Was kann man mit Latein machen???

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Was kann man mit Latein machen???

Beitragvon Chrysostomus » Mi 29. Jan 2003, 00:58

Es ging ja darum, dass Scrooge "Klassische Philologie" studieren wollte - und da habe ich diesbezüglich auf die vernünftigste Perspektive hingewiesen. Natürlich kann man in den von RM aufgezählten Bereichen gut unterkommen.

NB: Man muss übrigens nicht Jurist sein, um in der Südsee Urlaub machen zu können ... Auch bei einem Lehrer reichts dafür noch allemal.
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Beitragvon RM » Mi 29. Jan 2003, 01:09

Wie viele Kinder hast Du? ;-) RM
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Beitragvon RM » Mi 29. Jan 2003, 01:23

Chrysostome, also Moment mal; die Hauptfrage war: "Was kann ich mit Latein machen?" mit dem Hinweis "Ich würd sehr gerne Latein, also "Klassische Philologie mit Schwerpunkt Latein" ... studieren" und der Zusatzbemerkung "wenn ich nicht unbedingt Lehrer werden will?". Also habe ich ihm sinngemäß geantwortet ;-) Aber er kann auch erst Latein studieren, dann Tauchlehrer in der Südsee werden, nebenbei an der Universität von Martinique ... Ha (!) Da haben wir sie: die richtige Kombination (!) ;-) ;-) ;-) RM

P.S.: L'Université des Antilles et de la Guyane
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Beitragvon scrooge » Mi 29. Jan 2003, 13:33

wie wäre es mit den Seychellen (kenne einen, der da ein Hotel betreibt), es soll mit den berühmten Korallen inzwischen aber recht flau aussehen.

:) Welches Hotel denn auf welcher Insel? Warst Du schon mal da?

Aber er kann auch erst Latein studieren, dann Tauchlehrer in der Südsee werden, nebenbei an der Universität von Martinique ... Ha Da haben wir sie: die richtige Kombination

Hm, mein Gefühl sagt mir, dass wir der Sache näher kommenBild
Mais ... äh ... mon francais n'est pas ... ... Will sagen: Vielleicht sollte ich dann im englischsprachigen Raum der Karibik studieren ;-)
- Editiert von scrooge am 29.01.2003, 12:34 -
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Beitragvon RM » Mi 29. Jan 2003, 13:44

- Seychellen: nee, noch nicht (reizt mich aber auch nicht so, ich bevorzuge Orte mit antiker Kultur ... z.B. Süditalien). Das Hotel kannst Du Dir hier anschauen.
- dafür ist man an der Uni noch in Europa - sozusagen - und kann mit Euro bezahlen.
:-) RM
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Beitragvon scrooge » Mi 29. Jan 2003, 17:30

Das mit den Seychellen solltest Du Dir noch überlegen - gerade wenn Du jemanden kennst, der da ein Hotel betreibt. Dann gehörst Du vielleicht zu den ganz wenigen, die für solch einen Urlaub nicht so viel wie für einen Kleinwagen bezahlen ;-)

dafür ist man an der Uni noch in Europa - sozusagen - und kann mit Euro bezahlen

Stimmt, die Franzosen haben sich wirklich schöne Ecken unter den Nagel gerissen. La Réunion im Indischen Ozean fällt mir spontan noch ein. Und Französisch-Polynesien, womit wir wieder bei der Südsee wären ;-)

Aber um mal zum eigentlichen Thema zurückzukommen:
Ist das nicht irgendwann deprimierend, wenn man sich für ein Fach (also Latein) sehr interessiert, es studiert, dann aber sein restliches Leben größtenteils mit Schülern verbringt, die es am liebsten sofort wieder abwählen würden? Latein führt ja nicht wirklich die Hitliste der Lieblingsfächer an...
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Beitragvon RM » Mi 29. Jan 2003, 18:15

...die es am liebsten sofort wieder abwählen würden?
Du könntest natürlich versuchen, das zu ändern. Aber ich glaube, das Problem ist tiefergehend: es ist nämlich einfach so, daß man bei vielen "Latein-Profis" den Eindruck hat, sie lebten ein bißchen im vorletzten Jahrhundert, seien altmodisch, verknöchert. Alleine die Tatsache, daß sich viele Lateiner beharrlich weigern, Latein als gesprochene Sprache zu akzeptieren (Latein wurde ja wenigstens bis ins 19. Jhdt. noch viel gesprochen), ist für den Schüler irgendwie deprimierend - das heißt nämlich de facto, daß Latein dann auch keine richtige Sprache ist. Mit dem Argument, da lerne man, über Sprache und Texte zu reflektieren und so ... ja, darüber haben wir in der Schule schon gelacht. Aber dieses Image des Verstaubten ist schwer zu überwinden.
:-) RM

P.S.: ich habe noch gar nicht geschaut, ob man auf Martinique auch Latein studieren kann ;-)
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Beitragvon Chrysostomus » Do 30. Jan 2003, 01:30

"Mit dem Argument, da lerne man, über Sprache und Texte zu reflektieren und so ... ja, darüber haben wir in der Schule schon gelacht."

So? - Ich nicht! Die Texte hatten wenigstens Niveau - im Gegensatz zu dem Unsinn, den man häufig in den Büchern der sog. modernen Fremsprachen vorgesetzt bekam. Im übrigen ist es heutzutage doch so, dass viele Schüler ein derart rudimentäres Sprach- und Lesevermögen haben (siehe Pisa), dass wir ein Fach wie Latein mit seinem analytisch-reflektierenden Ansatz brauchen, um genau diese Dinge zumindest einigermaßen trainieren zu können. Viele Schüler lernen über Latein erst einmal ihre eigene Muttersprache richtig (das war vor was weiß ich wie vielen Jahrzehnten, als du noch Schüler warst,RM, sicher noch anders). Außerdem würde gesprochenes Latein viel Zeit verbrauchen, damit die Schüler erst mal die einfachsten Dinge sagen könnten, und damit könnten sie dann noch lange nicht die komplexen Satzgefüge Ciceros oder anderer oder die schwierigen poetischen Texte übersetzen. Nee - bei den wenigen Stunden, die wir haben, sitzt das nicht drin. Außerdem, warum sollten sie Latein sprechen können? In welchem Land wird diese Sprache gesprochen? Nur weil zu zufällig der Latinitas-Viva-(Rand)-Bewegung angehörst, solltest du diese Forderung nicht zum Evangelium erheben. Wir bieten ja in der Schule auch kein Fach Briefmarkensammeln an, obwohl es x Hobbyphilatelisten gibt.

Nein - es geht um historische Kommunikation, um Zugänge zu den erhaltenen Textdokumenten in lateinischer Sprache, um Zugänge zu Grundlagentexten unserer europäischen Kultur und damit v.a. auch zu deren Inhalten (man darf sich historische Bildung und die Allgemeinbildung der heutigen Schülergeneration durchaus sehr bescheiden vorstellen), und das wird in der Tat von manchen Lateinern, übrigens v.a. auch in früheren Zeiten, stark vernachlässigt. Also Behandlung von Geschichte, Religion, Philosophie, Poesie u.a. müssen einen hohen Stellenwert bekommen. Die Schüler verstehen doch sonst gar nicht, was sie da lesen. Soll ich meine Zeit verplempern, um mit ihnen Dialoge a la "Lucius und Claudia gehen ins Kino" einüben, und deswegen - weil mir ja dann die Zeit fehlt - darauf verzichten, den Mythos von Daedalus und Ikarus (mit seinen Grundaussagen zur menschlichen Hybris) zu lesen und zu interpretieren (um nur mal ein Beispiel zu nennen).

NB: Es liegt übrigens nicht an den Lehrern, dass wir kein Deutsch-Latein machen, sondern an den Vorgaben unserer Richtlinien. Ich dürfte es also gar nicht (zumindest nicht als Kriterium für Leistungsbewertung), selbst wenn ich wollte. Die Richtlinien werden ja nun nicht von irgendwelchen Idioten gemacht...
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Beitragvon Lord Piergeiron » Do 30. Jan 2003, 02:22

Hi !

Also..mit dem Pisa-Ding wäre ich etwas vorsichtig... .
Wobei ich allerdings nicht unbedingt widersprechen will... .
Haach ist das schwierig:

Zitat Chryso:

Im übrigen ist es heutzutage doch so, dass viele Schüler ein derart rudimentäres Sprach- und Lesevermögen haben (siehe Pisa), dass wir ein Fach wie Latein mit seinem analytisch-reflektierenden Ansatz brauchen, um genau diese Dinge zumindest einigermaßen trainieren zu können.

Zitat Ende.

( Klar gibts ABSOLUTE Pflegefälle hier - war schon immer so - , aber wenn ich die schlechtesten mir bekannten Schüler anschaue - und daneben evtl. jemanden anderer Nationalität: Also UNSERE wissen wenigstens, wie man ein Brot isst ).

*gg* ÖSTERREICH AUSGENOMMEN !!! :-D

Als ich zum ersten Mal in der BILD las, dass Deutschland so schlecht abgeschnitten hätte, dachte ich als erstes ( und manchmal sind die ersten Gedanken die richtigen ) :

"Die meisten Studien, die im Ausland entwickelt werden und die Bewertung auf positive Dinge ausgerichteter Sachverhalte ( z.B. Bildung ) zum Ziel haben, haben als Ergebnis, dass Deutschland schlecht abschneidet. "

Aber - ach - ich leide meist an Verfolgungswahn. Sie beneiden uns bestimmt nicht.

Oder ?

Naja - und wenn irgendwelche Finnen oder Slawen mal n Satz
besser übersetzen können - was solls ?

Wir haben wenigstens Goebel, der die Glühlampe erfunden hat.
Nicht wahr, Herr Edison ?

:-D

Diesmal ein humoristischer Beitrag von:

OLLI
- Editiert von Lord Piergeiron am 30.01.2003, 01:25 -
Im Sinne von Ranganathan und Dewey: Prosit!
1 Thaler:
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-don' asses misero!- vivit adhuc adeo."
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Beitragvon RM » Do 30. Jan 2003, 02:46

@Chrysostomus:
Wenn man Deiner Argumentation folgt, müßte man Latein zum Pflichtfach für alle machen - ist es aber nicht! Auch nicht nach Pisa! Ich sehe auch keinerlei Tendenzen, die in diese Richtung führen.
Was also tun? Ein bißchen Werbung für dieses Fach muß schon sein, wenn man es an der Schule halten will. Werbung für die "Inhalte" halte ich bei Latein für ziemlich verfehlt: Inhalte (z.B. Daedalus und Ikarus, Geschichte, Religion, Philosophie, Poesie) kann man genauso gut (wahrsch. sogar besser) mit Hilfe von Übersetzungen der Originaltexte oder guten Nacherzählungen vermitteln.
Bleibt das sprachliche Argument. Das wird aber meist darauf reduziert, daß man über Latein das Deutsche und moderne Fremdsprachen einfacher lernen kann. Ist natürlich nicht ganz richtig. Beim Deutschen wird entgegnet, daß das ja wohl Aufgabe des Deutschunterrichts sei (ein Argument, das man nicht recht vom Tisch wischen kann) und Spanisch oder Italienisch kann man auch ohne Lateinkenntnisse lernen. Hinzu kommt, daß Latein eben nur eine "halbe" Sprache ist, weil sie nicht mehr gesprochen wird. Und das führt dazu, daß Latein neben den modernen Fremdsprachen oft eine schlechte Figur macht.
Richtlinien fallen ebenfalls nicht vom Himmel, dahinter stehen ja diejenigen, die sie machen und darüber nachdenken, wie sie auszusehen haben. Das sind zu einem großen Teil Lehrer. Und viele Lateinlehrer sind etwas altmodisch - ich habe eine Menge kennengelernt.
Natürlich würden die Schüler sich eine höhere sprachliche Sicherheit durchs Latein-Sprechen aneignen - einfach dadurch, daß sie selbst ein paar Formen bilden müssen, und, was wichtiger ist: es würde sie fordern (den Lehrer natürlich auch). Auch Klavierspielen lernen die wenigsten durch's bloße Hinschauen. Einschlägige Literatur gibt's auch zu dem Thema (z.B.: Andreas Fritsch, Lateinsprechen im Unterricht). Ich kenne auch Lehrer in NRW, die das praktizieren. Die eingesetzte Zeit ist sicher nicht vergeudet. Und was das Land betrifft, in dem Latein gesprochen (und geschrieben) wird: in praktisch allen Ländern Europas und Amerikas. Ist also kein richtiges Argument.
;-) RM

- Editiert von RM am 30.01.2003, 01:49 -
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Beitragvon scrooge » Fr 31. Jan 2003, 20:44

Hm, ich kann da ja nur aus der "Sicht eines Schülers" mitreden:
Ich glaube, ein entscheidender Fehler ist es, dass Latein häufig mit modernen Fremdsprachen verglichen wird. Dadurch kommt man als Schüler schnell auf Idee, für Latein genau so zu lernen wie z. B. für Englisch: Die Vokabeln guckt man sich vielleicht am Anfang noch brav an, aber auf diese komischen Abkürzungen dahinter wird's schon nicht ankommen. Und ob eine Präposition nun beim Akkusativ oder Ablativ steht, kann ja auch nicht so wichtig sein - da wird man schon irgendwie improvisieren können. Und wenn der Lehrer das Gegenteil behauptet, hat der ja eigentlich eh keine Ahnung, man lernt halt so, wie man das für richtig hält. - Ein paar Wochen mag das ja gut gehen, über kurz oder lang aber natürlich nicht. Und dann ist man frustriert, weil man in Latein nicht die gleichen Fortschritte gemacht hat wie in Englisch - obwohl der Lernaufwand doch für beide Fächer gleich war. Und ich glaube, dass es an der Stelle für viele Schüler motivierend wäre, ein bisschen Latein zu sprechen, wenn's auch erst mal bei solchen Standard-Sätzen bleibt: "Hallo. Wie geht's? Wo wohnst Du? Was machst Du? ... ..."
Meiner Meinung nach würde sich das zwischen "Telum volat. Fama errat. Rusticus laborat." (Gruß an alle Porta-Kenner ;-)) und der "Familia Romana" ganz gut machen und den Unterricht etwas auflockern.

Das Argument, Latein sei "alt und überholt", finde ich übrigens etwas einfallslos: Leute, die das behaupten, dürften dann auch nicht den Geschichts-LK wählen - da spielen aktuelle Themen ja eigentlich auch keine Rolle, mal abgesehen von dem einen Halbjahr "Deutschland nach 1945".

Schönes Wochenende Euch allen! :-)
Gruß
Scrooge
- Editiert von scrooge am 31.01.2003, 19:46 -
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Wozu brauche ich Latein? - Für mehr als man sich vorstellt

Beitragvon Gast » Mo 7. Apr 2003, 19:18

Also zu der Frage, wozu Latein gut ist oder warum man Latein braucht stellt sich wohl jeder irgendwann einmal. Und da ich noch nciht besonders gute Latein kann, darf ich eigentlich nicht allzuviel dazu sagen.

Aber worauf ich mal hinweisen wollte ist, dass man häufiger als das Klischee behauptet Latein im Leben braucht.

Leider hat mir niemand gesagt wofür man Latein braucht. Aber als ich mich für meine Studienfächer entschieden habe musste ich feststellen, dass es kaum noch ein Fach gibt bei dem nicht Lateinkenntnisse vorausgesetzt werden.
Ich "muss" nun in 2 Semestern das 'kleine' Latinum machen... heute bereue ich es, dass ich es nicht in der Schule gelernt habe... und vor allem, dass mir niemand gesagt habe, dass ich für meine Fächer Latein brauche (obwohl damals schon feststand was ich studieren werde...)

Und die Leute, die damals über den Lateinunterricht beschwert haben, sind heute so froh, weil der Unterricht in der Schule wohl besser als unser Crashkurs ist...

Das wars schon was ich dazu sagen wollte :D
Bis dahin
mackenzie
Gast
 

Beitragvon Merkur » So 27. Apr 2003, 15:40

Aber was kann ich jetzt wirklich machen mit abgeschlossenem Latein Studium??
Wirklich nur Lehrer?
Merkur
 

Beitragvon Felix » So 27. Apr 2003, 15:48

Man kann auch einen eigenen Fachverlag gründen :)
Lücken in der Grammatik, Probleme mit dem Übersetzen und den Hausaufgaben, schlechte Noten in Latein? Das muss nicht sein: http://www.lateinschueler.de
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Beitragvon Merkur » So 27. Apr 2003, 16:10

Dann ziehe ich doch den Lehrer vor :wink:
Merkur
 

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