Religionswissenschaft / Latein / Deutsch

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Religionswissenschaft / Latein / Deutsch

Beitragvon peregrinus2002 » So 25. Mai 2003, 20:09

Hallo,

ich habe mir überlegt diese Fächerkombination ab Oktober in Münster zu studieren. Religionswissenschaft als erstes Fach auf Magister, Latein und Deutsch als Nebenfächer.
Alle drei Fächer machen mir Spaß, jedoch nörgeln viele meiner Bekannten, dass man mit keinem von den dreien wirklich etwas anfangen könne.
Deswegen möchte ich aber auch nicht etwas studieren, was mir keinen Spaß macht und Lehrer möchte ich auch nicht werden. Was für mich noch in Frage käme, wären die Fächer Geschichte oder Philosophie (anstatt Deutsch!), doch ich denke, dass das am generellen Problem nichts ändert.

Meine Frage nun:

Ist ein solches Studium heute überhaupt empfehlenswert oder hat man mit einer derartigen Kombination später ohnehin keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Ich war natürlich bei der Studienberatung des Faches in Münster. Der gute Mann da sah das alles recht positiv; ich hätte jedoch gerne noch ein paar "unabhängige" Meinungen von Leuten, die sicherlich ähnliches studiert haben.

Gruss
peregrinus
peregrinus2002
 

Beitragvon Gast » So 25. Mai 2003, 21:51

Warum willst du nicht Lehrer werden? Interessanter Beruf, viel Ferien, attraktives Gehalt, sicherer Arbeitsplatz - was will man mehr? Mit der Kombination Religionslehre/Latein/Deutsch hat man wohl auch in einigen Jahren noch vergleichsweise gute Einstellungschancen. Außerdem hast du beim Ersten Staatsexamen den "qualifizierteren" Abschluss (Magister ist de facto kaum etwas wert, man erwartet bei Aussicht auf entsprechende Beschäftigungsmöglichkeit dann später anschließend i.d.R. die Promotion, dann bist du also gut 30, bevor du ans Geldverdienen kommst - wenn du überhaupt eine der wenigen Stellen ergattern kannst), kannst danach immer noch überlegen, ob du ins Referendariat gehst oder vielleicht an der Hochschule eine wiss. Mitarbeiterstelle mit Möglichkeit zur Promotion bekommst.
Gast
 

Re: Religionswissenschaft / Latein / Deutsch

Beitragvon chefren » Mo 26. Mai 2003, 01:50

peregrinus2002 hat geschrieben:
Ist ein solches Studium heute überhaupt empfehlenswert oder hat man mit einer derartigen Kombination später ohnehin keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt?


Ist überhaupt ein Studium zur Zeit empfehlenswert?
Bei mir und meiner Fächerkombi wars nicht anders. Viele haben davon abgeraten, andere wiederum haben gesagt es wäre eine gute Idee und eine gute Kombi.

Letztendlich muss es dir selbst Spass machen, und was hinterher die Zukunft bringt, kann keiner Sagen, da kann es selbst bei den besten Fächern und Kombinationen passieren das du hinterher auf der Strasse sitzt und evtl dann was ganz anderes machen wirst, als das was du eigentlich einmal vorhattest und studiert hast.
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Beitragvon Kira » Mo 26. Mai 2003, 03:34

danke chef, das ist genau das, was wir alle brauchen... :grins:
aber das war genau das was ich meinte. menno wir wollen doch nur, dass ihr auf den verwirrenden wegen der uni mal wegweiser und schilder aufstellt...
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Beitragvon chefren » Mo 26. Mai 2003, 03:39

wegweiser und schilder? wer braucht die schon? :D

nach einer woche hast du das im groben eigentlich raus, bei einer campus uni gehts was schneller oder so, und mit der zeit gewöhnt man sich ehe an alles, naja an fast alles :D
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Beitragvon Kira » Mo 26. Mai 2003, 05:13

och chef, du hast grad wieder nix gecheckt :-D
ich meinte nicht das unigelände, sondern meinte das im übertragenen sinne du eumelschaf :-DDDDD
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Beitragvon chefren » Di 27. Mai 2003, 00:58

ich checke auch jetzt nichts :? :D

aber macht ja nichts, wie immer sind wir ein wenig verplant meine liebe :D
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Beitragvon peregrinus2002 » Di 27. Mai 2003, 12:44

@ Chrysostomus

Lehrer möchte ich nicht werden, da man für diesen Beruf meiner Meinung nach gewisse Charaktereigenschaften mitbringen sollte, die ich nicht habe.
Lehrer sollten z. B. GEDULDIG sein, was ich sicherlich schon mal nicht bin. Wenn mich ein Schüler zum dritten Mal dasselbe Fragen würde, würde ich schlichtweg abdrehen.

@ Chefren

Man sollte sicherlich immer studieren, was ein Spaß macht, nur man sollte auch immer ein Auge auf das "Danach" werfen, da ich es mir wirklich bitter vorstelle nach sechs Jahren Studium ohne irgendeine vernünftige Perspektive dazustehen.
Aber ne Garantie gibts für nichts, da haste sicher recht!
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Beitragvon Kira » Di 27. Mai 2003, 22:36

och chef :-DDDDDD
aber was sols, ich glaube, dasn ragt wieder mal zu weit in diverse schwarze löcher :-D
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Beitragvon the_new_one » Mi 28. Mai 2003, 23:18

huhu,

also ich studiere Anglistik + Germanistik (Magister), eine für Außenstehende ziehmlich dähmlich Kombination...ABER: diese Fächer machen mir Spass UND ich habe meine Job so gut wie sicher (aber wer kann das schon 100%ig sagen), nähmlich im Übersetzungsbüro 8)
Also, nicht zuviel darüber grübeln, was andere Leute sagen und einfach das tun, was einem selber liegt UND Spaß macht !
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Beitragvon Chrysostomus » Do 29. Mai 2003, 22:48

Na ja - es gibt ja nun gar nicht "DEN" Lehrer. Jeder Lehrer hat seine eigenen Charaktereigenschaften, da gibt es die ruhigen Typen, die auch zum achten Mal geduldig erklären und ruhig bleiben ... und die Leute, die die Schüler auch schon mal anpfeifen wie der Trainer seine Fußballmannschaft. Schüler sind da schon sehr genügsam, sie akzeptieren die verschiedensten Lehrertypen, solange sie das Gefühl haben, dass sie von diesen gerecht behandelt werden und dem Lehrer auch wirklich etwas an seinen Schülern liegt (MERKE: Ein Lehrer unterrichtet immer Schüler, niemals ein bestimmtes Fach! - Fachidioten sind in der Schule fehl am Platz, also eine Eigenschaft muss man schon mitbringen: Man muss gerne mit Kindern und Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen arbeiten). Mit deiner Fächerkombination (Deutsch, Religion) könntest du übrigens auch Berufsschullehrer werden, da gibt es auch ganz gute Perspektiven.

Also das würde schon klappen, man reift ja auch im Laufe des Studiums und der Referendarzeit noch zu einer Persönlichkeit heran. Also noch einmal dringende Empfehlung: Staatsexamensstudiengang mit den Fächern Deutsch, Kath. Religionslehre, Latein. Wenn du dann nach dem 1. Staatsexamen nicht ins Referendariat willst, kannst du ja immer noch die Prom. dranhängen und dich an der Hochshcule umsehen; du hast dann aber in jedem Fall den qualifizierteren Abschluss und kannst auch später irgendwann ins Referendariat, wenn das andere mal nicht klappt.

Bitte nicht zu blauäugig sein - es ist falsch zu meinen, man müsse nur darauf achten, was einem Spass macht. Irgendwann ist man älter und weniger idealistisch, dann will man einen gutbezahlten Beruf haben, mit dem man eine Familie ernähren kann!
Chrysostomus
 

Beitragvon Joachim » Fr 30. Mai 2003, 11:51

Also ich habe kath. Theologie, Philosophie, Alte Geschichte und Klass. Archäologie studiert - keine Kombination, die jetzt nach einer Anstellung riecht. [Daß ich allerdings eine Stelle in einem Verlag für Klass. Archäologie habe, ist eher nebensächlich.]

Wichtig ist es vor allem, daß man seinen Neigungen folgt. Denn nur, wenn man seine Neigungen auch auslebt, so denke ich, wird man glücklich und damit erfolgreich (wie auch immer man selbst "Erfolg" definiert).

Aus vielerlei Kontakten weiß ich, daß es nicht auf die Fächerkombination selbst ankommt (wenn man "fachfremd" geht), sondern auch die Konsequenz und Stringenz des Vorhabens. Wenn man Orchideen-Fächer (wie Altorientalisik, Ägyptologie :D, oder Provinzialrömische Archäologie) studiert, nicht 20 Semester verbummelt und mehr Zeit mit Kellnern oder Taxifahren verbringt, stattdessen vielleicht eine wirklich interessante Geldarbeit zur Studienfinanzierung findet und so auch "über den Tellerrand" in die feindliche kapitalistische Welt blickt (mein Nebejob war i. d. Hs. PR-Arbeit und Eventmanagement), dann ist es egal, ob man seine Doktorarbeit über "Christentum und Mithraskult in der Legio XV" oder über "genetische Veränderungen bei Menschen kannibalischer Gesellschaften (Prionenverträglichkeit)" schreibt.

Mein Cousin ist direkt von seiner summa cum laude-Doktorarbeit in Chemie - nach einem rasanten Studium - sanft in die Arbeitslosigkeit gewechselt, obwohl er ein "volkswirtschaftlich relevantes" Fach studiert hat.

In einer Hinsicht kann ich Chrysostomus zustimmen: Man darf sich aber bei Beginn des Studiums nicht darauf versteifen - träumen darf man schon - genau in dem Fachbereich eine Anstellung zu finden. Denn - Gemeinplatz! - Prognosen sollte man nicht sehr vertrauen und das Schlagwort "Flexibilität muß sein" hängt drohend über allen. Als meine Mutter auf Lehramt studiert hat, riet ihr jeder davon ab. Lehrer würden nicht gebraucht, ob sie sie denn noch alle hätte. Als sie fertig war, konnte sie aus mehreren Stellen quasi wählen.

Ich habe nie bereut, meine Studien so gewählt zu haben, wie ich sie gewählt habe. Und es ist mir - wenig Geld, unsichere Zukunft - lieber, dann, als ich die Gelegenheit hatte, das was mich interessiert, zu studieren, als daß ich es auf meine Pensionszeit (also so ab 75) verschiebe. :)
Joachim
 

Beitragvon Clemens » Fr 30. Mai 2003, 15:19

...also so ab 75...

Du bist aber schon recht optimistisch, wenn man die derzeitige Lage bedenkt...;-)

Mich würde nur interessieren, ob du wirklich drei vollwertige Studien gemacht hast (Phil. und Alte Gesch. waren wohl kombiniert?) und wenn ja, wie lange du gebraucht hast. :)
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Beitragvon peregrinus2002 » Fr 30. Mai 2003, 19:07

Ich habe nochmal drüber nachgedacht und gezaudert. Aber ich möchte - bei allen Vorteilen - wirklich kein Lehrer (Berufsschullehrer schon gar nicht!) werden, sondern lieber in der "freien Wirtschaft" etwas machen und befürchte, dass, wenn man sich einmal fürs Lehramtstudium entscheidet, es dann auch darauf hinauslaufen wird, da bei der Vergabe wissenschaftlicher Stellen dann sicherlich die Magister-Leute bevorzugt werden.
Oder vertue ich mich jetzt und ein "Staatsexamenstudiengang" ist kein "Lehramtsstudiengang"?
Die Idee ist sicherlich sehr gut, aber dann muss ich mich doch fragen, wieso es überhaupt Magisterstudiengänge gibt, wenn man sich mit dem Ziel Staatsexamen mehrere Türen offenhalten kann.
Hat man als Lehramtsanwärter nicht auch "weniger" aus seinen Fachbereichen und dafür "mehr" Pädagogik??? Auch mit diesem Gedanken würde ich mich schwertun.
peregrinus2002
 

Beitragvon Chrysostomus » Fr 30. Mai 2003, 23:30

Hier muss ein Missverständnis beseitigt werden. Die Studieninhalte sind bei den Studiengängen in der Regel nahezu identisch, zumindest ist das bei Latein so. Ausnahme: Bei den Staatsexamenstudiengängen sind ZUSÄTZLICH fachdidaktische und schulpraktische Studien nachzuweisen.

Als Magister hat man ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Bei Staatsexamen zwei Lehramtsfächer und ein erziehungswissenschaftliches Begleitstudium (das aber von den meisten Leuten wirklich nur so nebenbei ohne großen Zeit- und Arbeitsaufwand betrieben wird). Wenn man drei Fächer auf Staatsexamen studiert, also noch die Zusatzprüfung in einem dritten Fach macht (viele Leute machen das mittlerweile - und auch du hast ja im Prinzip drei Fächer die auch für Lehramt möglich sind), dann hat man DEFINITIV mehr in seinem Studium gemacht als ein Magisterstudent mit seinem Haupt- und Nebenstudium.

Prinzipiell ist ein Magisterabschluss OHNE Promotion für eine wissenschaftliche Laufbahn nichts wert! Und in der "freien Wirtschaft" wird man, wenn man dort als Geisteswissenschaftler angesichts der Massen konkurrierender BWLer und Juristen überhaupt unterkommt in den meisten Fällen mit den studierten Fächern eher wenig oder gar nichts zu tun haben. Wenn du dagegen auf höheren Bibliotheksdienst, höheren Archivdienst o.ä. spekulierst, da läuft normalerweise ohne Promotion gar nichts. Promotion lässt sich aber auch sehr gut an Staatsexamen anschließen. Aber mit Magister kannst du nichts ins Referendariat, daher IST Staatsexamen (auch in der Öffentlichkeit) insbes. bei drei Fächern unbedingt der qualifiziertere Abschluss!

Bei der Vergabe "wissenschaftlicher Stellen" werden die Leute bevorzugt, die es geschafft haben, bei den Profs während ihres Studiums den besten Eindruck zu machen, also manchmal die begabtesten, aber i.d.R. doch die cleversten, die sich schon sehr früh im Dunstkreis eines Profs entsprechende Hilfskrafstellen gesichert haben. Das hat zunächst nichts mit dem Studiengang zu tun. Ich hätte meine Hilfskrafstelle am Münsteraner MGH-Projekt sicher nicht bekommen, wenn ich nicht auch durch meine Studienfächer (Latein, Griechisch, GEschichte auf Lehramt) entsprechende Voraussetzungen mitgebracht hätte. Nach dem Examen wäre es dann überhaupt kein Problem gewesen, in diesem Bereich irgendwie weiterzumachen, wenn man es denn gewollt hätte. Aber Vorsicht: Die wissenschaftlichen STellen an der Uni sind fast allesamt Zeitstellen; reicht i.d.R. um seine Promotion zu finanzieren, aber danach kann man sehr schnell ins tiefe Loch fallen - und dann versuche mal als promovierter Religionswissenschaftler oder Altphilologe mit Mitte Dreißig eine Festanstellung zu finden , die ihren Mann ernährt...

Nur im Lehramt hat man übrigens tagtäglich wirklich mit Latein, Religion und Deutsch zu tun, wenn man denn eben diese Fächer studiert hat. Man kann, wenn man Lust hat, sich als Lehrer in diesen Fächern auch weiterbilden und noch eine externe Promotion hinterherschieben, Zeit genug hat man als Lehrer wegen der vielen Ferien und sonstigen Freiräume dazu ja genug... Wer weiß, was ich heute machen würde (ich habe Klassische Philologie, Geschichte und Theologie studiert), wenn ich auf Magister studiert hätte?
Chrysostomus
 

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