Wie kam die Athene zur Weisheit?

Fragen zur Geschichte und Archäologie des griechisch-römischen Altertums

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Wie kam die Athene zur Weisheit?

Beitragvon sinemetu » Mi 8. Okt 2014, 09:32

Hallo

Wie kommt die Eule zur Athene?

Liest man Wikipedia, überfallen mich gewisse Zweifel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Athene

1. "Γλαυκῶπις Ἀθηνᾶ Glaukōpis Athēnā – „die eulenäugige Athena“, „die „helläugige Athena“"
Γλαυκoς hieß bislang für mich nur eine Farbe, und Passow schreibt unter dem Lemma γλαυξ "die "Nachteule, noctua, von der Farbe ihrer Augen". Hat Passow dafür einen Nachweis? Auf das graubraune Gefieder des Vögelchens wird sich das Wort wohl kaum beziehen. Oder etwa auf die Nickhaut?

Nun sind allerdings die meisten Kauzaugen von der Farbe her gelb, wie man sich bei Googlebildersuche selbst überzeugen kann - wobei ich mir nicht sicher bin, inwieweit dies nur auf Blitzlichteffekte zurückgeht. Die Augen meiner Katze sind allerdings auch bei Tageslicht gelb, wie ich mich soeben überzeugt habe.

Bislang habe ich unbesehen die Athene immer für blauäugig gehalten, aber eventuell ist dies doch ein Residuat einer zu arisch geprägten Graecophilie des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts, immerhin mag es als These bestehen bleiben. Die Athene für eulenäugig zu halten, parallel zur rindsäugigen Hera, halte ich für unbegründet. Im Gegensatz zum großen Rindsauge, ist das gelbe Eulenauge tagsüber nicht schön. Erst mit Einbuch der Dämmerung, wenn die Pupillen des Käuzchens sich weiten, wird es zusehends schöner.

Ob die Weisheit als Attribut daher kommt, weil die Eule auch dann noch scharf sieht, wenn die anderen nichts mehr sehen, oder weil sie spät des Tages in der Dämmerung noch scharf sieht, wo die anderen schon schlafen und nichts mehr sehen, wage ich nicht zu entscheiden. Eventuell kommt die Weisheit erst mit dem Alter, welches hier der Dämmerung gleichgesetzt ist. Daß die Eule schweigt, wie das Alter, kann ja auch nicht gerade der Natur entnommen sein. Sie heißt im Deutschen immerhin Eule, was von Heule(suse) kommt. Heulen und Weisheit passt überhaupt nicht.

Ganz profan denke ich erst einmal, daß sich Käuzchen sofort im Tempel angesiedelt haben, weil der Menschenleer, und sie dort weitgehend ungestört brüten konnten oben im Gesims, und das der Vogel erst sekundär in den Dunstkreis der Göttin kam.

„Wenn die Philosophie ihr Grau in Grau malt, dann ist eine Gestalt des Lebens alt geworden, und mit Grau in Grau läßt sie sich nicht verjüngen, sondern nur erkennen; die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug.“"

Ich meine allerdings: Glaukos in Glaukos läßt sich auch nichts mehr erkennen.

Wie nun Athene in den Geruch der Weisheit gekommen ist - erschließt sich mir nach wie vor nicht .... die blauen Augen können's nicht gewesen sein .....
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Re: Wie kam die Athene zur Weisheit?

Beitragvon Prudentius » Do 9. Okt 2014, 09:47

Wie nun Athene in den Geruch der Weisheit gekommen ist - erschließt sich mir nach wie vor nicht ....


Das erschließt sich dir sofort, wenn du daran denkst, dass sie eine Kopfgeburt ist, aus dem Kopf des Zeus entsprungen.

Du hängst zu sehr an dem einen Epitheton glaukopis, aber sie hatte viele. Man weiß auch nicht, ob es von glaux oder glaukos kommt.
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Re: Wie kam die Athene zur Weisheit?

Beitragvon sinemetu » Do 9. Okt 2014, 14:07

Prudentius hat geschrieben:
Wie nun Athene in den Geruch der Weisheit gekommen ist - erschließt sich mir nach wie vor nicht ....


Das erschließt sich dir sofort, wenn du daran denkst, dass sie eine Kopfgeburt ist, aus dem Kopf des Zeus entsprungen.



Kopfgeburten zeichnen sich dadurch aus, daß sie gerade nicht weise sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kopfgeburt
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Re: Wie kam die Athene zur Weisheit?

Beitragvon iurisconsultus » Do 9. Okt 2014, 15:10

sinemetu hat geschrieben:Wie nun Athene in den Geruch der Weisheit gekommen ist - erschließt sich mir nach wie vor nicht .... die blauen Augen können's nicht gewesen sein .....
Vgl die Zeilen 885-890 von Hesiods Theogonie, im Folgenden in der Übersetzung von Schönberger, Hesiod Theogonie (1999):
Als Götterkönig machte Zeus Metis (Klugheit) zur ersten Gattin, die weiseste unter Göttern und sterblichen Menschen. Doch als diese die helläugige Göttin Athene gebären sollte, da täuschte er sie listig mit schmeichelnden Worten und barg Metis nach dem Rat Gaias und des sternreichen Himmels in seinem Leib. Dies nämlich rieten sie ihm, damit nicht ein anderer der ewigen Götter an seiner Stelle die Herrschergewalt übernehme. Denn Metis sollte, so war es bestimmt, sehr kluge Kinder gebären; zuerst eine Tochter, die helläugige Tritogeneia, dem Vater gleich an Mut und planendem Willen;
Die Eule galt (gilt) als Vogel der Weisheit und wurde so das Sinnbild Athens.
Qui statuit aliquid parte inaudita altera,
aequum licet statuerit, haud aequus fuit.
(Sen. Med. 199-200)
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