Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :)

Fragen zur Ausbildung rund um die alten Sprachen, ihrer Geschichte und ihrer Archäologie

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Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :)

Beitragvon Sternenkind » Mi 13. Apr 2016, 13:16

Neben dem Grundwortschatz natürlich ;)

Welches Vokabelbuch deckt eurer Meinung nach das ab, was man wirklich wissen MUSS?

Grüße
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Stomachatus » Mi 13. Apr 2016, 14:28

Hier liegt ein Denkfehler zugrunde.

Ein angehender Leteinleher soll nicht Vokabel mit Vokabellisten lernen.

Er muss unbedingt viel Primärliteratur im Original lesen.

Und somit ist die Sache gegessen.
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon marcus03 » Mi 13. Apr 2016, 15:54

Stomachatus hat geschrieben:Er muss unbedingt viel Primärliteratur im Original lesen.


Was aber ohne einen gewissen, weit über den Schulwortschatz hinausgehenden Grundwortschatz mit viel ungenehmer Nachschlagearbeit verbunden sein dürfte, wenn man keine Übersetzung neben sich liegen hat. ;-)
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Stomachatus » Mi 13. Apr 2016, 17:52

Das mit der Listen funktionier nicht.

Vokabeln lernt man nur im Kontext. All der Rest ist Quatsch.

Ich empfehle die einsprachigen Ausgaben mit lateinischen Anmerkungen von Orberg (es gibt Ciciero, Sallust, Vergil und andere Autoren), oder man kann sich auch noch die Editiones in usum Delphini ausdrücken, die findet man bei Googlebooks.

Das herkömmliche Vokabelpauken ist nur Scheiße und vergeudete Mühe

MfG

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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Stomachatus » Mi 13. Apr 2016, 18:01

mit viel unangenehmer Nachschlagearbeit


Na ja, einsprächige Wörterbücher (Wagner, Forcellini) im Netz nachzuschlagen ist heutzutage sehr einfach und viel produktiver (die zweisprachigen Wörterbücher sollte man nicht mal mir der Mistgabel anfassen)
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Longipes » Fr 15. Apr 2016, 15:20

Stomachatus hat geschrieben:Vokabeln lernt man nur im Kontext. All der Rest ist Quatsch.

Das ist richtig, aber kein prinzipielles Argument gegen das "Vokabelpauken". Wichtig ist nur, dass die Vokabeln, die man auswendig lernt, in der Lektüre (oder den Sprachübungen) auch tatsächlich vorkommen.

"Vischers Wortschatz" deckt meiner Erfahrung nach tatsächlich den notwendigen Wortschatz ab; am sinnvollsten ist es, die Vokabeln daraus lektürebegleitend zu markieren oder auf Kärtchen/im Vokabeltrainer einzutragen und dann zu lernen.

Wenn man nur nach Bedarf nachschlägt, vergisst man seltenere Wörter schneller. Bloßes Nachschlagen hat leider eine noch kürzere Nachhaltigkeit als Pauken.

P.S. Grundsätzlich sollte ein Lateinlehrer so viel wie möglich können. Das spart Vorbereitungszeit und erhöht außerdem das Ansehen bei Schülern, die einen nach Erhalt des Wörterbuchs "prüfen" wollen :wink:
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Stomachatus » Fr 15. Apr 2016, 15:38

Noch wichtiger ist die aktive Anwendung. Ohne Schreiben und Sprechen kann man auch nichts lesen lernen.

(Ich weiß, dass die Rückübersetzung in manchen Bundesländern verboten ist; das hindert aber nicht, den Schülern andere aktive Übungen machen zu lassen. Und an der Uni, na ja, man sollte schon Latein schreiben können. Man sollte.)
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Stomachatus » Fr 15. Apr 2016, 15:48

Bibliographie dazu:

KRELL, Michaela: Kein Leseverstehen ohne Sprechen und Schreiben!, Forum Classicum 2/2006, S. 109 - 121

Da man hierzulande immer um frische Sekundärliteratur bittet - quod non est in chartis, non est in mundo.

Mir reicht die Erfahrung er Humanisten - Erasmus, Melanchthon usw.
Die haben alle beim Sprechen und Schreiben Latein gelernt. Und man sieht doch was für einen Niveauunterschied zwischen ihnen und uns besteht.

(Wir bedanken uns herzlich dafür bei der dt. Philologie des 19. Jhdt.

It (die Grammatik-Übersetzungs-Methode) is the offspring of German Scholarship, which seeks to learn everything about something rather than the thing itself

(Rouse, Latin on the direct method, Seite 2)
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Sternenkind » Mi 20. Apr 2016, 13:09

Longipes, von welchem Vonabeltrainer sprichst du?
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Prudentius » Mi 20. Apr 2016, 17:01

Am Rande kann man ruhig erwähnen, es gab in D. den l. Schulaufsatz, bis ihn Kaiser Wilhelm (ab ca. 1890) abschaffte: "Unsere jungen Leute wachsen nicht unter Säulen und Palmen auf, sondern unter d. Eichen", so ungefähr.
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Longipes » Mi 20. Apr 2016, 22:07

Sternenkind hat geschrieben:Longipes, von welchem Vokabeltrainer sprichst du?

Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten: Phase 6 ist derzeit sicherlich der verbreitetste, aber auch BufoVok oder ähnliche Angebote können gewählt werden.
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Martinus » Do 21. Apr 2016, 01:23

Das ist eine interessante Fragen. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt Vokabel gelernt habe, nehme aber an, dass das auf der Uni war. Was häufig vorkommt, bleibt ohnehin im Gedächtnis, und da ich die Texte, die ich mit meinen Schülern lese, ohnehin vorher zumindest durchlese, kommt es selten vor, dass ich im Unterricht ein Wort nachschlagen (lassen) muss. Ich sehe allerdings kein Problem darin, auch Worte nachzuschlagen, denn ein Wörterbuch ist dafür da, dass ich selbst keines zu sein brauche.
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Zythophilus » Do 21. Apr 2016, 22:32

Ein generelles Gebot, wie man Vokabel zu lernen hat, ist nicht sinnvoll, da es individuell unterschiedlich ist. Ein guter Teil geschieht sicher durch Lektüre, während der man sich die Wörter im Laufe der Zeit merkt. Die Orberg-Methode mag für Gespräche à la "Die Knaben spielen im Garten" sehr praktikabel sein, wird aber bei Vergil oder einem philosopischem Text versagen. Da hilft nur der Blick ins WB - oder eben sich vorher mit den entsprechenden Wörtern vertraut machen. Das gilt natürlich auch umgekehrt, wobei natürlich ein gefundenes Wort bzw. eine Wendung darauf überprüft werden muss, ob sie tatsächlich im konkreten Zusammenhang passt.
Lateinunterricht ist i.d.R. die Übersetzung und die anschließende Auseinandersetzung mit einem lateinischen Text. Das kann man kritisieren, aber kurzfristig wird es sich nicht ändern. Die verwendeten Texte gehören ab einem gewissen Grad vermutlich etwa dem Sprachniveau B2 an, darunter tut sich bei Originalliteratur nicht viel. Wie viel Stunden braucht man, um dieses Niveau - oder ein höheres - in dieser Sprache auch aktiv zu erreichen?
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Stomachatus » Fr 22. Apr 2016, 11:00

Zythophilus hat geschrieben:Die Orberg-Methode mag für Gespräche à la "Die Knaben spielen im Garten" sehr praktikabel sein, wird aber bei Vergil oder einem philosopischem Text versagen.


Da irrst Du Dich. Die Orberg-Mathode ist nicht nur Familia Romana. Das ist Band 1. Es bibt noch einen Band 2 "Roma aeterna" (mit Originaltexten!) und mehrere Zusatzhefte mit Originallektüren, unter anderen Vergil, den Du erwähnt hast.

Und das ist ein schönes Beispiel, um zu beweisen, dass Du da falsch liegst.

Im zweiten Band "Roma Aeterna" finden man die Prosa-Paraphrase der ersten vier Bücher der Aeneis. Dann kann man das entsprechende Heft mit dem Orginaltext lesen.

Und ich könnte auch sagen, contra factum non valet argomentum: es gibt wenigstens einen Circulus Latinus in Deutschland, wo nicht über Unfug geredet wird.

Es werden mehrere Treffen wöchentlich veranstaltet:
Familia Romana für die Anfänger
Originallektüre für Fortgeschrittene

Es gibt leider viele Leute, die nur oberflächlich die Orberg-Methode kennen und trotzdem glauben, besserwisserisch darüber reden zu können.
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Re: Wie viele/ welche Vokabeln sollte Lateinlehrer wissen? :

Beitragvon Zythophilus » Fr 22. Apr 2016, 15:38

Wie lange es dauert, nicht nur Texte auf einem mindestens dem Niveau B2 der modernen Sprachen entsprechenden Niveau nicht nur zu verstehen, sondern sich auch in diesem schriftlich und mündlich ausdrücken zu können, weiß ich noch immer nicht.
Eine Paraphrase eines Vergiltexts kann tatsächlich viel zum Verständnis des Textes beitragen - aber nur, wenn man sie selber aufgrund der Lektüre des Originals anfertigt.
Sonst hilft eine Inhaltsangabe in leichterem Latein natürlich den Inhalt zu verstehen - das geht anders auch -, schaltet aber eine Zwischenebene ein. So etwas hilft nur bedingt, das Original zu verstehen, da das Wissen um den Inhalt keineswegs mit einem Textverständnis gleichzusetzen ist. Literatur ist mehr als Informationsaustausch. Von Syntax und Grammatik will ich nicht reden. Es ist sicher möglich, auch davon zu profitieren, und vielleicht auch hilfreich, wenn man aktiv Latein beherrschen will, aber der Zeitfaktor wird wohl unterschätzt. Dazu kommt, dass ein Text der nicht so aufbereitet und mit einer Inhaltsangabe in einfachem Latein versehen ist - und das ist die Mehrzahl der Texte -, weiterhin ein Buch mit siegeln Siegeln bleibt.
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