Merkspruch Ablativ

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Zythophilus » Mo 1. Jan 2024, 12:04

SALVE
Gibt es eine Reaktion des M.D. auf deine besonnenen Worte?
Er hat das Recht, auf Fehler hinzuweisen, wenn ihm welche auffallen, aber eine allgemeine Verurteilung eines Mitglieds, ohne genaue Angabe der jeweiligen Fehler, ist unzulässig. Das geht nicht einmal bei Odinus Thorus, obwohl man i.d.R. seine verschrobene Argumentation bzw. den kommenden Blödsinn erahnen kann, wenn man sieht, dass er wieder einmal etwas ins Forum gestellt hat.
Seine Ablehnung von Lateinlehrern geht wohl auf persönliche Erlebnisse mit eigenen Lehrern oder denen seiner Kinder zurück. Latein war früher sicher ein Angstfach für viele, und Lehrer agierten teilweise wie kleine Götter. Dennoch rechtfertigen solche Erfahrungen die Angriffe auf jemanden, den er nicht persönlich kennt, nicht.
Seine Ablehnung von Hausärzten ist, wie du richtig sagst, angesichts seines Forumsnamens besonders originell. Diesen Beruf kannte die Antike natürlich nicht, aber wer würde bei Medicus domesticus nicht sofort an den Hausarzt denken? Der ist normalerweise als Praktiker geachtet, manchmal vielleicht sogar im Gegensatz zu den mehr akademischen Ärzten.
Wenn man von "professionellen Latinisten" im engeren Sinn spricht, dann gehört ein Gymnasiallehrer nicht dazu, aber TIberis darüber hinausgehende Tätigkeiten würden die Bezeichnung "Latinist" durchaus rechtfertigen. Ich bin vom Beruf ebenfalls Lehrer an einem Gymnasium: Machen mich die Gedichte hier bzw.die Bücher wie https://bildungsverlag-lemberger.at/ass ... _th200.png zum Latinisten? M.D. versteht durchaus etwas von Latein, aber wenn er das nicht als Beruf ausübt, bleibt er "Hobbylateiner".
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Veterinaria » Mo 1. Jan 2024, 14:20

Salve Zytophilus,

Zythophilus hat geschrieben:Gibt es eine Reaktion des M.D. auf deine besonnenen Worte?


Nein, bis jetzt nicht. Aber mit drei erwachsenen Kindern hat er während der Festtage sicher Besseres zu tun.

Zythophilus hat geschrieben: Latein war früher sicher ein Angstfach für viele,


Das kann ich mir fast nicht vorstellen: Ich hatte von 1966 bis 1973 Latein, vier bis sieben Wochenstunden - ist leider nicht viel hängengeblieben. Latein war nach Deutsch (für einen Deutschschweizer ist Hochdeutsch die erste Fremdsprache) die zweite Fremdsprache, dann kam Französisch dazu und in der dritten Gym mussten wir uns für eine weitere Fremdsprache entscheiden. Wir konnten zwischen Altgriechisch, Englisch, Italienisch und Spanisch wählen. Ich hätte gerne Altgriechisch genommen, weil ich wusste, dass ich das später nie mehr lernen würde, aber unser Lateinlehrer meinte, ich hätte mit Latein genug zu tun. Er hat nur 3 von 21 Schülern in den Griechischunterricht aufgenommen. Unser Lateinlehrer: Gepflegte, gut aussehende Erscheinung um die vierzig, Appenzeller - der auch die einschlägigen Appenzellerwitze zum Besten geben konnte. Angst brauchte man wirklich keine zu haben, selbst wenn man aufgerufen wurde, um die Hausaufgaben vorzutragen. Kam man nicht weiter, fragte er in die Klasse, ob jemand helfen könnte. Bei Ovids Liebesgedichten, bei denen wir oft in einer Stunde nur einige Zeilen schafften, hat er noch ein bisschen "Aufklärung" mitbetrieben. Er war dann auch auf der Maturreise in die Provence mit dabei, um, wie einige sagten, "römische Steinhaufen" zu studieren. Also Angst brauchte man da wirklich nicht zu haben - ausser man hätte Eltern mit akademischem Hintergrund gehabt, die von ihren Kindern bestimmte Noten erwarteten, was bei mir nicht der Fall war. Aber mit solchen Eltern konnte jedes Fach zum Angstfach werden. Ich glaube, er ahnte voraus, dass Latein an Bedeutung verlieren würde, was ja dann auch mit der Reorganisation des Gymnasiums passiert ist. Gottseidank hatte ich noch das alte Curriculum, das uns eine viel breitere Allgemeinbildung gewährte. Trotz der langen Gymnasialzeit habe ich das Staatsexamen als Tierärztin mit 24 Jahren abgelegt (der kürzest möglichen Zeit).
Ich denke, dass sowohl Du als auch Tiberis zu den Lateinlehrern gehören respektive gehörten, vor denen man keine Angst haben muss, respektive mussten. Es stört mich aber, dass Gymnasiallehrer, die ja Latein studiert haben, nicht zu den "professionellen Latinisten" gehören sollen: Wenn dazu nur Professoren an Universitäten zählen sollten, wären ja das weltweit wohl kaum mehr als zwei Dutzend - wobei ich davon ausgehe, dass die meisten von ihnen um das "Mare nostrum" herum angesiedelt sind.

Zythophilus hat geschrieben: wenn er das nicht als Beruf ausübt, bleibt er "Hobbylateiner"


Ein guter "Hobbylateiner" zu sein betrachte ich jetzt nicht als Schande, genau sowenig wie jemand ein guter Hobby- oder Freizeitreiter sein kann, im Gegensatz zum Berufsreiter.

Vale

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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Tiberis » Mo 1. Jan 2024, 14:38

Zythophilus hat geschrieben:Wenn man von "professionellen Latinisten" im engeren Sinn spricht, dann gehört ein Gymnasiallehrer nicht dazu

Warum denn nicht? Er hat ein Studium der Klassischen Philologie (mit Schwerpunkt Latein) erfolgreich abgeschlossen, ist somit Philologe bzw. Latinist , genauso wie ein Deutschlehrer mit Universitätsabschluss naturgemäß als Germanist bezeichnet wird, und er übt seine Ausbildung berufsmäßig , also professionell, aus. Wissenschaftliche Tätigkeit kann ja wohl nicht das Kriterium sein, denn sonst dürfte man weder einen praktischen Arzt als Mediziner, noch einen Rechtsanwalt als Juristen bezeichnen.
Und gerade du, lieber Zythophilus, hast diese - tatsächlich unangebrachte - Bescheidenheit am allerwenigsten nötig im Hinblick auf deine herausragende facultas pangendi, die wohl von den wenigsten wissenschaftlich tätigen Latinisten erreicht wird, wie ich zu behaupten wage.
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon mystica » Di 2. Jan 2024, 11:43

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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Sapientius » Di 2. Jan 2024, 11:54

Die Forumsteilnehmer sollten sich gegenseitig nur in Formn von Komplimenten einstufen! Ansonsten genügt es, gegebene Antworten zu analysieren.
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Medicus domesticus » Di 2. Jan 2024, 14:33

Ich habe gerade alle eure Statements gelesen und lasse sie so stehen, da jeder seine Meinung hat.
Das mit Hausarzt habe ich nicht negativ gemeint, weil ich über 14 Jahre Hausarzt und Notarzt war. Meinen Namen habe ich deshalb nicht geändert, weil er schon länger eingeführt war und ihn viele kannten. Nach vielen Bitten meiner Kollegen in der Akutklinik und auch aus Eigeninteresse bin ich dann wieder in eine Landesklinik und später Uniklinik gegangen.

Mit Tiberis möchte ich aber auch in nächster Zeit nichts zu tun haben, gerade als Moderator. Das hat seine Gründe.
Ich bin und war zuletzt eh nicht mehr viel online.
Trotzdem werde ich zu speziellen Sachfragen meine Meinung äußern.
Gutes neues Jahr!
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Sapientius » Di 2. Jan 2024, 16:56

Liebe Mystica,

du bist ja bestens über unsere abgelegten Examina informiert, hoffentlich erwähnst du nicht auch noch, im wievielten Anlauf wir gerade noch bestanden haben!
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon ille ego qui » Di 2. Jan 2024, 19:04

Etwa dieser "singende" Uniprofessor (ich weiss seinen Namen nicht mehr)?


Nichts gegen Stroh! :-o :D

Aber ansonsten Danke für den Beitrag und auch für die guten Neujahrswünsche, die ich gerne an euch zurück- und weitergebe. :)
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon mystica » Di 2. Jan 2024, 19:30

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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon mystica » Mi 3. Jan 2024, 09:35

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Zuletzt geändert von mystica am Do 29. Feb 2024, 11:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Zythophilus » Mo 8. Jan 2024, 22:03

Meine Bezeichnung des M.D. als "Hobbylateiners" ist eine genaue Beschreibung seiner Situation: Er betreibt Latein nicht im dem Sinn als "professionell", dass er seinen Lebensunterhalt mit der Beschäftigung mit dieser Sprache, sei es als Universitätsprofessor oder als Gymnasiallehrer, verdient. Das ist keineswegs abwertend gemeint, weil ich um sein Studium weiß. Hätte ich noch ein Fach studiert, ohne die dort erworbenen Kenntnisse beruflich zu verwerten, wäre ich ebenso "Hobby..."
Keiner muss hier näheren Kontakt zu anderen pflegen. Auch kein Umgang ist nicht so schlecht, wenn man eine andere Person ablehnt.
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon mystica » Di 9. Jan 2024, 10:10

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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Medicus domesticus » Di 9. Jan 2024, 21:17

Wie sollte man , Zytophile, z.B. meinen Vater bezeichnen?
Er hat Physik an der TU München studiert und ist dort Diplomphysiker geworden. Dann war er 8 Jahre in der physikalischen Forschung und hat seinen Dr. rer.nat. gemacht. Später war er außerhalb der direkten Physik tätig bis zur Pension.
Ist er deshalb ein Hobbyphysiker? :?:
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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon mystica » Mi 10. Jan 2024, 09:28

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Re: Merkspruch Ablativ

Beitragvon Sapientius » Mi 10. Jan 2024, 10:51

... werfen Fragen ... auf.


Diese ganze Diskussion wirft auch noch andere Fragen auf: wer Forumsteilnehmer niedrig einstufen will, sollte sich fragen, ob er nicht psychisch bedenklich handelt, "Narzsissmus", "I'm the greatest".

Außerdem sollte er sich fragen, ob er sich nicht in dem "Fehlschluss der Autorität" verfängt, fallacy of authority, argumentum ad verecundiam: Recht hat der, der das größere Ansehen hat (nicht der, der die besseren Argumente hat.
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