Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon romane » Fr 20. Apr 2012, 20:17

sollten wir nicht um Forum zum Studium weiterdiskutieren?
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon consus » Sa 21. Apr 2012, 09:04

Agedum, amice! :thumbup:
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 21. Apr 2012, 09:19

Da könnte man einiges diskutieren, fast egal in welchem Forum. Ich finde es traurig, dass katarina so Schwierigkeiten hat. Aber es liegt auch in der Struktur: Bereits die heutigen Schüler (so auch mein ältester Sohn) haben kein Deutsch-Latein mehr. Und dann sollen sie es plötzlich in der Uni können. Wir hatten es wenigstens noch in den zwei ersten Lateinjahren.....und das war sicher nicht schlecht.
Aber man kann es sich wieder aneigenen. :-D
Übrigens eine gute Übung, katarina, ist auch sich täglich immer wieder Sachen und Ausdrücke vorzustellen....: wie würde ich das im Lateinischen ausdrücken?
Zuletzt geändert von Medicus domesticus am Sa 21. Apr 2012, 09:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon agricola » Sa 21. Apr 2012, 09:25

Hallo,

Consus hat schon das Wesentliche gesagt. Mir hat folgendes geholfen:

So oft es geht, in die Übungen gehen (ich weiß nicht, ob Du es tust; dies ist kein Vorwurf). Die Dozenten, die die Stilübungen machen, geben normalerweise viele gute Ratschläge. Die habe ich alle gelernt.

Bewusstes Latein - Deutsch - Latein lesen jeden Tag, ungefähr so (Als Beispiel habe ich eine beliebige Cicero-Rede (hier Murena) rausgesucht):
Quae precatus a dis immortalibus sum, iudices, more institutoque maiorum illo die quo auspicato comitiis centuriatis L. Murenam consulem renuntiavi, ut ea res mihi fidei magistratuique meo, populo plebique Romanae bene atque feliciter eveniret, eadem precor ab isdem dis immortalibus ob eiusdem hominis consulatum una cum salute obtinendum, et ut vestrae mentes atque sententiae cum populi Romani voluntatibus suffragiisque consentiant, eaque res vobis populoque Romano pacem, tranquillitatem, otium concordiamque adferat.

Jetzt übersetzt Du nach Vorstellung, was in den Stilübungen gefragt werden könnte, das geht ungefähr so:

1 (Latein): more institutoque maiorum
2 (Deutsch): nach Sitte und Einrichtung der Vorfahren "hm, der Stilübungsleiter wird bestimmt noch etwas besseres finden, z.B. nach Sitte und Grundsatz unserer Vorfahren"
3 (Latein): more institutoque maiorum

1 illo die quo
2 "am Tag, an dem"
3 illo die quo

1 L. Murenam consulem renuntiavi
2 ich habe L. Murena als Konsul öffentlich bekannt gemacht
3 L. Murenam consulem renuntiavi

usw.

Falls dann im Dt.-Lat. Text kommt: Nachdem das Konsulat Ciceros an dem Tag verkündet wurde, an dem...
kannst Du das schon übersetzen:
Cum Cicero consul renuntiatus esset illo die, quo...

Das ist jetzt nur so ein Tipp, vielleicht hilft er Dir ja.
Viel Erfolg
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 21. Apr 2012, 10:16

Um da die "Verstaubtheit" rauszunehmen....aktiv Latein benutzen, so wie das RM macht, ist das Α und Ω. Ob die Universitäten das wieder lernen, bleibt fraglich. Es gibt aber schon schöne Schulprojekte.. ;-)
Bezeichnend ist auch, wie wenig Latinisten eigentlich bei aenigmata teilnehmen...
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon consus » Sa 21. Apr 2012, 10:20

Medicus domesticus hat geschrieben:.... Ob die Universitäten das wieder lernen, bleibt fraglich...
Die Klassische Philologie setzt nun einmal andere Schwerpunkte.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 21. Apr 2012, 10:23

Leider. Deine Antwort war dazu bezeichnend. Aus der Uni gehen aber auch Lehrer hervor.... :(
...und nur Engagierte schaffen es bei den Schülern anzukommen.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon ille ego qui » Sa 21. Apr 2012, 13:33

@RM, Medicus:
was das lebendige latein angeht, kann man sich den mund fusselig reden :-o
keiner (der studenten) traut sich, jeder hält es für sinnlos; geeignet allenfalls für die, die ohnehin schon perfekt latein können. dabei ist es (verbunden mit dem textstudium, versteht sich) nachweislich die bei weitem effektivste methode im lateinischen wirklich voran zu kommen ;)
sed mittamus haec, sodales dilectissimi. operam oleumque perdamus ;)
Zuletzt geändert von ille ego qui am Sa 21. Apr 2012, 15:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 21. Apr 2012, 14:32

ille ego qui hat geschrieben:keiner (der studenten) traut sich, jeder hält es für sinnlos; geeignet allenfalls für die, die ohnehin schon perfekt latein können.

Traurig, aber war. Und die werden dann auf die Schüler losgelassen.. :wink:
Man sieht immer wieder, wie weit weg die Lateinische Philologie oft agiert, obwohl sie so viele Möglichkeiten und heutige Akzeptanz hätte. Ob die "verstaubten" Talaren das erkennen....mal sehen. :hammer: ...in der Medizin ist das einfach moderner und da gibt es auch mal ganz klares "Kontra" .. :-D
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon consus » Sa 21. Apr 2012, 15:04

Durch diese Erörterung werde ich an Worte erinnert, die Andreas Thierfelder im Vorwort zur 11. Auflage des Menge (München 1953, ebenso 13. Aufl., ebd. 1960, S. Vf.) schrieb. Da heißt es u. a.:
In der heutigen Zeit, da die Zahl der wissenschaftlich tätigen Völker beständig anwächst, sollten die klassischen Philologen, die als einzige (neben den Theologen) noch eine wirklich internationale Gelehrtensprache haben, sich sehr bedenken, diesen Schatz, zu dessen Hütern und Wahrern sie berufen sind, zerrinnen zu lassen.
Sechzig Jahre danach stellen wir fest, dass der Siegeszug des Englischen, auch auf dem Gebiet der Klassischen Philologie, weit fortgeschritten ist. Das ist nun einmal die Realität. Davon aber abgesehen ist - und da verdient Ille volle Zustimmung - die aktive Sprachbeherrschung in Wort und Schrift, wenn sie denn über das Radebrechen ernsthaft hinausstrebt, für den Erwerb der lateinischen Sprachkompetenz von immenser Bedeutung. Es gibt, auch im akademischen Unterricht, genügend Möglichkeiten, darauf immer wieder hinzuweisen.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon guenterus » Sa 21. Apr 2012, 18:55

consus hat geschrieben:Durch diese Erörterung werde ich an Worte erinnert, die Andreas Thierfelder im Vorwort zur 11. Auflage des Menge (München 1953, ebenso 13. Aufl., ebd. 1960, S. Vf.) schrieb. Da heißt es u. a.:
In der heutigen Zeit, da die Zahl der wissenschaftlich tätigen Völker beständig anwächst, sollten die klassischen Philologen, die als einzige (neben den Theologen) noch eine wirklich internationale Gelehrtensprache haben, sich sehr bedenken, diesen Schatz, zu dessen Hütern und Wahrern sie berufen sind, zerrinnen zu lassen.
Sechzig Jahre danach stellen wir fest, dass der Siegeszug des Englischen, auch auf dem Gebiet der Klassischen Philologie, weit fortgeschritten ist. Das ist nun einmal die Realität. Davon aber abgesehen ist - und da verdient Ille volle Zustimmung - die aktive Sprachbeherrschung in Wort und Schrift, wenn sie denn über das Radebrechen ernsthaft hinausstrebt, für den Erwerb der lateinischen Sprachkompetenz von immenser Bedeutung. Es gibt, auch im akademischen Unterricht, genügend Möglichkeiten, darauf immer wieder hinzuweisen.

Salvete sodales doctissimi!
Lieber Radebrechen, als garnicht Sprechen! :)
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 21. Apr 2012, 22:32

Gut erkannt, guentere.
Was sich da entlarvt hat: Das erzkonservative Lateindenken.....das hoffentlich auch allein altersbedingt der Vergangenheit angehören wird....ob bessere Leute nachfolgen..werden wir sehen: Und ich und andere werden das sehr kritisch sehen.. :-D
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon Laptop » So 22. Apr 2012, 00:34

Als Problem bei der Übersetzung von Deutsch nach Latein sehe ich den variierenden deutschen Ausdruck. Jeder hat seinen eigenen, und der in einem alten Stilübungsbuch ist nicht der der heutigen Zeit. Und der den du lernst, ist u. U. nicht gleich der in der Prüfung. Ich kann einen Schüler mit ihm wenig geläufigen dt. Wörtern bzw. Ausdruckweisen konfrontieren und er wird es garantiert nicht in Lateinische übersetzen können. Daher würde ich mal mit dem Dozenten darüber sprechen, ob man sich da synchronisieren kann.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon consus » So 22. Apr 2012, 10:02

guenterus hat geschrieben:...Lieber Radebrechen, als gar nicht Sprechen!...
Ich wählte bewusst die Formulierung "aktive Sprachbeherrschung in Wort und Schrift, wenn sie denn über das Radebrechen ernsthaft hinausstrebt". Radebrechen am Anfang: ja, aber nicht dabei stehen bleiben! Auch im Deutschen legen wir, zumindest in der alltäglichen gepflegten Konversation, Wert auf eine korrekte hochsprachliche Ausdrucksweise. Oder finden wir uns da z. B. etwa mit Formulierungen ab wie "Lassma Nollendorfplatz aussteigen!", "Musstu Schlüssel reinmachen!" (Kiezdeutsch) usw. usw.
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Re: Deutsch-Latein bestehen - langsam verzweifle ich...

Beitragvon consus » So 22. Apr 2012, 11:03

Medicus domesticus hat geschrieben:... Das erzkonservative Lateindenken.....das hoffentlich auch allein altersbedingt der Vergangenheit angehören wird....
Was heißt denn, spectatissme Medice, "erzkonservatives Lateindenken" genau? Dieser Begriff lässt mich nur an eine bestimmte, aber heute wohl kaum noch tätige Generation von Lateinlehrern denken ("Und da las er wiederum Caesars Bellum Gallicum"; "Hic haec hoc, der Lehrer mit dem Stock"). Der heutige Lateinunterricht in der Schule berücksichtigt aber, wenn er erfolgreich sein will, die Fortschritte, welche die lat. Fachdidaktik und -methodik mittlerweile gemacht hat. Nur ganz am Rande: Gibt es nicht auch so etwas wie "erzkonservatives Denken" in der Medizin? Da muss ich allerdings gestehen, dass ich, obwohl "mündiger Patient", getreu dem Grundsatz ne sutor supra crepidam eine gewisse Scheu habe, ein dezidiertes Urteil auszusprechen.
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