Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Fragen zur Geschichte und Archäologie des griechisch-römischen Altertums

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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon Medicus domesticus » So 2. Mai 2021, 09:53

Ich erinnere heute an den Holunder. In meinem Garten stehen vier, schon alte Bäume (über 30 Jahre alt), die gerade ihre Blätter austreiben. Die Griechen nannten ihn ἀκτέα (contr. ἀκτῆ), die Römer sambucus. Der heutige wiss. Name ist Sambucus nigra. Dioskurides ¹ erwähnt ihn auch. Auch heute wird er noch verwendet. Prof Dr. Max Wichtl ² beschreibt ihn unter Sambuci flos und Sambuci fructus (Holunderblüten/-früchte). Es besteht ebenfalls eine Monographie der Kommission E für die Anwendung bei Erkältungskrankheiten (schweißtreibend, vermehrt die Bronchialsekretion).
Erwähnenswert unter den vielen Inhaltsstoffen ist das Sambunigrin ³, cyanogenes Glycosid (ein Blausäureglykosid als Pflanzengift). Rohe Früchte oder Blätter sind giftig. Durch Abspalten des Zuckeranteils wird der Blausäureanteil frei. Erhitzen hebt diese Giftwirkung auf.
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¹ ἀκτῆ · δισσή· ἡ μὲν γάρ τίς ἐστι δενδρώδης, κλάδους καλαμοειδεῖς ἔχουσα, στρογγύλους, ὑπολεύκους, εὐμήκεις· τὰ δὲ φύλλα τρία ἢ τέσσαρα ἐκ διαστημάτων περὶ τὴν ῥάβδον, καρύᾳ βασιλικῇ ὅμοια, βαρύοσμα δὲ καὶ μικρότερα, ἐπ' ἄκρων δὲ τῶν κλάδων σκιάδια περιφερῆ, ἔχοντα ἄνθη λευκά, καρπὸν δὲ ἐοικότα τερεβίνθῳ, ἐν τῷ μέλανι ὑποπόρφυρον, βοτρυώδη, πολύχυλον, οἰνώδη.
² Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 4. Auflage 2002.
³ National Center for Biotechnology Information (2021). PubChem Compound Summary for CID 91434, Sambunigrin. Retrieved May 2, 2021 from https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/Sambunigrin.
http://medizinalpflanzen.de/systematik/ergaenz/cyanglyk.htm

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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 26. Jun 2021, 20:29

Mir fällt gerade in Salzburg, auf der Fahrt in die Arbeit, auf, dass auf der großen Verkehrsinsel am Dr. Franz Rehrl Platz (gleich an der Unfallklinik Salzburg) wieder eine Renaissance des Fingerhuts entstanden ist. Digitalis pupurea, die Pflanze, die für Digitalis steht. Ich freue mich darüber beim Vorbeifahren.. :-D
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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon medicus » So 27. Jun 2021, 16:43

Salve collega! Diesen Fingerhut finde ich in einem Salzburger Bauerngarten, aber nicht bei der Klinik.
:suche: nicht.
https://www.pinterest.de/pin/78672324715581202/
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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon Medicus domesticus » So 27. Jun 2021, 19:22

Taxenbach ist zwar im Bundesland Salzburg, aber nicht in der Stadt. :) Dass Fingerhut so auf einer Verkehrsinsel gepflanzt wird, habe ich auch noch nicht gesehen. Die Insel wurde insgesamt mit allen anderen Sommerblumen wunderbar gestaltet.
Zuständig dafür ist die Stadtgärtnerei Salzburg mit ihren Angestellten:
https://www.stadt-salzburg.at/stadtgaerten/
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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon Medicus domesticus » Sa 3. Jul 2021, 08:26

Ein Geheimtipp für diejenigen, die mal Salzburg besuchen wollen und pflanzenliebend sind, ist der Botanische Garten der Uni Salzburg an der NAWI (Naturwissenschaftliche Fakultät). Dort gibt es auch einen Apothekergarten und einen Salzburger Bauerngarten. Ich bin heute wieder dort... :-D
https://www.plus.ac.at/biowissenschafte ... er-garten/
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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon Medicus domesticus » Fr 1. Okt 2021, 08:06

Dioskurides nennt die Haselnuss κάρυον Ποντικόν, die Römer Abellana nux oder Abellana (Abella, antike Stadt in Kampanien, heute Avella. Das Amphitheater existiert noch.). Cato und Plinius erwähnen auch den Haselstrauch; sie nennen ihn corylus. Bekannt sind die Anbaugebiete in Kampanien. Wir haben selbst einen im Garten, der in diesem Jahr gut Nüsse getragen hat. Diese werden getrocknet und reifen noch nach. Sie enthalten sehr viel Nährstoffe.
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Re: Geschichte der Medizin/Heilpflanzen der Antike

Beitragvon Medicus domesticus » So 14. Nov 2021, 11:06

Gerade nahe der Weihnachtszeit steigt einem der Duft der Gewürznelke wieder in die Nase.

Plinius der Ältere schreibt in 12.30:
Est etiamnum in India piperis granis simile quod vocatur caryophyllon, grandius fragiliusque; tradunt in Indica loto id gigni; advehitur odoris gratia.

Die Griechen nannten sie καρυόφυλλον. Ein Bekannter von mir destilliert das Nelkenöl selbst.

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