De Vita Solitaria

Korrektur und Hilfestellungen bei Übersetzungen für die Schule und das Leben sowie deutsch-lateinische Übersetzungen für Nichtlateiner

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De Vita Solitaria

Beitragvon mystica » Di 12. Mär 2019, 17:07

Bitte meinen Übersetzungsvorschlag kontrollieren.Ich freue mich über jedes konstruktive Feedback von Euch! DANKE!!!!

Abbas Bernardus Claraevallensis ad fratres de monte Dei. De Vita Solitaria
Abt Bernhard von Clairvaux zu den Brüdern vom Berg Gottes (Gottesberg). Über das einsame Leben.

1) Pietas enim haec est iugis Dei memoria, continua intentionis actio ad intelligentiam eius, indefessa affectio in amorem eius: ut nulla unquam inveniat servum Dei, non dicam dies, sed hora, nisi vel in exercitii labore et proficiendi studio, vel in experientiae dulcedine et fruendi gaudio.

Die Frömmigkeit nämlich ist das andauernde Andenken Gottes, eine andauernde Handlung des Eifers zu seiner Erkenntnis, unermüdlicher Drang nach seiner Liebe: so dass keine Stunde jemals einen Diener Gottes antreffen möge, ich spreche nicht vom Tag, außer in den Mühen der Übung und im Eifer des Voranschreitens, oder bei der süßen Freude des Genusses ihrer Erfahrung.

2) Haec est pietas, de qua Apostolus dilectum sibi discipulum admonet dicens: Exerce temetipsum ad pietatem.

Dies ist die Frömmigkeit, worüber der Apostel zu sich sprechend, seinen Schüler ermahnt: Übe Dich mit Dir selbst zur Frömmigkeit.

3) Nam corporalis exercitatio ad modicum utilis est.

Denn die körperliche Übung zur Mäßigung ist nützlich.

4) Pietas vero ad omne opus bonum est utilis, habens promissionem vitae quae nunc est et futurae (I Tim. IV, 7, 8.).

Die Frömmigkeit aber ist zu jedem guten Werk nützlich, welches die Verheißung des Lebens hat, welches jetzt und in der Zukunft ist.

5) Pietatis enim non solummodo formam, sed et veritatem in omnibus et prae omnibus habitus vester repromittit, propositum vestrum requirit.

Die Frömmigkeit ist nämlich nicht nur allein der Charakter, aber auch die Wahrheit in allem und vor allem verspricht es neu eure Gesinnung und erfordert euer Gelübde.

6) Nam, sicut idem apostolus dicit, Sunt aliqui formam quidem pietatis habentes, virtutem autem eius abnegantes (II Tim. III, V) .

Denn, wie derselbe Apostel sagt, es gibt sicherlich Menschen eine gewisse Form der Frömmigkeit haben, die aber deren Tugend verleugnen.

7) Hanc quicunque vestrum non habet in conscientia, non exhibet in vita, non exercet in cella, non solitarius, sed solus dicendus est: nec cella ei cella, sed reclusio et carcer est.

Jeder, der von euch nicht nicht im Bewusstsein hat, soll ess nicht im Leben darstellen, nicht übt er es in der Klosterzelle ein, nicht einsam, aber allein muss er sagen, nicht die Klosterzelle ist ihm eine Klosterzelle, aber eine Abgeschiedenheit und ein Kerker.

8.) Vere enim solus est, cum quo Deus non est: vere reclusus est, qui in Deo liber non est.

Wahrlich nämlich ist allein, mit wem Gott nicht ist: aber abgeschieden ist, der in Gott nicht frei ist.

9) Solitudo enim, et reclusio sunt nomina miseriae: cella autem nequaquam debet esse reclusio necessitatis, sed domicilium pacis, ostium clausum: non latebrae, sed secretum.

Die Einsamkeit nämlich, und die Abgeschiedenheit sind Namen der Armut: die Klosterzelle aber muss nicht eine Abgeschiedenheit des Zwanges sein, sondern ein zu Hause des Friedens, eine geschlossene Tür: nicht ein Versteck, aber ein einsamer Ort.

10) Cum quo enim Deus est, nunquam minus solus est, quam cum solus est. Tunc enim libere fruitur gaudio suo, tunc ipse suus est sibi, ad fruendum Deo in se, et se in Deo.

Mit wem nämlich Gott ist, niemals ist er weniger allein, als wenn er allein ist. Dann nämlich genießt er frei seine Freude, dann ist er für sich selbst, um Gott in sich zu genießen, und er ist in Gott.

11) Tunc in luce veritatis, in sereno mundi cordis ultro patet sibi pura conscientia, et libere se in se fundit affecta de Deo memoria: et vel illuminatur intellectus, et bono suo fruitur affectus; vel libere seipsum deflet humanae fragilitatis defectus.

Dann im Licht der Wahrheit, weitet sich noch dazu das reine Gewissen in der Heiterkeit des reinen Herzens aus, und zu befreien sich, spricht sich das beschaffene Denken über Gott aus: oder auch der Verstand wird erleuchtet, und genießt sein bereitetes Gut, oder sich selbst zu befreien, beweint er die Schwäche der menschlichen Zerbrechlichkeit.

12) Propter hoc secundum formam propositi vestri habitantes in coelis potius quam in cellis, excluso a vobis toto saeculo, totos vos inclusistis cum Deo.

Wegen diesem nach der Form eures Vorhabens seid ihr mehr Bewohner in den Himmeln als in den Klosterzellen, euch ausgenommen von der ganzen Welt, ihr habt euch alle mit Gott eingeschlossen.

13) Cellae si quidem et coeli habitatio cognatae sunt; quia sicut coelum et cella ad invicem videntur aliquam habere cognationem nominis, sic et pietatis.

Wenn freilich die verwandten Klosterzellen auch die Wohnungen des Himmels sind, weil wie der Himmel gegenüber der Klosterzelle erscheint, haben sie eine gewisse Verwandtschaft ihres Namens, so wie auch die Frömmigkeit.

14) A celando enim coelum, et cella nomen habere videntur: et quod celatur in coelis, hoc et in cellis: quod geritur in coelis, hoc et in cellis.

Es scheint, dass nämlich der Himmel von der Verborgenheit her und die Klosterzelle ihren Namen haben: und was in den Himmeln verborgen wird, dies auch in den Klosterzellen: was in den Himmeln getan wird, dies auch in den Klosterzellen.

15) Quidnam est hoc? Vacare Deo, frui Deo.

Was denn ist dies? Für Gott frei zu sein, Gott zu genießen.
Zuletzt geändert von mystica am Fr 15. Mär 2019, 16:48, insgesamt 1-mal geändert.
"Cum quo enim Deus est, nunquam minus solus est, quam cum solus est. Tunc enim libere fruitur gaudio suo, tunc ipse suus est sibi, ad fruendum Deo in se, et se in Deo". (Abbas Bernardus Clarevallis)
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Re: De Vita Solitaria

Beitragvon Tiberis » Di 12. Mär 2019, 20:00

nicht gerade wenig :hairy:
ich fange einmal an...
mystica hat geschrieben:1) Pietas enim haec est iugis Dei memoria, continua intentionis actio ad intelligentiam eius, indefessa affectio in amorem eius: ut nulla unquam inveniat servum Dei, non dicam dies, sed hora, nisi vel in exercitii labore et proficiendi studio, vel in experientiae dulcedine et fruendi gaudio.
Die Frömmigkeit nämlich ist dieses Gedächtnis des Jochs Gottes, eine ununterbrochene Handlung der Absicht (intentionis actio???) zu dessen (eius?? seinem???) Verstand, unermüdliche Beschaffenheit in deren Liebe: dass niemals eine zum Diener Gottes kommen soll, nicht werde (dicam = soll/werde??) ich Tag, sondern Stunde sagen, wenn nicht auch in der Mühe der Übung und im Eifer des Vorankommens, oder bei der süssen Freude des Genießens der Erfahrung.


Diese Frömmigkeit ist/ bedeutet unablässiges (!) Denken an Gott, ständiges Bemühen, ihn zu begreifen, unermüdliches Streben nach seiner Liebe, auf dass keine Stunde - vom Tag rede ich gar nicht -jemals einen Diener Gottes antreffen möge außer bei der Arbeit des Exercitiums und dem Bemühen, (darin) Fortschritte zu erzielen, oder im süßen Gefühl seiner Erfahrung und der Freude, (dies) zu genießen.
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Re: De Vita Solitaria

Beitragvon Prudentius » Mi 13. Mär 2019, 10:33

5) Pietatis enim non solummodo formam, sed et veritatem in omnibus et prae omnibus habitus vester repromittit, propositum vestrum requirit.

Die Frömmigkeit ist nämlich nicht nur allein die Form, aber auch die Wahrheit in allem und vor allem euere Haltung verspricht es, und euer Vorhaben erfordert es.


Du hast hier drei Sätze, es sind aber nur zwei, oder besser ein Doppelsatz;
du übersetzt lauter Einzelwörter, keine Satzteile.

Erfasse die Gegensätze: formam : veritatem, bloßer Schein : Verwirklichung;
habitus : propositum, allgemeine Haltung : Vorsatz;
Zwei Prädikate, zwei Subjekte, zwei Objekte.

"Eure Haltung verspricht, euer Vorsatz erfordert nicht nur ein Scheinbild von Frömmigkeit, sondern ihre Verwirklichung", ungefähr.

:)
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Re: De Vita Solitaria

Beitragvon mystica » Mi 13. Mär 2019, 12:28

Tiberis hat geschrieben:
Diese Frömmigkeit ist/ bedeutet unablässiges (!) Denken an Gott, ständiges Bemühen, ihn zu begreifen, unermüdliches Streben nach seiner Liebe, auf dass keine Stunde - vom Tag rede ich gar nicht -jemals einen Diener Gottes antreffen möge außer bei der Arbeit des Exercitiums und dem Bemühen, (darin) Fortschritte zu erzielen, oder im süßen Gefühl seiner Erfahrung und der Freude, (dies) zu genießen.


Salve Tiberis mi amice care!

Cum magno gaudio translationem admirabilem tuam legi. Nunc per auxilium tuum verba abbatis Bernadi Claraevallensis melius intelligere possum. Donum Dei est, ut a te multa discere possim. Bene scio hunc textum multum temporis et otii in convertendo requirere. Ea de causa auxilium magnum tuum in hac re valde aestimo. Ita tibi opto ex corde meo multum temporis et otii in convertendo sermone abbatis Bernardi. Maximas tibi gratias ago antecessum! Vale!
Zuletzt geändert von mystica am Di 2. Apr 2019, 12:21, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: De Vita Solitaria

Beitragvon mystica » Mi 13. Mär 2019, 13:11

Salve Prudentii care,

maximas gratias tibi ago pro auxilio tuo! Verum est me in convertendo sermone Bernardi Claraevallensi ad fratres in monte Dei non semper structuras sententiarum recte cognoscere. Videtur sensus sententiarum Bernardi Claraevallensi semper non facilis intellegere esse. Ea de causa tibi grata sum pro correctionibus tuis. Te quaeso valde ne desinas me in convertendo adiuvare. Vale!
"Cum quo enim Deus est, nunquam minus solus est, quam cum solus est. Tunc enim libere fruitur gaudio suo, tunc ipse suus est sibi, ad fruendum Deo in se, et se in Deo". (Abbas Bernardus Clarevallis)
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