Bewusstsein in der Warteschleife.

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Bewusstsein in der Warteschleife.

Beitragvon Willimox » Do 28. Nov 2019, 16:55

Intressant vielleicht, wie unser kognitiver Apparat/Bewusstsein die folgenden Situationen sprachlich mit den Konzepten "vor" und "hinter", also mit Orientierungspartikeln lokaler Art, beschreibt und versteht oder wie es zögert.

a) Situation Tasse im Raum

Bild

Findet sich der unsichtbare Betrachter dieser Szene vor oder hinter der weißen Tasse links?

b) Situation Auto auf der Straße

Wie versteht der Lenker des Mittelstreifenautos die Anweisung: Park "vor" dem Auto!
Versteht er A. oder B.?
Gibt es beide Verstehensvarianten?
Sind sie gleich häufig/gültig oder gibt es eine gewisse Bevorzugung?

Bild

c) Einordnung

Und was besagen diese zwei Situationsmodelle und ihre Testbeoachtung empirisch über das Zusammenspiel von Sprache, Denken, Verstehen, Begreifen, Wahrnehmungsraum, Perspektive und und und?

Hat das irgendetwas mit der Frage nach Dualismus oder Monismus zu tun, oder sind diese Situationsmodelle weltanschauungsneutral und insofern gültig jenseits :) solcher populär-philosophisch kontrastiven Grenzziehungen?

:chefren:

Bild
Zuletzt geändert von Willimox am So 1. Dez 2019, 20:18, insgesamt 8-mal geändert.
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Re: Sprachliche Orientierung: Vor oder hinter der Kaffetasse

Beitragvon sinemetu » Do 28. Nov 2019, 22:37

Interessant!

Salve Willibald, ich, als Fahrer würde beides als möglich erachten, damit die Anweisung wiederholt haben wollen.

Man sollte ein Umfrage machen..
Quaestor sum, quaerere quaerique possum ...
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Re: Sprachliche Orientierung: Vor oder hinter der Kaffetasse

Beitragvon Willimox » Do 28. Nov 2019, 23:57

Ja, Intimidus, eine Umfrage ist für die sprachliche Bedeutungs-Klärung gut.

NB, angenommen: Dein Beifahrer sagt nun: Park einfach da vorne, nicht hinten."
Ist das dann auch für dich die Zielposition A?
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Re: Wo verorten? "Vor" oder "hinter" oder "x"?

Beitragvon Willimox » Fr 29. Nov 2019, 11:12

Hm,
Wir/unser menschlicher Geist erleben das Auto als ein Ding, das vorne große Scheinwerfer hat und normalerweise sich auch in dieser Richtung fortbewegt und in die auch der Fahrer "ausgerichtet" ist. "Hinter" dem Auto, ist der Bereich, in den sich der Fahrer umdrehen muss, wenn er "rückwärts" fährt oder den Verkehr "hinter" sich kontrollieren will. Auf diesen Bereich sind denn auch die Brems- und Rücklichter ausgerichtet.

Bild

Genau dieser Erfahrungsraum und seine Orientierungsdaten sind denn auch in unserer Frage irgenwie "wirksam". Es kann gut sein, dass deswegen manche Hörer von "Park vor dem Auto" den Bereich B. anvisieren. Ein erfahrungsgesättigter und bereits vom menschlichen Bewusstsein kartographierter Autokörper und Fahruntersatz spielt hier seine Rolle.

Gleichzeitig kann aber auch das Orientierungsfeld im fahrenden und parken sollenden Auto seine Rolle spielen. Im Gesichtsfeld seines Fahrers ist "vorne" jedenfalls näher als das "hinten". Und so wählt er A.
Das tut er übrigens auch, wenn er "rückwärts" - leicht verboten" einparken will. Das Gesichtsfeld des Fahrers setzt sich dabei wohl gegen die Standard-Kartographie seines Autos durch.

Beim Testen dieser Fragen scheint es so zu sein, dass eine der zwei Möglichkeiten doppelt so oft gewählt wird....


Jetzt vielleicht nochmal die Tassen-Sache? Stationiert der Betrachter
außerhalb des Bildes
fast automatisch, sozusagen instinktiv und auf latenten Zuruf des Gehirns einen unsichtbaren Szenenbetrachter?
Und wo lokalisiert er ihn, wenn ihn unser Gehirn als plausibel interpoliert, im Bild?

Bild


valete

Thr.
Zuletzt geändert von Willimox am Sa 30. Nov 2019, 16:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wo verorten? "vor" oder "hinter" oder "wrx"?

Beitragvon ille ego qui » Sa 30. Nov 2019, 15:02

Das kenne ich doch irgendwoher ...

:D
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Re: Wo verorten? "vor" oder "hinter" oder "wrx"?

Beitragvon Willimox » Sa 30. Nov 2019, 15:33

Nun ja, dieser ille hat mal was über Präpositionen referieren wollensollen. Zeigen wollte Schüchterling Klammherz Scheffeluntersteller :) es natürlich nicht: "Äh, nää bää, war nur mündliches Referat, richtig schlecht."

Und das Bild dürfte er kaum kennen. Eine brasilianische Serie mit Schutzengeln ("Bei den Dreharbeiten kamen keinerlei Menschen zu Schaden"), delectatio mentis et cordis, ("Keiner wacht", bei Netflix).

Willst du nicht mal hier was über die praktische Didaktik erzählen? Bisher ist hier dafür so viel Platz wie vor der Hütte mit dem Kinderpunsch auf dem Münchner Marienplatz.

Manche unserer KorYphäen hier werden zwar kaum darauf einsteigen (Unnötig. Verkopft. Wo bleibt die Originalsprache. Natürlich sprechen. So geht das nicht.) sind aber vielleicht trotz andersartiger Schwerpunkte und Perspektiven und schulnostalgiefrei open minded.

Das Tellurische bekäme seinen Raum und Thrasybulus reduziert den Schabernack mit Labersack Sinemetu IQ-PPP. Das wäre doch schön.

:chefren:
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