Latein-Studium als Magister-Nebenfach?

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Beitragvon thb » Sa 19. Mai 2007, 08:37

Genau deshalb kann ich mich mit dem Bachelor nicht anfreunden, weil die Auswahlvielfalt so stark eingeschränkt wird.

Aber es gibt ja noch einige Unis, die zum WS 07/08 noch Magister-Studiengänge anbieten.

Habt ihr vielleicht Erfahrungen: Was sind sehr gute Unis für das klass. Phil. Studium? Am besten natürlich im Raum Bayern und Umland, weil in den Uni-Rankings "namhafter" Zeitschriften fehlt das Fach ja leider...


Ihr seid mir übrigens echt eine große Hilfe, zumal da ihr über viel mehr Praxiswissen verfügt als der Berufsberater!

Gruß,
Thomas
thb
 

Beitragvon Clemens » Sa 19. Mai 2007, 10:45

Keine direkte Erfahrung, aber ich an deiner Stelle würde auf jeden Fall an die LMU in München gehen.
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Beitragvon Eteokles76 » Sa 19. Mai 2007, 11:10

Also ich kann nur für unsere Uni sprechen, hier kann man z.B. schon recht viele Fächer im Bachelor kombinieren, z.B. Medienwissenschaften und dann irgendeine Sprache oder sogar Geschichte dazu. Der Abschluss heißt dann Zwei-Fach-Bachelor. Aber das wird sicher von Uni zu Uni anders gehandhabt, da muss man nun wirklich am Ball bleiben und sich informieren. Es werden ja fast monatlich neue Studiengänge aus dem Boden gestampft. Ansonsten kann ich auch nur sagen: Studier was Dir Spaß macht und wo Dein Herz dran hängt! Dann wirst Du auch gute Noten haben und mit ein wenig Einfallsreichtum (selbständig machen?) und evtl. Zusatzqualifikationen eine schöne Stelle finden. Ich hab mich auch erst auf Anraten meines Bekanntenkreises dazu hinreißen lassen sterbenslangeweilige BWL zu studieren, nach 1 Semester hab ich es aber nicht mehr ausgehalten und gewechselt- und jetzt bin froh drum. Vor meinem Studium hab ich schon eine kaufmännische Ausbildung gemacht und auch in den Semesterferien immer Praktika absolviert um zu schauen, wo ich gut reinpassen könnte. Die Semesterferien sind so lang, die kann man auch gut nutzen für Sprachkurse etc. Beispielsweise hab ich auch noch eine kompakte aber berufsqualifizierende Ausbildung in GB während der 13 Wochen absolviert. Mit einer exklusiven Fächerkombination hast Du eben auch nicht das Problem, später mit 3,4 Mio anderen BWLern in der Bewerberschlange zu stehen, sondern Dir eine eigene Nische zu eröffnen.
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Beitragvon nighean_neonach » Sa 19. Mai 2007, 12:08

thb hat geschrieben:Aber es gibt ja noch einige Unis, die zum WS 07/08 noch Magister-Studiengänge anbieten.


Dann wirst du aber relativ zügig studieren müssen... weil dann meistens Termin-Limits für die Zwischenprüfungen und Abschlussprüfungen gesetzt werden, ansonsten musst du mittendrin auf BA wechseln.
Nicht dass ich dir das ausreden will... vielleicht hast du ja Glück und findest noch einen richtig guten Magister-Studiengang. Aber ich denke halt, das sind alles so Dinge, die man im Auge behalten sollte.

Und du hast schon recht, im Detail bekommt man solche Informationen eigentlich nur von Leuten, die selber studieren und über die aktuellen Zustände an der Uni informiert sind. Da ich in NRW bin, kann ich dir da jetzt im Einzelnen auch wenig weiterhelfen... Ich rate Schülern immer, sich einfach mal mit Studenten an den jeweiligen Fachbereichen in Verbindung zu setzen. Es gibt an jeder Uni für jedes Fach eine sogenannte "Fachschaft" - das ist eine gewählte Gruppe von Studenten, die das Fach vertritt und z.B. auch Studienanfänger berät und all sowas. Die haben mittlerweile meist eine Kontakt-Mailadresse auf der Webseite des jeweiligen Fachs.
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Beitragvon thb » Sa 19. Mai 2007, 17:59

In München ist das zur Zeit die einzige Lösung, klassische Philologie zu studieren, auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich wohl über kurz oder lang in einen Bachelor wechseln muss. Aber ich glaube, deswegen eine andere Hochschule zu wählen, wäre übertrieben oder?

Danke für den Tipp, ich habe die Fachschaft angeschrieben, bin ja gespannt, was die meinen.

Gruß,
Thomas
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Beitragvon nighean_neonach » Sa 19. Mai 2007, 18:10

Ich denke, man sollte sich die Hochschule wählen, die am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Aber wenn du aus irgendwelchen Gründen an einen Wohnort gebunden bist, musst du natürlich mit dem örtlichen Angebot vorlieb nehmen.
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Beitragvon Cellus » Sa 19. Mai 2007, 20:56

thb hat geschrieben:Habt ihr vielleicht Erfahrungen: Was sind sehr gute Unis für das klass. Phil. Studium? Am besten natürlich im Raum Bayern und Umland, weil in den Uni-Rankings "namhafter" Zeitschriften fehlt das Fach ja leider.


Nach Aussage folgenden Artikels soll die Klass. Philol. an der Uni Erlangen wohl sehr anspruchsvoll sein:

http://www.ciao.de/Latein_Uni_Erlangen_Nurnberg__Test_2494773
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Beitragvon RM » So 20. Mai 2007, 16:00

Seit 2002 ist dort aber einiges Wasser die Donau herunter- bzw. nach Berlin zur Humboldt-Uni abgeflossen ... ;-) - s. http://www2.hu-berlin.de/klassphil/frames1.htm - dort gibt es inzwischen eine Reihe jüngerer engagierter Professoren.
Die LMU ist für klassische Philologie sicher erste Wahl - vor allen Dingen wegen der bibliotheksmäßigen Ausstattung. Wenn man nicht ortsgebunden ist (und nicht unbedingt Lehrer werden will), würde ich jedoch Italien vorschlagen (vor allem Bologna, Pisa, Genua, Venedig, Florenz und Rom).
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Beitragvon barbara » So 20. Mai 2007, 19:06

mh. ich habe bis jetzt natürlich nur die seite der lmu gesehen, aber wenn ich irgendwie die möglichkeit hätte, dort zu studieren, würd ich sie mit sicherheit ergreifen!!
im übrigen soll venedig auch der hammer sein - das kann ich mir auch wirklich gut vorstellen. allerdings ist es angeblich nicht so leicht, dorthin zu kommen.
zu "extravaganter" fächerkombination noch ein wort: der geschäftsführer einer informatikfirma hat mir einmal gesagt: "also wenn mir jemand mit recht guten informatikkentnissen kommt und nebenbei so etwas wie archäologie studiert hat, dann steht der schon mit einem fuß in meiner firma! denn leute mit außergewöhnlichen und vielseitigen interessen sind meistens am besten zu gebrauchen."
sollte das irgendwie gehen (kenne mich mit ba usw. noch nicht so ganz aus...und in deutschland schon gar nicht (falls es dort anders ist)), dann ist das vermutlich ganz und gar kein fehler.

lg :)
barbara

ps: interessiert dich computerlinguistik genauso sehr wie latein, oder würdest du es rein wegen der berufschancen machen?
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Beitragvon thb » So 20. Mai 2007, 21:05

Hallo!

Danke für eure Tipps: Die LMU wäre auch meine erste Wahl, allerdings kann ich mir die Wohnugspreise dort nicht leisten und meine Eltern wollen mich bei einem Latein-Studium nur minimalst unterstützen, da es "sinnlose Zeitverschwendung" ist...

Ich habe die KU Eichstätt ins Auge gefasst, das familiäre Ambiente scheint mir gepaart mit der angeblich guten Lehre (und günstigeren Lebenskosten) ein guter Kompromiss zu sein. Allerdings dort nur Informatik als Nebenfach (würde mich nicht stören, dann mach ich halt Klass. Phil. als Hauptfach ;-)).

Computerlinguistik fände ich auch interessant aber mein Herz hängt hauptsächlich an Latein :smile:


Wenn nur nicht alles so kompliziert wäre...

Aber auf jeden Fall danke für eure Einschätzungen und Tipps!!!

Grüße,
Thomas
thb
 

Beitragvon Clemens » So 20. Mai 2007, 21:39

Und der Kombi Informatik/Latein können sie auch nichts abgewinnen?
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Beitragvon RM » So 20. Mai 2007, 21:47

Also, wenn es sowieso (fast) egal ist und Du nicht 5 Meter von einer Uni entfernt wohnst, würde ich alternativ zur LMU zur Humboldt-Uni tendieren (billlige Buden soll es in Berlin noch geben ... ) - oder nach Pisa (das ist ein teureres Pflaster). "Sinnlose Zeitverschwendung" waren übrigens fast alle Fächer mal irgendwann. Es ist sogar am besten, wenn man sie studiert, solange alle sagen, es sei Zeitverschwendung. An bayerischen Gymnasien bekommst Du z.B. im Moment als Lateinlehrer einen Job, bevor Du das Studium beendet hast. Etwas ähnliches gilt angeblich auch für Las Vegas - dort suchen sie händeringend Lehrer (auch Lateinlehrer) ;-)
Di KU Eichstätt ist seeehr idyllisch, aber nicht schlecht. Man kann sich dort auf jeden Fall auf sein Studium konzentrieren.
Was einem Lateiner neben Forschung und Lehre bleibt, ist der publizistische Bereich im weitesten Sinn - da fällt mir ein: hast Du Dir mal die Uni Mainz angeschaut? Von dort stammen einige Mitarbeiter des ZDF und SWR :-)

8) RM
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