Frage zu Platons Schritt zur Idee

Diskussionen zu den antiken Philosophen, ihren Ideen und ihrer Rezeption

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Frage zu Platons Schritt zur Idee

Beitragvon Medus » Fr 27. Okt 2006, 14:19

Also, Sokrates hat gelehrt, dass der Begriff das einzige sei, was im Wandel der Erscheinungen feststeht und von allen Menschen in gleicher Weise gebildet werden kann. Der Begriff allein kann daher Allgemeingültigkeit besitzen und Gegenstand wahrer Erkenntnis sein. Vorraussetzung: Vernunft als allen Menschen gemeinsames Erkenntnisvermögen.
So, daraus folgerte Platon: Wenn der Begriff ein allgemeines Wissen ausdrückt, so muss eine diesem Begriff entsprechende Realität existieren -> Realität muss unveränderlich und unvergänglich sein. Diese Realität nannte er Ideenwelt, die Begriffe darin Ideen.
So, nun meine Frage: Was ist der Grund, wieso Sokrates und Platon auf den Begriff als als etwas Allgemeingültiges bzw. als etwas in einer anderen Welt Existierendes, kamen? Haben sie das aus der Tatsache geschlussfolgert, dass Babys nach kurzer Zeit schon die Sprache beherrschen und sie es daher nicht in so kurzer Zeit lernen könnten, sondern schon vorher wissen müssten? Und wenn sie es vorher wissen, dann müsste dieses Wissen nach Platon schon irgendwo existieren -> in der Ideenwelt.

Gruß
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Beitragvon Medus » Sa 28. Okt 2006, 12:05

Hm, will ja nicht nervtötend erscheinen, aber wäre nett, wenn jemand seine Meinung dazu äußern könnte - wäre nicht so dringend, wenn ich nicht bald ein Referat über u. a. ihn halten müsste. =)

Gruß
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Beitragvon Falco peregrinus » Sa 28. Okt 2006, 13:07

hm: also Platon geht ja davon aus, dass Erkenntnis nicht durch Sinnlichkeit erklärt werden kann. In der Sinnlichkeit ist unser Leib (Sinnesorgane) mit den Sinnesdingen (Erscheinungen) verbunden.
Von der Sinnlichkeit unterscheidet sich unser erkennender Geist, den Platon auch Seele nennt, sowie jenes wahre Sein, das unwandelbar den Erscheinungen zugrunde liegt.
Die Frage die sich nun stellt ist Folgende: Wie kann unser Geist das wahre Sein erkennen - oder wie ist wahre erkenntnis möglich?

Platon sagt: unserer Geist ist quasi in unserem Leib eingeschlossen und dadurch vomwahren Sein getrennt. Zwischen dem Geist und dem wahren Sein liegt die materielle Scheinwelt des Sinnlichen. Die Sinnlichkeit kann aber keien Brücke zwischen dem Geist und dem wahren Sein sein. Und trotzdem nehmen wir nicht nur sinnlich wahr - sondern erkennen auch. Platon hat das Problem gelöst indem er dem menschlichen Geist auf der einen und dem wahren Sein der Dinge, ein dirttes gegenüberstellt, was er die Ideen nennt. Sie sind die reinen Wesenheiten an sich - ewig/unveränderlich.

Erkenntnis beschreibt Platon nun anhand zweier Mythen:

Anamnesis-Mythos: Die Seele ist in ihrem Wesen nach den Ideen ähnlich und verwandt. Vor ihrem Eintritt in den Leib hat sie die Ideen geschaut. Das geistig Geschaute wurde aber beim Eintritt in den Leib durch die Sinnlichkeit verschüttet. Durch Reinigung von der SInnlichkeit ist Wiedererinnerung möglich. -> Wahre Erkennnits erfolgt durch Wiedererinnerung

Methexis-Mythos: Der Kosmos ist durch einen Weltblder entstanden. Er hat die Naturdinge aus dem Urstoff der Ideen nachgebildet. Als Abbilder der Ideen haben die Naturdinge somit Anteile an den Ideen. Sie stehen in einer Teilhabe an den Ideen.

Wahre Erkenntnis ist also dadurch möglich, dass die Selle und das wahre SEin der Dinge ini der Idee zusammengehören.
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Beitragvon Medus » Sa 28. Okt 2006, 15:21

Hey Falco,

ah, jetzt weiß ich, wo mein Denkfehler liegt - ich hab mich von dem Wort "Begriff", das in meiner Sekundärliteratur (ich muss sagen auf äußerst unglückliche Weise) verwendet wird, total durcheinanderbringen lassen! Jetzt ist alles klar! Danke!

Gruß
Meuds
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