Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon RM » Di 15. Jul 2014, 19:15

Wer die Petition zum Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken unterstützen möchte, kann hier https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-fachs-latein-und-der-klassischen-philologie-an-der-universitaet-des-saarlandes klicken. Auch Prof. Stroh hat die Petition bereit unterzeichnet. Ich bin der Meinung, dass wir es nicht hinnehmen sollten, dass die Fächervielfalt an den Universitäten immer weiter beschnitten wird.

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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon zuzi » Mi 16. Jul 2014, 08:55

Wirklich nicht zu fassen so ein Fach einfach von der Liste zu streichen.
Ich habe gestern erst wieder gelesen, dass in Leipzig ganze Studiengänge gestrichen werden sollen. Ich kann das gar nicht glauben :hairy:
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon Medicus domesticus » Mi 16. Jul 2014, 20:33

Ja, schade. In meiner Region, in den bayerischen Bergen ;-), ist der Run auf Latein weiter ungebrochen im Gymnasium. Andererseits kann ich jetzt wenig zur Situation im Saarland sagen. Entscheidend ist auch, wie sich das Fach an der Uni präsentiert und weiterentwickelt, praktisch demonstriert, dass das Institut wichtig ist und auch entsprechende Qualität in der Lehre zeigt. Ich denke aber, dass viele Institute für Lateinische und insbesondere Griechische Philologie dazulernen müssen in unserer modernen Zeit, um eine gewisse Attraktivität und Wichtigkeit zu beweisen. Das wird m.E. nach meiner Beobachtung oft verschlafen. Wichtig wäre auch eine Art Voting, ähnlich wie in den USA: Studenten (auch diejenigen, die "nur" ihr Latinum brauchen) beurteilen die Lehre und die Lehrenden. Ich denke auch das jedes Fach an der Uni immer wieder sich fragen muß, ob man gut genug ist und sich selbst evaluiert (bei uns an der LMU München/Medizin war das schon Ende der 80er und 90er Usus). Dann kann man auch entsprechende Ergebnisse der Landesregierung präsentieren. Als ich Medizin studiert habe, war die Beobachtung der Lehre durch uns Studenten sehr hoch, dh. schlechte Bedingungen wurden relativ schnell mit Protest beantwortet, um Verbesserungen zu erzielen. Und wir konnten dadurch vieles erreichen. Aber ich weiß, dass Medizinstudenten grundsätzlich aufmüpfiger sind... :lol:
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon RM » Mi 16. Jul 2014, 23:49

Ich finde generell die Tendenz erschreckend: Da werden unter dem Vorwand, es koste Geld, alle möglichen "Orchideenfächer" auf's Abstellgleis geschoben. Natürlich kosten die Fächer ein bisschen Geld! Natürlich wird eine Menge wissenschaftlicher Erkenntnis auf Halde produziert! Das heißt aber nicht, dass alles, was dort geschieht, nutzlos ist. Kaum jemand hinterfragt, wozu wir Milliarden von Euro ins CERN hineinpumpen und ob die Entdeckung des Higgs-Bosons für unser Leben irgendeine Bedeutung hat oder der Wirtschaft spürbaren Nutzen bringt. Das, was für uns konkret dabei herausspringt, ist etwas Ähnliches wie die "Abfallprodukte der Weltraumforschung": Wir entwickeln unsere Methoden weiter und können sie auf neue Probleme anwenden. Ob wir das an babylonischen Schriften oder an Elementarteilchen tun, spielt eine untergeordnete Rolle. Was wir aber an den Universitäten weiterhin dringend brauchen, ist Vielfalt. Jede(r) muss an den bestehenden Universitäten das studieren können, was ihr/ihm am meisten liegt, und das nicht unbedingt allzu weit von zu Hause entfernt. Plinius stellte bereits die Frage "Ubi enim aut iucundius morarentur quam in patria aut pudicius continerentur quam sub oculis parentum aut minore sumptu quam domi?"

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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon Longipes » Do 17. Jul 2014, 10:53

Gut gesprochen. Unsere technikverliebte Zeit tendiert leider allzu oft dazu, allem, was nicht Naturwissenschaft ist, das Prädikat "Wissenschaft" abzuerkennen und einen "realen Nutzen" abzusprechen. Die Naturwissenschaften scheinen mittlerweile fast den Stellenwert einer Religion eingenommen zu haben. Fakt ist aber, dass die meisten Menschen - mich eingeschlossen - an ihre Richtigkeit und ihren praktischen Nutzen tatsächlich nur glauben können, weil sie ihnen nicht mehr verständlich ist. Den meisten Entscheidungsträgern offensichtlich auch nicht, und so kommen solche "Sparmaßnahmen" zustande.
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon romane » Do 17. Jul 2014, 11:19

Bei Bildung sparen bedeutet Geringschätzung der Bildung, Geringschätzung der Lehrenden, Geringschätzung der zu unterrichtenden Generation und das kumuliert letztlich in der Geringschätzung der "Sparer" selbst.

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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon Medicus domesticus » Do 17. Jul 2014, 12:45

Prinzipiell stimme ich dir zu RM. Vielfalt ist wichtig an der Uni. Ich habe ja an der LMU München diese Vielfalt gehabt. Nur müsste man mehr über die Situation im Saarland wissen. Wie siehts mit Latein an den Schulen aus? Wird weniger Latein gewählt? Wie ist die Qualität der Lehre im Institut...usw.
Erst dann kann man sich ein Bild machen, warum so ein Traditionsfach aufgelöst werden soll.
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon Tiberis » Fr 18. Jul 2014, 15:43

quantum studia Latina apud universitates Germanicas valeant, me parum scire confiteor. tamen ipsam universitatem Saravipontanam de Latinitate viva optime meritam esse haud ignoro. sed nostra aetate fit, ut ii, qui in re publica versantur, ipsa litterarum studia ad utilitatem oeconomicam referant nullasque nisi oeconomiae leges sequantur. ideo non est mirum, quod eruditionem ac humanitatem parvi aestimant, nisi forte quid lucri ex ea capiatur. accedit, ut ii, quibus cura humanitatis commissa est, eam ipsam, quam colere vel cui favere eos oporteat, saepissime neglegant vel prorsus contemnant. nonne fieri solet, ut in potestate indoctissimi cuiusque sit de iis rebus, quae ad humanitatem pertinent, constituere? librum isti legere debuerunt luculentissimum, quem Conradus Paulus Liessmann philosophus paucis abhinc annis de humanitate depravata scripsit (K. P. Liessmann, Theorie der Unbildung. Wien 2006).
Medicus domesticus hat geschrieben:Wichtig wäre auch eine Art Voting, ähnlich wie in den USA: Studenten (auch diejenigen, die "nur" ihr Latinum brauchen) beurteilen die Lehre und die Lehrenden.

o tristem doctrinae statum, cum in ipsa humanitate colenda atque curanda ad Americanos respiciamus! :(
caveamus, ne nimia studiosis concedamus, ne ex libertate licentia fiat! quidnam eiusmodi suffragia efficient, nisi ut acceptissimus quisque peritissimo anteponatur?
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon RM » Fr 18. Jul 2014, 18:49

Tiberis hat geschrieben:tamen ipsam universitatem Saravipontanam de Latinitate viva optime meritam esse haud ignoro.

Stimmt schon. Nur waren das nicht die Altphilologen. So weit ich mich erinnere (ich war vor vielen Jahren auch mehrmals dort), gehörte die "Arbeitsstelle für Neulatein" schon seit ihrer Gründung zum Fachbereich Soziologie ... :shock: natürlich argwöhnisch beäugt von den "echten" Altphilologen :wink: Möchte man gar nicht für möglich halten.

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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon Medicus domesticus » Fr 18. Jul 2014, 22:21

Tiberis hat geschrieben:o tristem doctrinae statum, cum in ipsa humanitate colenda atque curanda ad Americanos respiciamus! :(
caveamus, ne nimia studiosis concedamus, ne ex libertate licentia fiat! quidnam eiusmodi suffragia efficient, nisi ut acceptissimus quisque peritissimo anteponatur?

Das ist die typische Angst der Lehrenden, egal ob es Lehrer sind oder waren oder an der Universität, dass man in seiner Tätigkeit ja vielleicht beurteilt und kritisiert werden könnte. Jeder von uns, der an der Uni war, kennt doch das Szenario: Vielleicht begnadeter Wissenschaftler, aber grottenschlechter Lehrender. Aber die Studenten brauchen gute Lehrende, sie lernen doch erst das Fach. Man kann Amerikaner kritisieren, aber diese Beurteilungen sind Teil der Lehre und dienen der Verbesserung. Ich habe diese Evaluationen selbst an meiner Uni erlebt und abgegeben. Es ist ein Teil der Bewertung und dient nicht der Diskriminierung, sondern der Verbesserung. Ich habe da nur Konstruktives erlebt und es entstanden oft daraus Veränderungen. Hervorragende Wissenschaftler brauchen wir, aber auch eine dementsprechende Lehre. Ein herausragendes Beispiel war z.B. Richard Feynman, ein begnadeter Physiker und Nobelpreisträger und ein spitzenmäßiger Lehrender. Wir hatten auch immer wieder mal solche Highlights: Da stimmte dann einfach die Chemie zwischen Studenten, Prof. und auch dessen wissenschaftliche Reputation.
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon ille ego qui » Do 24. Jul 2014, 20:58

"die zeichnungsfrist ist beendet", lese ich nun dort ...
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Re: Erhalt des Lateinischen an der Universität Saarbrücken

Beitragvon Medicus domesticus » Fr 25. Jul 2014, 20:34

ille ego qui hat geschrieben:"die zeichnungsfrist ist beendet", lese ich nun dort ...

Ja. Und die 5000 benötigten Stimmen wurden anscheinend verfehlt...
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