikel, Dissertationen, Habilschriften etc. sehen die Wissenschaftler keinen Cent.


Man kann alles, was in Deutschland publiziert wird, bei der VG Wort anmelden und bekommt dafür etwa - o.k. viel ist es bei kurzen Artikeln nicht, aber bei Büchern wird man darauf ungern verzichten. Bei Dissertationen und Habilitationsschriften kommt es auf die Art der Veröffentlichung an. Da muss dann mindestens eine ISBN-Nummer drauf sein.

CIS hat geschrieben:Honorierung in Form von Aufmerksamkeit kann über das Netz sogar besser funktionieren, weil es niederschwelliger ist. Ich maile relativ selten einem Kollegen einen Buchtip. Bei Links mach ich das viel häufiger, weil ich weiß, dass der Empfänger nur klicken und nicht in die Bibliothek gehen muss.


Fast jedes YouTube-Video wird öfter angeschaut als ein im Netz veröffentlichter Artikel über Quantenchromodynamik. Wozu also der Aufwand, wissenschaftliche Artikel ins Netz zu stellen? Und über welche Aufmerksamkeit reden wir da?

CIS hat geschrieben:Das ist zugegeben ein Problem. Aber ich bin da optimistisch. Noch funktioniert das Web-Archiv und wissenschaftliche Publikationen, die ich im Internet gefunden habe, sind bis jetzt auch noch nie verschwunden. Und Bücher halten auch nicht ewig.


Lass mal einen größeren Hoster in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und Du wirst sehen, wie schnell wichtige Web-Angebote einfach so verschwinden. Bücher halten nicht ewig, aber wenn ich 1000 Exemplare auf Bibliotheken in aller Welt verteile, habe ich eine Chance, nach 1000 Jahren noch 2-3 davon zu finden. Langzeitarchivierung ist ein sehr ernst zu nehmendes und immer noch ungelöstes Problem. Ganz davon abgesehen, gibt es da ein Kostenproblem: Elektronische Publikationen aufzuheben kostet Geld, und das andauernd, nämlich neue Festplatten, viel Energie (Strom) und Personal. Bücher drucken kostet einmal viel, die Lagerkosten sind dann aber sehr gering.

CIS hat geschrieben:Das Argument passt nicht wirklich. Natürlich wird online viel Unsinn erzählt. Auf Papier aber auch (sogar in wissenschaftlichen Zeitschriften steht manchmal Unfug). Es gibt aber wissenschaftliche Onlinezeitsschriften mit Peer-Review-Prozess und Herausgebergremium wie bei gedruckten Zeitschriften. Das Göttinger Forum für Altertumswissenschaften ist so ein Beispiel. Die Zeit dafür muss man sich nehmen. Die Zeit, auf die restlichen Beiträge des Jahres zu warten, alles zu setzen, zu drucken und auszuliefern, nicht.


Wenn bei Springer oder Elsevier eine Publikation 5 Monate braucht, bis sie erscheint, liegt das nicht an der Langsamkeit der Druckmaschinen, denn die schaffen das in maximal 2-3 Tagen. Nehmen wir so eine Veröffentlichung wie Phys.Rev.Letters (http://prl.aps.org/, eine der renommiertesten wissenschaftlichen Publikationen in der Physik). Dort steht dann z.B. "Received 25 November 2011; published 30 March 2012", also 4 Monate bis zur Publikation - und die sind sehr schnell. Aber ein guter Review erfordert viel Zeit. Aber Publikationen ohne Review haben in der Physik i.d.R. keine Chance auf Beachtung.

CIS hat geschrieben:Für die Qualität der Veröffentlichung sorgen aber die Herausgeber und die Autoren. Und die bekommen oft (nicht immer) genau gar nichts vom Verlag. Was der Verlag macht, ist Marketing. Und das kann, wie oben angedeutet, auch über Mund- und Mailpropaganda funktionieren. Dafür brauche ich keinen Verlag.


Das mit der Mund- oder Mailpropaganda funktioniert nur selten gut. Dazu muss man schon bekannt sein. Gute Verlage können das meistens besser.

CIS hat geschrieben:Das ist jetzt natürlich eine Prinzipienfrage, ob Schnelllebigkeit eine Rolle spielt. Die Frage ist eher, ob die Diskussionen, die geführt werden, nämlich auf Konferenzen, nicht quasi "digitalisiert" und "öffentlich geführt" werden sollten. Dann würde aus einer Konferenz mit 100 Teilnehmern plötzlich eine Konferenz mit 10 000 Teilnehmern, die außerdem noch billiger und bequemer ist. (Natürlich ersetzt nichts den persönlichen Kontakt und ich will auch gewiss keine "physischen Konferenzen" verbieten, aber als zusätzliche Option sollte man sich das mal überlegen.)


Schnelllebigkeit in der Wissenschaft? Wofür? Wenn ich nur diskutieren will, mache ich das selten in Form von Veröffentlichungen. Wenn ich aber etwas veröffentliche, will ich, dass es seine Wirkung für mindestens die nächsten 10, besser die nächsten 30 Jahre behält. Bei guten Konferenzen ist das eigentlich Wichtige ja nicht, andächtig allen Vorträgen zu lauschen, sondern mit den Leuten zu reden, am besten in einem Pub bei einem Glas Guinness oder Chianti (je nach Geographie), z.B. um neue sich neue Projekte auszudenken. Das kann man nicht, wenn man zu Hause bleibt.

CIS hat geschrieben:Für mich sind das schon sehr reale Probleme. Der durchgeschriebene, statische Text ist ein Medien vergangener Zeiten. Davon müssen wir weg. Farbige Abbildungen, Karten, Schautafeln sind nur die eine Seite. Viel besser ist es, den Text selbst, interaktiv zu gestalten, semantisch zu taggen, durchsuchbar zu machen, letztlich: nutzerorientiert zu gestalten.
Das mein Beispiel kläglich ist, habe ich angedeutet. Aber es verdeutlicht was ein Text heute leisten muss: Jedem Leser sofort genau die Information geben, die er oder sie braucht. Und zwar möglichst schnell. Dafür ist eine übersichtliche, klickbare Baumstruktur besser geeignet als jeder gedruckte Text.


Ich meine, wenn man nicht in der Lage ist, seine Erkenntnisse in einen statischen Text zu überführen, braucht man sie auch nicht unbedingt zu veröffentlichen. Das mit der Sucherei ist o.k., das geht mit elektronischen Methoden etwas besser als mit den alten Mitteln. Aber ich möchte in keinem Online-Text lange herumklicken, um zu finden, ob mich was interessiert. Ein ordentlich geschriebenes Abstract ist da besser.

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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon CIS » Fr 30. Mär 2012, 19:59

RM hat geschrieben:Man kann alles, was in Deutschland publiziert wird, bei der VG Wort anmelden und bekommt dafür etwa - o.k. viel ist es bei kurzen Artikeln nicht, aber bei Büchern wird man darauf ungern verzichten. Bei Dissertationen und Habilitationsschriften kommt es auf die Art der Veröffentlichung an. Da muss dann mindestens eine ISBN-Nummer drauf sein.


Damit hab ich mich jetzt noch nie näher auseinandergesetzt. Von welchen Beträgen reden wir da? Was bekommt man für eine Diss mit einer Auflage von 400 Stück? (Wenn sie bei einem Verlag erscheint, also mit ISBN)

RM hat geschrieben:Fast jedes YouTube-Video wird öfter angeschaut als ein im Netz veröffentlichter Artikel über Quantenchromodynamik. Wozu also der Aufwand, wissenschaftliche Artikel ins Netz zu stellen? Und über welche Aufmerksamkeit reden wir da?


Jedes Pornoheft wird häufiger gelesen als ein gedruckter Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Wozu also den Aufwand, wissenschaftliche Zeitschriften zu drucken?
Die einmaligen Veröffentlichungskosten sind bei Online-Publikationen wesentlich geringer. Zu den anderen Kosten siehe unten.
(Edit:) Zudem kann es gut sein, dass Onlineveröffentlichungen mehr gelesen werden als gedruckte. Schlichtweg weil sie googelbar sind. Ich habe über Google schon Dutzende passende Onlineveröffentlichungen gefunden, die ich mir gedruckt nie angeschaut hätte (weil Titel und Inhaltsverzeichnis nicht andeuteten, dass zum gesuchten Thema etwas passendes drinsteht.) (Edit Ende.)

RM hat geschrieben:Lass mal einen größeren Hoster in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und Du wirst sehen, wie schnell wichtige Web-Angebote einfach so verschwinden. Bücher halten nicht ewig, aber wenn ich 1000 Exemplare auf Bibliotheken in aller Welt verteile, habe ich eine Chance, nach 1000 Jahren noch 2-3 davon zu finden. Langzeitarchivierung ist ein sehr ernst zu nehmendes und immer noch ungelöstes Problem.


Ja, es ist ein Problem. Aber kein unlösbares. Aber dieses ungelöste Problem sollten wir als Herausforderung sehen und Onlineveröffentlichungen forcieren, damit die Wissenschaft(spolitik) sich dieses Themas verstärkt annimmt.

RM hat geschrieben:Ganz davon abgesehen, gibt es da ein Kostenproblem: Elektronische Publikationen aufzuheben kostet Geld, und das andauernd, nämlich neue Festplatten, viel Energie (Strom) und Personal. Bücher drucken kostet einmal viel, die Lagerkosten sind dann aber sehr gering.


Auch die Lagerungskosten von Büchern liegen nicht bei Null. Der Verlag Walter de Gruyter, dem die Bibliotheca Teuberiana "gehört", hat sämtliche Altbestände bis auf ein Exemplar vernichtet, weil die Lagerungskosten zu hoch waren.
Ich weiß nicht, ob es dazu generell seriöse Studien gibt. Aber ich würde mal schätzen, es kostet mehr, eine Bibliothek mit 50 000 Bänden als einen Server mit 50 000 PDFs mit gleich vielen Seiten zu betreiben. Eine Bibliothek muss beheizt, beaufsichtigt, geputzt, gewartet, eventuell die Räume gemietet werden etc. Demgegenüber sind Serverkosten (mit allem, was daran hängt) zwar nicht marginal, aber ich schätze nicht höher, sondern eher geringer. Lasse mich da aber gerne eines besseren belehren, wenn da jemand Studien kennt.

RM hat geschrieben:Wenn bei Springer oder Elsevier eine Publikation 5 Monate braucht, bis sie erscheint, liegt das nicht an der Langsamkeit der Druckmaschinen, denn die schaffen das in maximal 2-3 Tagen. Nehmen wir so eine Veröffentlichung wie Phys.Rev.Letters (http://prl.aps.org/, eine der renommiertesten wissenschaftlichen Publikationen in der Physik). Dort steht dann z.B. "Received 25 November 2011; published 30 March 2012", also 4 Monate bis zur Publikation - und die sind sehr schnell. Aber ein guter Review erfordert viel Zeit. Aber Publikationen ohne Review haben in der Physik i.d.R. keine Chance auf Beachtung.


Der Druck selbst verschlingt wenig Zeit, ja. Aber die Druckvorbereitung und schließlich die Auslieferung braucht schon Zeit. Abgehen von der Erscheinungsweise: Onlinezeitschriften können fertige Artikel sofort veröffentlichen. Gedruckte Zeitschriften erscheinen eben nur zu bestimmten Zeitpunkten.

RM hat geschrieben:Das mit der Mund- oder Mailpropaganda funktioniert nur selten gut. Dazu muss man schon bekannt sein. Gute Verlage können das meistens besser.


Davon bin ich nicht überzeugt. Im wissenschaftlichen Bereich funktioniert es leider noch nicht, aber meine Online-Nachrichten konsumiere ich ungefähr halb-halb: Die Hälfte, indem ich gezielt Nachrichtenportale ansteuere, die andere Hälfte, indem ich Social-Media-Empfehlungen folge. Und ich habe das Gefühl, dass die zweite Hälfte die spannendere und aufschlussreichere ist.

RM hat geschrieben:Schnelllebigkeit in der Wissenschaft? Wofür? Wenn ich nur diskutieren will, mache ich das selten in Form von Veröffentlichungen. Wenn ich aber etwas veröffentliche, will ich, dass es seine Wirkung für mindestens die nächsten 10, besser die nächsten 30 Jahre behält. Bei guten Konferenzen ist das eigentlich Wichtige ja nicht, andächtig allen Vorträgen zu lauschen, sondern mit den Leuten zu reden, am besten in einem Pub bei einem Glas Guinness oder Chianti (je nach Geographie), z.B. um neue sich neue Projekte auszudenken. Das kann man nicht, wenn man zu Hause bleibt.


Man kann Projekte durchaus übers Internet planen. Das ist nicht der Punkt.
Warum sollte man nicht eine Veröffentlichungsform entwickeln, die beides ist - in 10 Sekunden verfügbar und vielleicht in 10 Jahren noch wichtig? Manche Tweets zu aktuellen Themen werden noch Jahre später zitiert. Auch in der Wissenschaft wäre so etwas denkbar. Veröffentlichungen, die schnelllebig sein können, wenn es darauf ankommt, aber genauso gut lange haltbar.

RM hat geschrieben:Ich meine, wenn man nicht in der Lage ist, seine Erkenntnisse in einen statischen Text zu überführen, braucht man sie auch nicht unbedingt zu veröffentlichen.


Warum? Ich kann das genauso umgekehrt behaupten. Grundsätzlich meine ich, dass eine wissenschaftliche Veröffentlichung "nutzerorientiert" sein soll. Und das können statische Texte kaum. In ihnen geht keine Verlinkung, kein Ein/Ausblenden von Elementen, keine optionalen Hervorhebungen - all das, was ein Text heute bräuchte. (Und auch PDFs nicht leisten können. Da sind wir noch ganz am Anfang der Entwicklung.)

RM hat geschrieben:ich möchte in keinem Online-Text lange herumklicken, um zu finden, ob mich was interessiert. Ein ordentlich geschriebenes Abstract ist da besser.


Ein ordentliches Abstract ist eine sehr hilfreiche Sache. wenn es mir aber gar nicht um den Hauptpunkt geht, sondern um einen Nebenaspekt, hilft ein Abstract genau gar nichts. Wenn ich in meinem Beispiel wissen will, welche Argumente Siegfried Hirsch 1841 vorgetragen hat, ist meine Baumstruktur jedem statischen Text überlegen. Da ist man mit Klicken viel schneller als mit Lesen/Überliefen eines statischen Textes.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon RM » Fr 30. Mär 2012, 20:36

CIS hat geschrieben:Damit hab ich mich jetzt noch nie näher auseinandergesetzt. Von welchen Beträgen reden wir da? Was bekommt man für eine Diss mit einer Auflage von 400 Stück? (Wenn sie bei einem Verlag erscheint, also mit ISBN)

Noch keinen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort geschlossen? Sollte man als Wissenschaftler aber ganz schnell tun. Hier gibt's mehr dazu: http://www.vgwort.de/verguetungen/auszahlungen/wissenschaftliche-publikationen.html
Der Betrag, den man als Alleinautor für ein Buch bekam, waren demletzt über 600 Euro, glaube ich.

CIS hat geschrieben:... und Onlineveröffentlichungen forcieren, damit die Wissenschaft(spolitik) sich dieses Themas verstärkt annimmt.

Die Wissenschaft hat sich des Themas bereits angenommen. Ich war da mal auf einem Kongress in Hamburg, wo übrigens auch de Gruyter vertreten war (s.u.). Herausgekommen ist so ungefähr, dass es zwar Methoden für die nächsten 50 Jahre gibt (CD-ROMs mit Goldschicht etc.), aber nichts wirklich lange Haltbares, es sei denn, man hat Lust, wieder alles in Stein zu meißeln - das hält am besten.

CIS hat geschrieben:Auch die Lagerungskosten von Büchern liegen nicht bei Null. Der Verlag Walter de Gruyter, dem die Bibliotheca Teuberiana "gehört", ...

Wenn man nur die Bücher lagern will, kann man das in unbeheizten Räumen tun. De Gruyter hätte die Bücher natürlich auch verramschen können, aber vielleicht haben sie gedacht, dass sich auch in diesem Fall niemand dafür interessiert. Das Problem ist, dass elektronische Medien zu ihrem Erhalt aktives Eingreifen erfordern, es sei denn man bedient sich CD-ROMs oder ähnlicher Medien. Bücher kann man einfach irgendwo an einem überdachten Ort ablegen und man wird sie auch in 100 Jahren noch lesen können.

CIS hat geschrieben:Im wissenschaftlichen Bereich funktioniert es leider noch nicht, aber ...

Sollte es aber allmählich. Diese Art der Kommunikation gibt es nämlich schon seit ungefähr 30 Jahren. Das ist jedoch ein Problem der kritischen Masse. Bei den meisten wissenschaftlichen Forschungen gelingt es einem nur mit großer Mühe, 50-100 Leute auf der ganzen Welt zu finden, die sich mit demselben Thema beschäftigen.

CIS hat geschrieben:Man kann Projekte durchaus übers Internet planen. Das ist nicht der Punkt.

Wie langweilig! Normalerweise sind 2 Tage Konferenz effektiver als 3 Monate Social Networking im Internet. Ich empfehle zu diesem Thema das Buch "Small World" von David Lodge ... :wink:

CIS hat geschrieben:Warum sollte man nicht eine Veröffentlichungsform entwickeln, die beides ist - in 10 Sekunden verfügbar und vielleicht in 10 Jahren noch wichtig? Manche Tweets zu aktuellen Themen werden noch Jahre später zitiert.

So lange gibt es Tweets noch gar nicht, als dass man das sinnvoll beurteilen könnte. Und wenn eine Veröffentlichung für die nächsten 10 Jahre gut ist, kann sie auch mal 3 Monate warten.

CIS hat geschrieben:Grundsätzlich meine ich, dass eine wissenschaftliche Veröffentlichung "nutzerorientiert" sein soll. Und das können statische Texte kaum.

Statische Texte konnten das lange, bevor wir beide geboren wurden. Warum sollte das auf einmal nicht mehr gehen?

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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon CIS » Fr 30. Mär 2012, 20:57

Ich führe diese Diskussion ja nicht zum ersten Mal. Aber so sehr sich auch alle Beteiligten bemühen, beim "großen Ganzen" zu bleiben, wirklich jedes Mal landet man beim Klein-Klein. Ich glaube, das ist hier schon wieder der Fall. Würde mich interessieren, ob überhaupt noch jemand sonst mitliest. Ich will mich auf die wichtigsten Punkte beschränken.

RM hat geschrieben:Das Problem ist, dass elektronische Medien zu ihrem Erhalt aktives Eingreifen erfordern, es sei denn man bedient sich CD-ROMs oder ähnlicher Medien. Bücher kann man einfach irgendwo an einem überdachten Ort ablegen und man wird sie auch in 100 Jahren noch lesen können.


Dateien lassen sich dafür automatisch konvertieren. Meine Digitalfotosammlung (über 15 000 Dateien) von JPG in PNG umwandeln zu lassen, kostet mich 40 Sekunden und meinen Computer einige Stunden (Schätzwert). CDs halten nicht ewig, klar. Ich bin zuversichtlich, dass sich hier Lösungen finden, indem Dateien immer wieder automatisch auf neuere Speichermedien kopiert werden.

RM hat geschrieben:Und wenn eine Veröffentlichung für die nächsten 10 Jahre gut ist, kann sie auch mal 3 Monate warten.


Natürlich kann eine Veröffentlichung auch mal 3 Monate warten, wenn die Zeit sinnvoll für einen Peer-Review-Prozess genutzt wird. Ich bin nur gegen Veröffentlichungsstrukturen, die eine Verzögerung aus außerwissenschaftlichen Gründen mit sich bringen. Das sehe ich nicht ein.

RM hat geschrieben:
CIS hat geschrieben:Grundsätzlich meine ich, dass eine wissenschaftliche Veröffentlichung "nutzerorientiert" sein soll. Und das können statische Texte kaum.

Statische Texte konnten das lange, bevor wir beide geboren wurden. Warum sollte das auf einmal nicht mehr gehen?


Können sie nicht in der Weise, wie mir das vorschwebt.
Nochmal:
- die Möglichkeit durch eine Baumstruktur den schnellen Zugriff auf Nebenaspekte zu ermöglichen
- zunächst nebensächliche Dinge ausblenden und bei Bedarf einblenden
- interne und externe Verweise per Mausklick (viel schneller als Blättern)
- optionales Hervorheben
- semantisches Taggen und damit Filterungsmöglichkeiten (Beispiel: Für meine Dissertation interessieren mich nur Quellen zwischen 500 und 1200. Ich könnte Monate meines Lebens sparen, wenn alle Texte, die ich lese, eine Filterungsmöglichkeit nach Jahrhunderten hätten und ich alles vor 500 und nach 1200 nicht durch Überfliegen selbst geistig aussortieren müsste, sondern einmal per Mausklick ausblenden könnte.)

Letztlich geht es um eines: Dem Leser sofort genau das geben, wo nach er oder sie sucht. Möglichst in 20 Sekunden. Das können statische Texte nicht.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon Luca » Fr 30. Mär 2012, 21:10

CIS hat geschrieben:...Würde mich interessieren, ob überhaupt jemand sonst mitliest ...

Also zumindest ich - und das mit echtem Interesse.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon CIS » Fr 30. Mär 2012, 21:25

Schön! Immerhin! :-D
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon RM » Fr 30. Mär 2012, 21:51

CIS hat geschrieben:Ich führe diese Diskussion ja nicht zum ersten Mal.

... und ich beschäftige mich damit schon seit mehr als 10 Jahren.

CIS hat geschrieben:Dateien lassen sich dafür automatisch konvertieren. Meine Digitalfotosammlung (über 15 000 Dateien) von JPG in PNG umwandeln zu lassen, kostet mich 40 Sekunden und meinen Computer einige Stunden (Schätzwert). CDs halten nicht ewig, klar. Ich bin zuversichtlich, dass sich hier Lösungen finden, indem Dateien immer wieder automatisch auf neuere Speichermedien kopiert werden.


Ah ja, und wer baut die "neuen Speichermedien" ein? Wer schaut, dass die Computer immer laufen? Wer betreut die Klimaanlage für den Raum, in dem die Computer stehen? Und wer interessiert sich für den ganzen Krempel noch, wenn derjenige, der die Daten dort abgelegt hat, schon seit 5 Jahren nicht mehr an dieser Universität - oder wo auch immer - arbeitet?

CIS hat geschrieben:Natürlich kann eine Veröffentlichung auch mal 3 Monate warten, wenn die Zeit sinnvoll für einen Peer-Review-Prozess genutzt wird. Ich bin nur gegen Veröffentlichungsstrukturen, die eine Verzögerung aus außerwissenschaftlichen Gründen mit sich bringen. Das sehe ich nicht ein.

Welche "Veröffentlichungsstrukturen" wären das denn? Dass man warten muss, bis ein Band voll ist? Das ist bei einem ordentlichen Veröffentlichungsorgan nicht so tragisch.

CIS hat geschrieben:Können sie nicht in der Weise, wie mir das vorschwebt.
Nochmal:
- die Möglichkeit durch eine Baumstruktur den schnellen Zugriff auf Nebenaspekte zu ermöglichen
- zunächst nebensächliche Dinge ausblenden und bei Bedarf einblenden
- interne und externe Verweise per Mausklick (viel schneller als Blättern)
- optionales Hervorheben
- semantisches Taggen und damit Filterungsmöglichkeiten (Beispiel: Für meine Dissertation interessieren mich nur Quellen zwischen 500 und 1200. Ich könnte Monate meines Lebens sparen, wenn alle Texte, die ich lese, eine Filterungsmöglichkeit nach Jahrhunderten hätten und ich alles vor 500 und nach 1200 nicht durch Überfliegen selbst geistig aussortieren müsste, sondern einmal per Mausklick ausblenden könnte.)

Letztlich geht es um eines: Dem Leser sofort genau das geben, wo nach er oder sie sucht. Möglichst in 20 Sekunden. Das können statische Texte nicht.


Du erwartest also, dass andere unentgeltlich für Dich arbeiten, bis Dir das Ergebnis gefällt? Denn irgendwer da draußen muss ja die ganzen Texte taggen. Das ist eine nette Übung bei 20-30 Texten, aber bei allen? Dann hättest Du noch das Problem, dass eine Menge Texte aus dieser Zeit gar nicht transskribiert sind. Wer soll das tun? Leider läßt sich das nicht so einfach automatisieren. Ich fürchte, da mußt Du selbst Hand anlegen.

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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon CIS » Fr 30. Mär 2012, 22:20

RM hat geschrieben:Ah ja, und wer baut die "neuen Speichermedien" ein? Wer schaut, dass die Computer immer laufen? Wer betreut die Klimaanlage für den Raum, in dem die Computer stehen? Und wer interessiert sich für den ganzen Krempel noch, wenn derjenige, der die Daten dort abgelegt hat, schon seit 5 Jahren nicht mehr an dieser Universität - oder wo auch immer - arbeitet?


Derselbe, der heute jeden Morgen die Bibliothek aufschließt, die Signaturen auf Neuerwerbungen klebt, die Bücher abstaubt, die Bibliothek heizt, beleuchtet und beaufsichtigt.
Kosten auf der einen Seite werden gespart (niemand braucht mehr eine Bibliothek im klassischen Sinne mit gedruckten Bänden. Die werden digitalisiert und kommen in den Keller), dafür entstehen Kosten auf der anderen Seite (Server und deren Wartung). Wie gesagt: Ich kenne keine seriöse Studie, die die Kosten verrechnet, aber nach meiner groben Schätzung braucht ein Server weniger Geld als eine Bibliothek.
Und die Frage, ob der Verfasser noch an der Uni arbeitet oder nicht, ist ein Scheinproblem. Alte, zerfledderte Bücher restauriert ein Bibliothekar, der etwas auf sich hält, egal, ob der Verfasser noch lebt oder nicht.

RM hat geschrieben:Welche "Veröffentlichungsstrukturen" wären das denn? Dass man warten muss, bis ein Band voll ist? Das ist bei einem ordentlichen Veröffentlichungsorgan nicht so tragisch.


Tragisch nicht, aber völlig unnötig. Die Verzögerung ist einfach etwas Unnützes, Unsinniges, was ich nicht hinnehmen will. Wieso sollte ich?

RM hat geschrieben:Du erwartest also, dass andere unentgeltlich für Dich arbeiten, bis Dir das Ergebnis gefällt? Denn irgendwer da draußen muss ja die ganzen Texte taggen. Das ist eine nette Übung bei 20-30 Texten, aber bei allen? Dann hättest Du noch das Problem, dass eine Menge Texte aus dieser Zeit gar nicht transskribiert sind. Wer soll das tun? Leider läßt sich das nicht so einfach automatisieren. Ich fürchte, da mußt Du selbst Hand anlegen.


Ich glaube, du hast den Punkt missverstanden. Es arbeiten ja schon andere unentgeltlich für mich. Nämlich, indem sie wissenschaftliche Texte produzieren, auf denen ich aufbauen kann, die ich zitiere, deren Ergebnisse ich verwerte. Nur könnte nicht nur ich, sondern auch alle anderen das unendlich viel besser, wenn die Texte, mit meine verehrten Kolleginnen und Kollegen produzieren, nicht gedruckt vorlägen, sondern vernünftig. Getagged und interaktiv. Das würde das Produzieren verkomplizieren und das Nutzen vereinfachen. Genauso soll es sein.
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Re: Suche Onlinepublikationsorgan

Beitragvon RM » Fr 30. Mär 2012, 23:39

CIS hat geschrieben:Derselbe, der heute jeden Morgen die Bibliothek aufschließt, die Signaturen auf Neuerwerbungen klebt, die Bücher abstaubt, die Bibliothek heizt, beleuchtet und beaufsichtigt.

Also, ich rede da von einem richtigen Datencenter, nicht von ein paar PCs. Dafür braucht man Systemadministratoren, Serviceverträge für die Server, teure Klimaanlagen, viel Strom etc. Spätestens alle 10 Jahre kann man die Hardware komplett austauschen, ein Server kostet ab ca. 10000 Euro aufwärts - man benötigt aber mehrere, um ein redundantes System aufzubauen, dazu kommt ein ordentliches Storagesystem für ca. 30000 Euro, der 24x7 Servicevertrag für mindestens 10000 Euro im Jahr. Und das Beschriebene wäre die Minimallösung. Von den durchaus horrenden Lizenzgebühren für die Online-Datenbanken haben wir da noch gar nicht gesprochen.

CIS hat geschrieben:Und die Frage, ob der Verfasser noch an der Uni arbeitet oder nicht, ist ein Scheinproblem. Alte, zerfledderte Bücher restauriert ein Bibliothekar, der etwas auf sich hält, egal, ob der Verfasser noch lebt oder nicht.

Ich habe nicht von alten zerfledderten Büchern gesprochen, sondern von alten herrenlosen Dateien, von denen keiner mehr weiß, wozu sie mal gut waren.

CIS hat geschrieben:Tragisch nicht, aber völlig unnötig. Die Verzögerung ist einfach etwas Unnützes, Unsinniges, was ich nicht hinnehmen will. Wieso sollte ich?

Du merkst ja gar nichts davon, dass der Ersteller des Artikels diesen schon vor 2 Monaten fertig hatte, also kannst Du Dich darüber auch nicht aufregen.

CIS hat geschrieben:Das würde das Produzieren verkomplizieren und das Nutzen vereinfachen. Genauso soll es sein.

Die Autoren haben aber vielleicht gar keine Lust, mehr Zeit für die Produktion von Dingen aufzuwenden, die die anderen dann umso leichter nutzen können.

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