Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büchern?

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon consus » So 25. Aug 2013, 10:59

Equidem timeo, amici, ne hoc loco praeceptis obruamur decantatis. Nonne Prudentius nuper et Tiberis omnia fere dixerunt quae ad Latine discendum docendumque maximi sunt momenti?
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon marcus03 » So 25. Aug 2013, 11:02

Medicus domesticus hat geschrieben:In der Uni wird plötzlich Deutsch-Latein gelehrt, aber in der Schule nicht mehr. Das gibt es eigentlich in keiner Sprache. Das ist kontraproduktiv.


Dem kann ich nur voll zustimmen. Ein echtes Sprachbewusstsein kann so kaum entstehen.
Aber bedenke: Das Ganze ist auch eine Zeitfrage. In einer Welt des "Immer mehr in immer weniger Zeit" ein echtes Problem, denke ich. :sad:
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Medicus domesticus » So 25. Aug 2013, 11:44

consus hat geschrieben:Equidem timeo, amici, ne hoc loco praeceptis obruamur decantatis. Nonne Prudentius nuper et Tiberis omnia fere dixerunt quae ad Latine discendum docendumque maximi sunt momenti?

Dem kann ich nicht zustimmen, Conse. Ihr bestimmt nicht, was wirklich für Latein wichtig ist oder nicht. Die Praxis zeigt vieles viel eindeutiger auf. Latein ist kein Elfenbeinturm. Ich bin auch ein Liebhaber des klassischen Lateins, aber eben nicht nur, da Latein mehr ist als nur die Beschränkung auf diesen Ausschnitt.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Longipes » So 25. Aug 2013, 12:18

Um noch einmal den Kreis zu schließen und auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Wer ein gewisses Talent für die lateinische Sprache mitbringt und von Anfang an kontinuierlich und zielgerichtet lernt, kann auch bei schlechter Ausgangslage erfolgreich ein Lateinstudium absolvieren, wobei ihm die oben genannten Bücher sehr hilfreich sind. Ich kenne mehrere Latinisten, die ihr Latinum erst an der Universität gemacht haben. Den Lateinunterricht tatsächlich als Propädeutikum für die Uni zu betrachten, ist - zumindest bei uns - utopisch.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Medicus domesticus » So 25. Aug 2013, 12:49

Longipes hat geschrieben:Den Lateinunterricht tatsächlich als Propädeutikum für die Uni zu betrachten, ist - zumindest bei uns - utopisch.

Traurig, gell :(
Aber es stimmt wirklich. Wir hatten bei uns im Gymnasium auch immer wieder Schüler aus NRW u.a. mit extremen Schwierigkeiten in Latein in Bayern Fuß zu fassen. Die Unterschiede sind gewaltig.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Zythophilus » So 25. Aug 2013, 13:27

Ich denke nicht, dass Consus oder Tiberis vorschreiben oder gar bestimmen, was für Latein wichtig ist. Gewisse Fertigkeiten sind unabdingbar. Was bei einem Studium konkret verlangt wird, bestimmen die jeweiligen Professoren anhand des konkreten Studienplanes.
Für Übersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische wird, soweit ich es beurteilen kann, die klassische Latinität eine Cicero und Caesar herangezogen. Man kann die beiden ablehnen oder lieben, doch ich denke nicht, dass ein Weg an ihnen vorbeiführt.
Der Schulunterricht ist nur bedingt als Vorbereitung auf ein Lateinstudium anzusehen. Die relativ knappe Stundenzahl lässt eine sehr intensive Auseinandersetzung nicht zu. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Elementarunterricht: Das Unterrichtswerk "Medias In Res" lässt das Supinum - ich sehe direkt Marcus03s Tränen vor mir - weg, es wird nicht einmal erwähnt. Es ist offensichtlich vorgesehen, dass relativ seltene und schwierige Grammatikphänomene in den Lektürebüchern generell erklärt, d.h. mehr oder weniger übersetzt werden und, wo das nicht der Fall, ist der Lehrer das übernimmt.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Medicus domesticus » So 25. Aug 2013, 13:30

Zythophilus hat geschrieben:Der Schulunterricht ist nur bedingt als Vorbereitung auf ein Lateinstudium anzusehen. Die relativ knappe Stundenzahl lässt eine sehr intensive Auseinandersetzung nicht. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Elementarunterricht: Das Unterrichtswerk "Medias In Res" lässt das Supinum - ich sehe direkt Marcus03s Tränen vor mir - weg, es wird nicht einmal erwähnt. Es ist offensichtlich vorgesehen, dass relativ seltene und schwierige Grammatikphänomene in den Lektürebüchern generell erklärt werden und, wo das nicht der Fall, ist der Lehrer das übernimmt.

Das ist aber in Bayern nicht so, Zythophile. Auch das Supinum wird besprochen. Knappe Stundenzahl ist auch nicht der Fall. Mein ältester Sohn hat neusprachlichen Zweig mit 4 Stunden Latein pro Woche, zusätzlich Spanisch und Englisch. Eine knappe Zeit für Latein lasse ich nicht mehr gelten, um entsprechende Inhalte zu vermitteln (zumindest in Bayern). Grundlagen gehören gefälligst in der Schule vermittelt. Deutsch-Latein ist eine ganz andere Frage: Wenn man das in der Uni voraussetzt (wir hatten es auch in den ersten 2 Lateinjahren) dann muß man es auch in der Schule vermitteln. Die Zeit für eine Sprache ist in der Schule über Jahre genügend da, es ist eine Vermittlungsfrage.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Zythophilus » So 25. Aug 2013, 13:59

In Österreich sieht es bei sechsjährigem Lateinunterricht meist so aus, dass im ersten Lernjahr vier Stunden zur Verfügung stehen, dann jeweils drei. Es kann etwas anders aussehen, theoretisch natürlich auch mehr, praktisch eher weniger.
Die vierjährige Variante ("Kurzlatein") hat pro Lernjahr drei Stunden zur Verfügung. Der Lehrplan sieht vor, dass die Autorenlektüre im zweiten Semester des zweiten Lernjahres beginnt, doch das bleibt fast immer Illusion.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon marcus03 » So 25. Aug 2013, 14:39

Zythophilus hat geschrieben:ich sehe direkt Marcus03s Tränen vor mir


Lacrimando cunctae aquae copiae corporis consumptae sunt. :( :( :(
Tamen autem tibi persuasum sit pugnas pro supino pugnandas numquam finitum iri, quod quidem facile factu non fuerit. A deis quasi missus esse videor servatum ac divulgatum supinum, cuius aurea aetas me patrono, amatore defensoreque ferventissimo florere iam coepit. 8)
Legem ferre in animo habere, qua qui Latine loquentes vel scribentes supinum fugiunt poenas non parvas
dare debebunt. Supinum contemnere est linguam Latinam magnis divitiis privare. Quae supino sublato
pauperior reddatur. :)

PS:
Esse dicuntur, qui supini causa amentes facti sint. In quorum numero me habitum iri non spero, quod quidem difficile plene exclusu fuerit. :lol:
Ceterum censeo supinum distichis quam amplissimis iamdudum dignum esse, quae a te munus egregium susceptum iri
expectem animoque ardentissimo cupiam. Medios ergo in hexametros ! :klatsch:
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon GurkenPaule » So 25. Aug 2013, 16:16

Zythophilus hat geschrieben:In Österreich sieht es bei sechsjährigem Lateinunterricht meist so aus, dass im ersten Lernjahr vier Stunden zur Verfügung stehen, dann jeweils drei. Es kann etwas anders aussehen, theoretisch natürlich auch mehr, praktisch eher weniger.
Die vierjährige Variante ("Kurzlatein") hat pro Lernjahr drei Stunden zur Verfügung. Der Lehrplan sieht vor, dass die Autorenlektüre im zweiten Semester des zweiten Lernjahres beginnt, doch das bleibt fast immer Illusion.


Ich frage mich auch, wie man in so kurzer Zeit Latein verständlich vermitteln kann.
Besonders mit dem Buch Medias in res, da in diesem, besonders in den Anfangslektionen, gar nichts passiert. Und eine Originallektüre zu übersetzen, bedeutet, dass man mit der Sprache weitestgehend vertraut sein soll. Was wird aber großteils gelehrt? Verdeutschte Lateintexte. Vermehrtes Deutsch-Latein übersetzen in der Schule würde einem wachsendem Sprachverständnis enorm zugute kommen.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Medicus domesticus » So 25. Aug 2013, 16:36

Medias in Res ist sehr bescheiden als Lehrbuch. Da stimme ich dir zu. Meine Kinder haben Campus (CCBuchner) in 3 Bänden. Das ist ganz o.k. Wir hatten Cursus Latinus I-III *, wobei in III bereits viele Texte an Originalliteratur angelehnt oder 1:1 waren.
*
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Zythophilus » Mo 26. Aug 2013, 16:53

Ich halte "Medias In Res" nicht für prinzipiell schlecht, da es recht ansprechend gestaltet ist. Was die Texte betrifft, so steht man auch hier vor dem Problem, mit dem begrenzten Wortschatz und der anfangs kaum vorhandenen Grammatik halbwegs sinnvolle Sätze zu konstruieren. Dieses Problem haben aber praktisch alle Elementarlehrbücher. Da die Muttersprache des Autors Deutsch ist, sind die Sätze bis zu einem gewissen Grad ins Lateinische übersetze deutsche Sätze, die ggf. noch mit Grammatik angereichert werden. Mit gezählten 33 Vokabeln, der Kenntnis von Nom. Sg. und Pl. der O- und A-Deklination sowie der 3.P. Sg. und Pl. der a- und e-Konj. schreibt man keine nobelpreisverdächtigen Texte für Kapitel 1. :-D
Unpraktisch wird das Buch m.E. erst später, weil die Vorbereitung auf Originallektüre vernachlässigt wird. "Medias In Res" bietet vielleicht drei Sätze, in denen das Prädikat nicht an der letzten Stelle steht, bei zweiteiligen Prädikaten findet man immer zuerst das PPP oder PPA und die Form von esse direkt danach. Das wirkt wie eine ungeschriebene Regel - der Schüler ist begreiflicherweise verwirrt, wenn er sich später auf einmal nicht mehr danach orientieren kann.
Ein Buch das Deutsch für Leute ohne Grundkenntnisse vermitteln soll, hat in den Anfangskapiteln wahrscheinlich, auch wenn die Sätze von einem Muttersprachler verfasst sind, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon ataraxia » Do 5. Sep 2013, 21:44

ataraxia hat geschrieben:Es gibt da ja diese Grund und Aufbauwortschätze von Klett.Ich habe hier eine Ausgabe von 1975.Ist es theoretisch möglich,sich für das Studium einen gewissen Wortschatz anzueignen,indem man dieses Büchlein auswendig lernt?


Hiermit möchte ich noch einmal auf eine dringende Frage aufmerksam machen :-D

Ist es nicht von Vorteil für das Studium der Latinistik,genanntes kleines Buch "auswendig" zu können?
Kennt jemand von euch diese alte Ausgabe?
Sie wird sich ja sicher nicht nennenswert von Neuauflagen unterscheiden,oder?!


Liebe Grüße- ataraxia
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 9. Sep 2013, 13:44

Das Buch vom Klett-Verlag ist sicher eine gute Ergänzung zur Aufbesserung des Grundwortschatzes. Ich würde an deiner Stelle mir mal den Lesekanon deiner Universität anschauen. Dann kannst du dich auch schon gezielter beschäftigen. Philologen kochen auch nur mit Wasser, gerade in Latein... ;-)
Auch nicht ganz uninteressant sind Wortkunden in Verbindung mit Originalliteratur. Vischer wurde schon genannt. Wir hatten schon in der Schule ab der 10.Klasse "Die Lateinische Wortkunde von Raab/Kessler". Die war schön im Querformat mit vielen Phrasen und Beispielsätzen.
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Re: Vorbereitung auf das Latinistik Studium-mit welchen Büch

Beitragvon consus » Mo 9. Sep 2013, 14:16

Medicus domesticus hat geschrieben:... Philologen kochen auch nur mit Wasser, gerade in Latein...
Allen Philologen sei zum Trost, wenn sie ihn denn nötig haben, gesagt, dass auch Mediziner "nur mit Wasser" kochen. :wink:
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